Christine Lagarde kündigt vorzeitigen Rücktritt als EZB-Präsidentin an

Veröffentlichung: 29.10.2026, 11:10 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

(PDF)
Official portrait photo of ECB president Christine Lagarde, Frankfurt, Germany, 2025Official portrait photo of ECB president Christine Lagarde, Frankfurt, Germany, 2025European Central Bank 2025 / Maurice Weiss/Ostkreuz for ECB

Christine Lagarde wird die Europäische Zentralbank (EZB) früher verlassen als ursprünglich vorgesehen. Wie die Notenbank am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, offiziell mitteilte, legt die 70-Jährige ihr Amt am 7. Februar 2027 nieder. Ihre reguläre Amtszeit hätte erst Ende Oktober 2027 geendet. Über ihre Nachfolge ist bislang nicht entschieden.

Lagarde informierte den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, über ihren Entschluss. Die Mitglieder des EZB-Rates dankten ihr nach Angaben der Zentralbank mit lang anhaltendem Applaus.

Seit dem 1. November 2019 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Sie folgte damals auf den Italiener Mario Draghi. Zuvor hatte sie von 2011 bis 2019 den Internationalen Währungsfonds (IWF) geleitet.

Nachfolge an der EZB-Spitze noch offen

Mit dem angekündigten Rücktritt beginnt die Suche nach einer neuen Führung für die wichtigste geldpolitische Institution des Euroraums.

Als mögliche Nachfolger werden unter anderem der frühere niederländische Notenbankpräsident Klaas Knot und der ehemalige spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos gehandelt. Eine offizielle Nominierung liegt bislang nicht vor.

Die Ernennung des neuen EZB-Präsidenten erfolgt durch den Europäischen Rat nach dem in Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegten Verfahren. Die Amtszeit beträgt acht Jahre, eine Wiederernennung ist ausgeschlossen.

Wechsel zum Weltwirtschaftsforum im Gespräch

Bereits vor der offiziellen Rücktrittsankündigung hatten Berichte über einen möglichen Wechsel Lagardes an die Spitze des Weltwirtschaftsforums (WEF) für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Organisation richtet unter anderem das jährliche Treffen internationaler Wirtschafts- und Politikvertreter in Davos aus.

Ob Lagarde tatsächlich eine Führungsposition beim Weltwirtschaftsforum übernehmen wird, ist bislang nicht offiziell bestätigt. Die Pressemitteilung der EZB enthält dazu keine Angaben.

Lagarde wird die Europäische Zentralbank damit rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit verlassen. Bis zu ihrem angekündigten Ausscheiden bleibt sie Präsidentin der EZB.

Quelle: Europäische Zentralbank (EZB)


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Mauro Valle, Head of Fixed Income bei Generali InvestmentsMauro Valle, Head of Fixed Income bei Generali InvestmentsGenerali Investments
National

Haushaltspaket treibt Bundesanleihen in die Höhe

Die Ankündigung eines groß angelegten Infrastruktur- und Verteidigungsprogramms durch die deutsche Regierung hat die Märkte in Bewegung versetzt. Innerhalb von nur zwei Tagen sind die Renditen von Bundesanleihen um 40 Basispunkte auf 2,9 Prozent gestiegen. Mauro Valle, Head of Fixed Income bei Generali Investments, analysiert die Folgen für Investoren.
Höhere Energiepreise treiben die Inflation im Euroraum, während die Konjunktur schwach bleibt. Vor der nächsten Zinsentscheidung steht die EZB damit vor einem schwierigen Zielkonflikt: Kann sie mit höheren Zinsen Zweitrundeneffekte verhindern, ohne die Wirtschaft unnötig zu belasten?Höhere Energiepreise treiben die Inflation im Euroraum, während die Konjunktur schwach bleibt. Vor der nächsten Zinsentscheidung steht die EZB damit vor einem schwierigen Zielkonflikt: Kann sie mit höheren Zinsen Zweitrundeneffekte verhindern, ohne die Wirtschaft unnötig zu belasten?Redaktion experten.de / KI-generiert
International

Zinsen gegen Ölpreise: Greift die EZB zum falschen Instrument?

Am 10. September dürfte die Europäische Zentralbank den Einlagensatz erneut anheben. Der Markt rechnet fest mit dem Schritt – obwohl der jüngste Inflationsschub vor allem von den Energiepreisen kommt und die Konjunktur schwach bleibt. Jörg Held von ETHENEA hält eine weitere Straffung deshalb für falsch. Doch ganz so einfach ist der Fall nicht: Entscheidend ist, ob aus teurer Energie eine breitere Inflation entsteht.
Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen unverändert. Marktbeobachter sehen den weiteren geldpolitischen Kurs zunehmend von geopolitischen Risiken und der Entwicklung der Energiepreise beeinflusst.Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen unverändert. Marktbeobachter sehen den weiteren geldpolitischen Kurs zunehmend von geopolitischen Risiken und der Entwicklung der Energiepreise beeinflusst.Redaktion experten.de / KI-generiert
Wirtschaft

Krieg statt Konjunktur?

Die Zinspause der Europäischen Zentralbank kam für Beobachter wenig überraschend. Spannender ist die Frage, was als Nächstes passiert. Experten sehen den weiteren Kurs der Geldpolitik inzwischen weniger von der Konjunktur als von Energiepreisen und geopolitischen Risiken abhängig. Damit rückt ein Einflussfaktor in den Mittelpunkt, der lange Zeit kaum eine Rolle spielte.
Die EZB hält die Zinsen stabil. Doch die eigentliche Belastung für Unternehmen entsteht längst nicht mehr durch das Zinsniveau, sondern durch die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs.Die EZB hält die Zinsen stabil. Doch die eigentliche Belastung für Unternehmen entsteht längst nicht mehr durch das Zinsniveau, sondern durch die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs.European Central Bank
Wirtschaft

Die EZB kauft Zeit – und verlängert die Investitionsflaute

Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert. Nicht das Zinsniveau, sondern die Unsicherheit über den weiteren Kurs belastet Investitionen, Bauwirtschaft und Kreditmärkte.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht