Swiss Re steigert Gewinn – doch der Preisdruck in der Rückversicherung wächst

Veröffentlichung: 05.11.2026, 14:11 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Swiss Re hat in den ersten neun Monaten 2026 einen Konzerngewinn von 4,2 Milliarden US-Dollar erzielt und damit drei Prozent mehr verdient als im Vorjahr. Allerdings steht dem Gewinnanstieg ein Rückgang der Versicherungserträge gegenüber. Während geringere Belastungen durch Naturkatastrophen und das starke Lebensrückversicherungsgeschäft die Bilanz stützten, hinterlässt der zunehmende Preiswettbewerb in der Schaden- und Unfallrückversicherung bereits deutliche Spuren. Vor allem das Neugeschäft verliert an erwarteter Ertragskraft.

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Swiss Re steigert den Gewinn in den ersten neun Monaten 2026 auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig setzt der zunehmende Preiswettbewerb die Ertragserwartungen im Neugeschäft unter Druck.Swiss Re steigert den Gewinn in den ersten neun Monaten 2026 auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig setzt der zunehmende Preiswettbewerb die Ertragserwartungen im Neugeschäft unter Druck.Experten/KI

Weniger Umsatz, mehr Gewinn

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat am 5. November seine Geschäftszahlen für die ersten neun Monate 2026 veröffentlicht. Der Konzerngewinn stieg von 4,04 auf 4,17 Milliarden US-Dollar, während die Versicherungserträge um drei Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar zurückgingen. Die Eigenkapitalrendite blieb mit 22,5 Prozent unverändert.

Dass Swiss Re trotz rückläufiger Erträge mehr verdient, ist unter anderem auf die vergleichsweise geringe Belastung durch Naturkatastrophen und ein solides Kapitalanlageergebnis zurückzuführen. Die laufenden Kapitalanlageerträge beliefen sich auf 3,1 Milliarden Dollar, die Rendite auf die Kapitalanlagen erreichte vier Prozent.

Besonders deutlich wird die Entlastung bei den Großschäden. In der Schaden- und Unfallrückversicherung verursachten Naturkatastrophen in den ersten neun Monaten Schäden von 640 Millionen Dollar. Swiss Re hatte für diesen Zeitraum ein Katastrophenbudget von 1,6 Milliarden Dollar angesetzt. Die tatsächlichen Belastungen blieben damit erheblich unter dem kalkulierten Niveau.

Zu den größeren Schadenereignissen zählten das Erdbeben in Kolumbien im August sowie Sturm Kristin, der im Januar Portugal traf. Insgesamt summierten sich die Großschäden einschließlich menschengemachter Ereignisse auf 941 Millionen Dollar.

Die geringere Schadenbelastung verschafft dem Konzern finanziellen Spielraum, ist allerdings kein verlässlicher Maßstab für die künftige Ertragsentwicklung. Gerade in der Rückversicherung können einzelne Naturkatastrophen die wirtschaftliche Rechnung eines ganzen Geschäftsjahres verändern.

Schaden- und Unfallrückversicherung unter Wettbewerbsdruck

Im Schaden- und Unfallgeschäft ging der Gewinn um sechs Prozent auf 2,16 Milliarden Dollar zurück. Die Versicherungserträge sanken sogar um neun Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar. Swiss Re führt diese Entwicklung insbesondere auf die Ergebnisse der Vertragserneuerungen und geringere Rückversicherungsvolumina zurück, die von Erstversicherern abgegeben wurden.

Dabei bleibt das bestehende Geschäft profitabel. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich leicht von 77,6 auf 77,3 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich unter der Marke von 100 Prozent.

Wesentlich aufschlussreicher für die künftige Entwicklung ist jedoch das Neugeschäft. Die sogenannte Contractual Service Margin (CSM), die den erwarteten künftigen Gewinn aus neu abgeschlossenen Versicherungsverträgen abbildet, sank in der Schaden- und Unfallrückversicherung von 2,5 auf 1,8 Milliarden Dollar.

Konzernweit verringerte sich diese Kennzahl von 3,9 auf 2,8 Milliarden Dollar. Neben dem intensiveren Wettbewerb im Schaden- und Unfallgeschäft wirkten sich hier auch geringere Abschlussvolumina und eine selektivere Zeichnungspolitik in der Lebensrückversicherung aus.

Die Zahlen zeigen damit eine Entwicklung, die der gestiegene Konzerngewinn zunächst verdeckt: Während bestehende Verträge und die bislang günstige Schadenentwicklung hohe Erträge ermöglichen, fällt der erwartete Gewinn aus neu abgeschlossenem Geschäft deutlich geringer aus.

Lebensrückversicherung legt um 43 Prozent zu

Den stärksten Ergebniszuwachs erzielte Swiss Re in der Lebens- und Krankenrückversicherung. Der Gewinn stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 1,53 Milliarden Dollar. Ausschlaggebend waren insbesondere die Erträge aus dem bestehenden Vertragsportfolio und eine günstige Sterblichkeitsentwicklung in den USA.

Auch das Geschäft mit Unternehmenskunden entwickelte sich stabil. Die Sparte Corporate Solutions steigerte ihren Gewinn um drei Prozent auf 714 Millionen Dollar. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 87,1 auf 86,4 Prozent.

Damit tragen die unterschiedlichen Geschäftsbereiche wesentlich zur Stabilität des Konzerns bei. Während die Schaden- und Unfallrückversicherung unter zunehmendem Wettbewerbsdruck steht, gleichen die höheren Erträge aus der Lebensrückversicherung einen Teil dieser Belastung aus.

Swiss Re setzt auf Kostensenkungen und selektives Neugeschäft

Swiss Re reagiert auf das veränderte Marktumfeld mit einer zurückhaltenderen Zeichnungspolitik und einer stärkeren Konzentration auf auskömmliche Risiken. Gleichzeitig treibt der Konzern den Abbau operativer Kosten voran. Bis 2028 sollen diese um 500 Millionen Dollar reduziert werden. Das Sparziel wurde damit gegenüber der früheren Planung von 300 Millionen Dollar bis 2027 erhöht.

Finanzvorstand Anders Malmström verweist in der Konzernmitteilung ausdrücklich auf die niedrigeren Margen im Neugeschäft infolge des intensiveren Preiswettbewerbs. Zugleich sollen die Vereinfachung der Unternehmensstrukturen und eine gezieltere Verteilung der Ressourcen die Kosten senken.

Der Konzern hält dennoch an seinem Gewinnziel von 4,5 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr 2026 fest. Mit den bislang erzielten 4,17 Milliarden Dollar ist Swiss Re diesem Ziel bereits nahegekommen.

Am 4. Dezember will das Unternehmen seine Finanzziele für 2027 vorstellen. Dann dürfte insbesondere von Interesse sein, welche Erwartungen Swiss Re an die weitere Entwicklung der Rückversicherungspreise und die Profitabilität des Neugeschäfts knüpft.

Die Zahlen der ersten neun Monate zeigen jedenfalls, dass hohe Gewinne und zunehmender wirtschaftlicher Druck durchaus zusammenfallen können. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob Swiss Re bei den kommenden Vertragserneuerungen ausreichend profitables Neugeschäft zeichnen kann, ohne die bislang hohe Ertragskraft des Konzerns zu gefährden.


Quelle: Swiss Re, Konzernmitteilung vom 5. November 2026: Swiss Re delivers 3% increase in net income to USD 4.2 billion for the first nine months of 2026.


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