Unternehmenskredite werden teurer: Banken verlangen wieder höhere Zinsen

Veröffentlichung: 06.11.2026, 19:11 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

Unternehmen, die investieren wollen, müssen für ihre Finanzierung wieder tiefer in die Tasche greifen. Nach aktuellen Zahlen der Europäischen Zentralbank stiegen die durchschnittlichen Finanzierungskosten neuer Unternehmenskredite im Euroraum im September 2026 auf 3,90 Prozent. Gleichzeitig berichten deutsche Banken von strengeren Vergabestandards und einer rückläufigen Kreditnachfrage. Damit verschärft sich eine Situation, in der viele Unternehmen Investitionen benötigen, die Finanzierung dafür aber schwieriger wird.

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Steigende Kreditzinsen und strengere Vergabestandards verteuern die Finanzierung für Unternehmen und erschweren notwendige Investitionen.Steigende Kreditzinsen und strengere Vergabestandards verteuern die Finanzierung für Unternehmen und erschweren notwendige Investitionen.Experten/KI

Wenn Investitionen an der Finanzierung scheitern können

Die deutsche Wirtschaft braucht Investitionen. Produktionsanlagen müssen modernisiert, Gebäude energetisch angepasst, digitale Infrastruktur aufgebaut und bestehende Geschäftsmodelle weiterentwickelt werden. Dass diese Vorhaben Geld kosten, ist keine neue Erkenntnis. Schwieriger wird es allerdings, wenn Unternehmen ihre Investitionen ausgerechnet in einer Phase finanzieren müssen, in der Banken vorsichtiger werden und Kredite gleichzeitig teurer sind.

Nach der aktuellen Bankzinsstatistik der Europäischen Zentralbank erhöhten sich die durchschnittlichen Finanzierungskosten neuer Unternehmenskredite im Euroraum im September um 13 Basispunkte auf 3,90 Prozent.

Besonders bei größeren Finanzierungen zogen die Zinssätze an. Für neue Kredite über eine Million Euro mit variabler Verzinsung und einer anfänglichen Zinsbindung von höchstens drei Monaten lag der durchschnittliche Zinssatz bei 3,51 Prozent.

Diese Entwicklung ist für Unternehmen relevant, deren Investitionen über mehrere Jahre finanziert werden müssen. Bereits vergleichsweise geringe Veränderungen des Kreditzinses können die laufende Belastung deutlich erhöhen.

Bei einem Kredit über eine Million Euro bedeutet ein um 0,5 Prozentpunkte höherer Zinssatz rechnerisch zunächst 5.000 Euro zusätzliche Zinskosten pro Jahr, sofern die volle Kreditsumme aussteht. Wie hoch die tatsächlichen Mehrkosten ausfallen, hängt von Laufzeit, Tilgung und Zinsbindung ab.

Banken sehen höhere Risiken

Die gestiegenen Finanzierungskosten treffen auf eine Kreditwirtschaft, die ihre Risikoeinschätzungen zuletzt verschärft hat.

Nach dem Ende Oktober veröffentlichten Bank Lending Survey der Deutschen Bundesbank haben deutsche Kreditinstitute ihre Vergaberichtlinien für Unternehmenskredite im dritten Quartal erneut gestrafft.

Als wesentliche Gründe nannten sie gestiegene Kreditrisiken, die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Branchen und eine ungünstigere Einschätzung der allgemeinen Konjunktur.

Auch die Bedeutung notleidender Kredite wirkte sich auf die Vergabestandards aus. Gleichzeitig berichteten die Banken von höheren Margen, insbesondere bei risikoreicheren Finanzierungen.

Damit entstehen für Unternehmen zwei unterschiedliche Belastungen. Einerseits steigen die Kosten für Kredite, die tatsächlich bewilligt werden. Andererseits können strengere Anforderungen dazu führen, dass Finanzierungen nur noch mit zusätzlichen Sicherheiten oder überhaupt nicht zustande kommen.

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen kann dies problematisch sein, weil sie häufig stärker von Bankkrediten abhängig sind als große Kapitalgesellschaften mit Zugang zu Anleihe- und Eigenkapitalmärkten.

Die Kreditnachfrage geht ebenfalls zurück

Bemerkenswert ist, dass die Banken nicht nur strengere Vergabebedingungen melden. Nach den Ergebnissen der Bundesbank ging die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im dritten Quartal erstmals seit mehr als zwei Jahren zurück.

Besonders betroffen waren kleine und mittlere Unternehmen sowie längerfristige Finanzierungen.

Ein solcher Rückgang kann unterschiedliche Ursachen haben. Unternehmen können Investitionen verschieben, weil sie die wirtschaftlichen Aussichten ungünstiger beurteilen. Ebenso können höhere Finanzierungskosten dazu führen, dass ursprünglich geplante Vorhaben nicht mehr ausreichend rentabel erscheinen.

Die Kreditnachfrage allein erlaubt deshalb keine eindeutige Aussage über die wirtschaftliche Lage der Unternehmen. Sie zeigt aber, dass Investitionsbereitschaft und Finanzierungsmöglichkeiten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können.

Wenn Unternehmen weniger investieren, kann dies kurzfristig ihre Liquidität schonen. Langfristig können verschobene Modernisierungen jedoch die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, insbesondere wenn technische Anlagen veralten oder notwendige Produktivitätsverbesserungen ausbleiben.

Was die Entwicklung für Versicherer bedeutet

Für die Versicherungswirtschaft ist die Unternehmensfinanzierung vor allem deshalb relevant, weil die wirtschaftliche Stabilität gewerblicher Kunden auch deren Versicherungsbedarf beeinflusst.

Investitionen in neue Gebäude, Maschinen und technische Anlagen schaffen zusätzliche versicherbare Werte. Werden solche Vorhaben zurückgestellt, verändert sich entsprechend die Entwicklung des gewerblichen Versicherungsbestands.

Gleichzeitig können wirtschaftliche Schwierigkeiten bestehende Risiken beeinflussen. Unternehmen mit eingeschränkten finanziellen Spielräumen müssen ihre Ausgaben besonders sorgfältig priorisieren. Ob und in welchem Umfang sich dies auf Wartung, Instandhaltung oder Sicherheitsmaßnahmen auswirkt, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab und lässt sich aus der Bankzinsstatistik nicht unmittelbar ableiten.

Auch für Kreditversicherer ist die Entwicklung der Unternehmensfinanzierung von Interesse. Höhere Finanzierungskosten können die Liquiditätslage von Unternehmen belasten und damit unter bestimmten Voraussetzungen deren Ausfallrisiken beeinflussen.

Eine unmittelbare Zunahme von Zahlungsausfällen lässt sich aus den vorliegenden Daten allerdings nicht nachweisen.

Zwischen Konjunkturhoffnung und Kreditwirklichkeit

Die jüngsten Konjunkturumfragen zeigen, dass sich die Geschäftserwartungen in Teilen der deutschen Wirtschaft zuletzt verbessert haben. Daraus ergibt sich jedoch noch keine gesicherte Investitionserholung.

Denn zwischen einer günstigeren Erwartung und einer tatsächlich durchgeführten Investition steht häufig die Finanzierung. Unternehmen müssen nicht nur davon überzeugt sein, dass sich ein Vorhaben wirtschaftlich lohnt. Sie benötigen auch Kapital zu Bedingungen, die mit ihren erwarteten Erträgen vereinbar sind.

Die aktuellen Zahlen der EZB und der Bundesbank zeigen, dass diese Voraussetzungen schwieriger geworden sind.

Ob daraus eine längerfristige Investitionsschwäche entsteht, hängt wesentlich davon ab, wie sich Kreditrisiken, Unternehmensgewinne und die Finanzierungskosten in den kommenden Quartalen entwickeln.

Eine wirtschaftliche Erholung, die Investitionen voraussetzt, braucht schließlich auch Unternehmen, die sie bezahlen können.

Quellen:
Europäische Zentralbank, Bankzinsstatistik September 2026, veröffentlicht am 2. November 2026

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