ASSEKURATA: Laufende Verzinsung von Lebensversicherungen sinkt auf 2,74 Prozent

Zum 18. Mal in Folge hat die ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur Überschussbeteiligungen und Garantien von insgesamt 47 deutschen Lebensversicherern analysiert.

Diese spiegeln nach Prämieneinnahmen einen Marktanteil von 79 Prozent wider. Die Studie offenbart, wie Altersvorsorgeverträge aus den Bereichen Klassik, Neue Klassik und Indexpolicen aktuell verzinst werden und welche Renditen die Kunden erwarten können.

Zudem gibt die Studie Informationen rund um das Thema Garantien, beispielsweise zur Zerlegung der Deckungsrückstellung nach Tarifgenerationen und zur Dotierung der Zinszusatzreserve.

Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur, dazu:

„Als Folge des verschärften Zinsniveaus 2019 stehen die Deklarationen klassischer Verträge wie erwartet erneut unter Druck. Über alle analysierten Produktarten und Tarifgenerationen sinkt die laufende Verzinsung 2020 im Marktdurchschnitt um 0,09 Prozentpunkte auf 2,74 %.“

Dabei bleibt die Verzinsung bei älteren Tarifgenerationen wegen der vertraglichen Garantien weitgehend stabil.

Im gewichteten Marktdurchschnitt fällt die Überschussdeklaration mit 2,79 Prozent höher aus als im arithmetischen.

Dr. Reiner Will erklärt:

„Dies bedeutet, dass größere Unternehmen ihre Lebensversicherungspolicen tendenziell etwas besser verzinsen als kleinere. Dies war vor einigen Jahren noch anders.“

Grafik 1: Überschussbeteiligungen

 

Unveränderte Maximaldeklaration in der klassischen privaten Rente

Von den 30 Unternehmen mit einer klassischen privaten Rentenversicherung mit Höchstrechnungszins von 0,90 Prozent haben 21 die laufende Verzinsung abgesenkt. Neun Gesellschaften hielten an der Deklaration fest, darunter die Ideal Lebensversicherung, die mit 3,30 Prozent weiterhin marktweit die mit Abstand höchste laufende Verzinsung gewährt.

Rechnet man die aktuellen Deklarationen inklusive der in Aussicht gestellten Schlussüberschüsse auf einen 25-jährigen Mustervertrag hoch, so liegt die illustrierte Beitragsrendite im Marktdurchschnitt bei 2,07 Prozent

Dr. Reiner Will sagt:

„Sie kann als unverbindliche Effektivverzinsung auf die Beiträge eines Kunden interpretiert werden. Im Vergleich zu anderen konservativen Sparanlagen ist dies eine sehr ordentliche Rendite. Wenn die Kapitalmarktzinsen allerdings so niedrig bleiben, wird sie letztendlich schwer zu realisieren sein.“

Mit 24 Unternehmen vertreibt gerade einmal die Hälfte der Studienteilnehmer überhaupt noch eine klassische private Rentenversicherung mit lebenslangem Garantiezins von 0,90 Prozent im Neugeschäft.

Lars Heermann, Bereichsleiter für Analysen und Bewertungen bei ASSEKURATA, dazu:

„Die traditionelle Klassik rückt im Regal der Lebensversicherer offenbar immer weiter nach hinten. Dies zeigen auch die Wachstumseinschätzungen der Anbieter für verschiedene Geschäftsfelder, welche wir wieder in bewährter Systematik abgefragt haben. Im Ergebnis legen fast alle Teilnehmer für die Klassikeine negative Erwartungshaltung an den Tag.“

Anbieter neuer klassischer Tarife steigt weiter

Die Wachstumschancen für neue oder moderne klassische Produkte (Neue Klassik) schätzt die Branche deutlich optimistischer ein. Zugleich bieten in diesem Jahr mit 28 Unternehmen (Marktanteil 61 Prozent) erstmals mehr Lebensversicherer einen neuen klassischen Tarif im Neugeschäft an als das traditionelle Pendant.

Zum Vergleich: Im Rahmen der erstmaligen Untersuchung der Neuen Klassik im Jahr 2015 hatte der Marktanteil erst bei einem Drittel gelegen.

Wie die Klassik in ihrer traditionellen Form basieren auch neue klassische Policen auf einer konventionellen Überschusssystematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und der Zeit. Häufig haben die Anbieter aber die Garantieelemente gegenüber der Klassik modifiziert beziehungsweise herabgesetzt.

So haben auch die Anbieter neuer klassischer Produkte mehrheitlich (20 Unternehmen) die laufende Verzinsung abgesenkt, die restlichen acht hielten sie stabil.

Für 2020 liegt die laufende Verzinsung der betrachteten Tarife bei durchschnittlich 2,28 Prozent (Vorjahr: 2,40 Prozent) und damit leicht unterhalb der Klassik (2,29 Prozent). Bei der Gesamtverzinsung und der illustrierten Beitragsrendite stellt sich dann jedoch ein Renditevorteil gegenüber der Klassik wegen eines geringeren Garantieniveaus heraus.

Letzteres spiegelt sich in der garantierten Beitragsrendite wider, die sich im Durchschnitt der untersuchten Tarife bei der Null -Prozent-Marke einpendelt, was rechnerisch einem vollständigen Brutto-Beitragserhalt entspricht. Klassische Rentenversicherungen liegen mit durchschnittlich 0,15 Prozent etwas darüber und garantieren insoweit einen leicht positiven Kapital-zuwachs.

Grafik 2: Überschussbeteiligung

Optimistischeres Stimmungsbild

Insgesamt zeichnen die Teilnehmer gegenüber früheren Studien ein optimistischeres Stimmungsbild. Dies korrespondiert mit den aktuellen Wachstumsdaten der Branche.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat 2019 besonders das Geschäft gegen Einmalbeitrag um mehr als ein Drittel zugenommen. In der diesjährigen Assekurata-Studie zeigt sich dazu, dass Einmalbeitragspolicen mit zweijähriger und zehnjähriger Aufschubzeit einen Deklarationszins von durchschnittlich rund 1,30 Prozent (gewichtet: 1,05 Prozent) erhalten, was für Kunden im Wettbewerbsvergleich augenscheinlich attraktiv ist

Grafik3: Überschussbeteiligung

 

Gleichzeitig liegt die Verzinsung damit deutlich unterhalb der Verzinsung bei laufenden Rentenbezügen oder Policen gegen laufenden Beitrag.

 

Bilder: (1) © VadimGuhva – AdobeStock (2-4) © ASSEKURATA Assekuranz-Rating-Agentur GmbH

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