Fünf Indexanbieter beherrschen den deutschen ETF-Markt

Veröffentlichung: 13.10.2026, 05:10 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Tausende ETFs versprechen Anlegern eine breite Auswahl an Anlagestrategien. Doch hinter den Produkten stehen nur wenige große Indexanbieter. Nach einer aktuellen Untersuchung des Fondsverbands BVI entfallen rund 96 Prozent des passiven Aktien-ETF-Vermögens deutscher Anleger auf Indizes von fünf Unternehmen.

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Fünf Indexanbieter stehen hinter 96 Prozent des passiven Aktien-ETF-Vermögens deutscher Anleger. MSCI allein erreicht rund 55 Prozent.Fünf Indexanbieter stehen hinter 96 Prozent des passiven Aktien-ETF-Vermögens deutscher Anleger. MSCI allein erreicht rund 55 Prozent.Redaktion experten.de / KI-generiert

Wie stark sich dieser Markt auf wenige Akteure konzentriert, zeigt der dritte Teil einer Research-Serie des deutschen Fondsverbands BVI. Demnach entfallen 561 Milliarden Euro des von deutschen Anlegern gehaltenen passiven Aktien-ETF-Vermögens auf Indizes von nur fünf Anbietern. Insgesamt umfasst der untersuchte Markt 584 Milliarden Euro. Damit stehen die fünf größten Indexanbieter hinter rund 96 Prozent des entsprechenden Vermögens.

MSCI vereint mehr als die Hälfte des Vermögens auf sich

Besonders ausgeprägt ist die Marktstellung von MSCI. Auf Indizes des US-amerikanischen Unternehmens entfallen rund 320 Milliarden Euro des deutschen passiven Aktien-ETF-Vermögens. Das entspricht einem Anteil von etwa 55 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen die weiteren großen Indexanbieter S&P Dow Jones Indices, STOXX, FTSE Russell und Nasdaq. Zusammen dominieren diese fünf Unternehmen einen Markt, der Anlegern auf Produktebene eine enorme Vielfalt bietet. Die Konzentration ist bemerkenswert: Während zahlreiche Fondsgesellschaften um ETF-Kunden konkurrieren, stützen sich ihre Produkte vielfach auf Indizes derselben wenigen Anbieter.

Warum der Indexanbieter so wichtig ist

Ein ETF bildet in der Regel einen festgelegten Index nach. Doch welche Unternehmen darin enthalten sind, wie stark sie gewichtet werden und wann sich die Zusammensetzung verändert, entscheidet sich anhand der Regeln des jeweiligen Index. Diese Regeln werden vom Indexanbieter entwickelt und gepflegt. Dabei geht es um weit mehr als die Frage, ob ein Index beispielsweise europäische oder amerikanische Aktien abbildet. Auch Kriterien wie Unternehmensgröße, Börsenliquidität, Branchenzuordnung oder Nachhaltigkeitsmerkmale beeinflussen die Zusammensetzung. Besonders deutlich wird das bei Indizes, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Hier erhalten Unternehmen mit hohem Börsenwert automatisch ein größeres Gewicht. Die Folge: Anleger können über verschiedene ETF-Produkte hinweg in erheblichem Umfang von denselben großen Unternehmen abhängig sein. Ein ETF ist also zwar ein passives Anlageprodukt. Die Regeln, nach denen er investiert, entstehen jedoch nicht von selbst.

MSCI World verstärkt die Dominanz

Ein wesentlicher Grund für die starke Stellung von MSCI ist die Beliebtheit der MSCI-World-Indexfamilie. Allein auf diese Familie entfallen nach den BVI-Zahlen 178 Milliarden Euro des deutschen passiven Aktien-ETF-Vermögens. Das entspricht einem Anteil von 30,5 Prozent. Dabei umfasst die Indexfamilie nicht nur klassische MSCI-World-Produkte. Neben den marktbreiten Standardvarianten gehören dazu auch ETFs mit zusätzlichen Nachhaltigkeits-, Faktor-, Themen- oder Sektorkriterien. Auch die MSCI-Emerging-Markets- und MSCI-Europe-Indexfamilien spielen in deutschen ETF-Portfolios eine wichtige Rolle. Die Zahlen verdeutlichen zugleich einen Unterschied: Die Dominanz des Indexanbieters MSCI geht weit über die Beliebtheit des einzelnen Weltindex hinaus.

Viele ETFs, aber nicht unbedingt viele unterschiedliche Anlagen

Für Anleger entsteht durch die Vielzahl verfügbarer ETFs zunächst der Eindruck einer großen Auswahl. Tatsächlich können sich Produkte verschiedener Fondsgesellschaften jedoch auf denselben Index beziehen. Sie unterscheiden sich dann beispielsweise hinsichtlich ihrer laufenden Kosten, der Ertragsverwendung oder der Art der Indexnachbildung – nicht aber grundsätzlich bei der Auswahl der enthaltenen Unternehmen. Umgekehrt können ähnlich klingende Indizes unterschiedliche Anlageergebnisse liefern, wenn sie andere Auswahl- oder Gewichtungsregeln verwenden. Für die Beratung bedeutet das: Wer mehrere ETFs kombiniert, sollte nicht nur auf die Namen der Produkte oder Fondsgesellschaften schauen. Entscheidend ist, welche Indizes tatsächlich dahinterstehen und wie stark sich deren Inhalte überschneiden. Die Zahl der ETFs im Depot sagt für sich genommen wenig über die tatsächliche Diversifikation aus.

Konzentration schafft auch Abhängigkeiten

Die Dominanz weniger Indexanbieter ist nicht automatisch ein Nachteil. Große Anbieter verfügen über etablierte Methoden, umfangreiche Datenbestände und standardisierte Verfahren zur Indexberechnung. Ihre Indizes sind häufig transparent dokumentiert und ermöglichen Fondsgesellschaften, vergleichbare Produkte anzubieten. Die starke Konzentration wirft dennoch Fragen auf. Denn Änderungen an Indexmethoden können sich auf zahlreiche ETFs und damit auf erhebliche Anlegervermögen auswirken. Hinzu kommt die wirtschaftliche Bedeutung der Indexlizenzen: Fondsgesellschaften benötigen für die Nutzung fremder Indizes entsprechende Vereinbarungen mit den jeweiligen Anbietern. Welche Auswirkungen die Marktkonzentration auf Lizenzkosten und ETF-Gebühren hat, lässt sich aus den vorliegenden BVI-Zahlen allerdings nicht unmittelbar ableiten. Die Untersuchung belegt zunächst vor allem eines: Hinter der großen Zahl börsengehandelter Fonds steht auf der Ebene der Indexentwicklung ein deutlich kleinerer Kreis marktprägender Unternehmen. Für Anleger und Vermittler lohnt deshalb nicht nur der Blick auf den ETF-Anbieter, sondern ebenso auf den Index, dessen Regeln und den dahinterstehenden Indexanbieter.

Quelle: BVI Research zum deutschen ETF-Markt, dritter Teil, Oktober 2026. Die Vermögensangaben beziehen sich auf den 30. Juni 2026.

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