ZEW-Konjunkturerwartungen: Optimismus bei Banken und Versicherern schwindet deutlich
Banken und Versicherer gehören weiterhin zu den Branchen, denen Finanzmarktexperten eine vergleichsweise günstige Entwicklung zutrauen. Allerdings hat ihre Zuversicht im Oktober erheblich nachgelassen. Nach dem aktuellen Finanzmarkttest des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sank der Erwartungssaldo für Banken um 18,4 Punkte, für Versicherungen um 9,0 Punkte. Beide Branchen bleiben damit zwar deutlich im positiven Bereich, doch die Erwartungen entfernen sich zunehmend von den optimistischen Einschätzungen der vergangenen Monate.
Noch im Sommer hatten sich die Konjunkturerwartungen kontinuierlich verbessert. Im Oktober zeigt sich nun eine deutliche Eintrübung, die insbesondere den Finanzsektor betrifft. Der Erwartungssaldo für Banken fiel auf 34,5 Punkte, jener für Versicherungen auf 37,4 Punkte. Damit liegen beide Branchen weiterhin über dem gesamtwirtschaftlichen ZEW-Indikator von 28,1 Punkten, der gegenüber September um 6,6 Punkte nachgab.
Die Unterschiede zwischen den Branchen sind allerdings erheblich. Während die Erwartungen für Versicherer vergleichsweise moderat zurückgingen, verloren die Banken innerhalb eines Monats 18,4 Punkte. Der Rückgang fällt damit mehr als doppelt so stark aus wie in der Versicherungswirtschaft.
Positive Erwartungen trotz nachlassender Zuversicht
Die Zahlen zeigen eine Entwicklung, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Einerseits beurteilen die befragten Finanzmarktexperten die weiteren Aussichten für Banken und Versicherungen überwiegend positiv. Andererseits hat sich diese Einschätzung innerhalb weniger Wochen deutlich verschlechtert.
Ein positiver Erwartungssaldo bedeutet dabei nicht, dass die Unternehmen tatsächlich wachsen oder höhere Gewinne erzielen. Der ZEW-Indikator bildet vielmehr die Differenz zwischen positiven und negativen Erwartungen der befragten Finanzmarktexperten ab. Er misst damit die Richtung der Einschätzungen und nicht die wirtschaftliche Entwicklung selbst.
Dass die Werte weiterhin im positiven Bereich liegen, spricht folglich für eine überwiegend günstige Erwartungshaltung. Der kräftige Rückgang macht jedoch deutlich, dass die Zuversicht gegenüber dem Vormonat erheblich nachgelassen hat.
Gerade bei Banken ist diese Entwicklung bemerkenswert, weil ihre Geschäftsaussichten eng mit der allgemeinen Wirtschaftslage, der Investitionstätigkeit und den Finanzierungsbedingungen verbunden sind. Eine schwache Konjunktur kann die Kreditnachfrage begrenzen und zugleich die Risiken bestehender Finanzierungen erhöhen. In welchem Umfang solche Überlegungen den aktuellen Rückgang beeinflusst haben, lässt sich aus den veröffentlichten Branchensalden allerdings nicht unmittelbar ableiten.
Für Versicherer ergibt sich ein etwas anderes Bild. Auch sie sind von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig, verfügen jedoch über andere Ertragsstrukturen und Geschäftsmodelle. Der geringere Rückgang der Erwartungen könnte auf eine vergleichsweise robustere Einschätzung der Branche hindeuten. Eine Aussage über die tatsächliche Ertragsentwicklung einzelner Versicherungsunternehmen ist damit nicht verbunden.
Konjunktur verbessert sich, doch der Aufschwung bleibt schwach
Die Verschlechterung der Branchenerwartungen fällt in eine Phase, in der die deutsche Wirtschaft weiterhin nach einer tragfähigen Erholung sucht.
Der allgemeine ZEW-Konjunkturindikator sank im Oktober um 6,6 auf 28,1 Punkte. Gleichzeitig verbesserte sich die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage deutlich. Der entsprechende Indikator stieg um 11,2 Punkte auf minus 35,9 Punkte.
Damit beurteilen die Finanzmarktexperten die gegenwärtige Situation zwar weniger ungünstig als noch im September, erwarten für die kommenden Monate jedoch eine schwächere Entwicklung als zuvor.
ZEW-Präsident Achim Wambach verweist in diesem Zusammenhang auf die anhaltenden Belastungen durch hohe Energiepreise. Diese schmälern die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, erhöhen die Produktionskosten der Unternehmen und tragen dazu bei, dass die Inflation länger auf einem erhöhten Niveau verharrt.
Der private Konsum und die Investitionstätigkeit bleiben deshalb schwach, obwohl sich die wirtschaftliche Lage zuletzt etwas verbessert hat.
Unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Wirtschaft
Auch außerhalb des Finanzsektors zeigen die ZEW-Ergebnisse kein einheitliches Bild. Während sich die Erwartungen für Dienstleistungen und Telekommunikation im Oktober um 6,8 beziehungsweise 8,2 Punkte verschlechterten, verzeichneten die Stahl- und Metallproduktion sowie die Elektrobranche positive Impulse.
Zugleich trübten sich die Aussichten für den privaten Konsum ein. Damit bleibt ausgerechnet jener Bereich unter Druck, der eine breitere wirtschaftliche Erholung unterstützen könnte.
Auch die Erwartungen für die Eurozone gingen erneut zurück. Der entsprechende Indikator sank um 7,3 auf 18,5 Punkte, während die Einschätzung der aktuellen Lage mit minus 14,8 Punkten nahezu unverändert blieb.
Für Banken und Versicherer ergibt sich daraus ein Umfeld, in dem die Erwartungen zwar weiterhin positiv sind, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung jedoch unsicher bleiben.
Der Oktober-Finanzmarkttest liefert damit noch keinen Hinweis auf einen bevorstehenden Abschwung der Finanzbranche. Er zeigt vielmehr, dass die Zuversicht schneller nachlässt, als sich die gegenwärtige wirtschaftliche Lage verbessert. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei den Banken, während die Versicherungswirtschaft bislang einen geringeren Rückgang verzeichnet.
Quelle: ZEW Mannheim, „Rückgang der Konjunkturerwartungen“, Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026, Ergebnisse des ZEW-Finanzmarkttests Oktober 2026.
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