Bürokratie bleibt größter Bremsklotz für den Mittelstand
Bürokratieabbau bleibt die wichtigste wirtschaftspolitische Forderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Laut einer aktuellen BarmeniaGothaer-Studie wünschen sich 63 Prozent der Betriebe weniger regulatorische Hürden. Auch hohe Energiepreise und Unternehmenssteuern stehen auf der Liste der drängendsten Probleme.
Die Forderungen des deutschen Mittelstands an die Wirtschaftspolitik sind seit Jahren bekannt. Weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten und steuerliche Entlastungen stehen weiterhin ganz oben auf der Wunschliste kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU). Das zeigt das aktuelle KMU-Stimmungsbarometer der BarmeniaGothaer. Demnach wünschen sich 63 Prozent der befragten Unternehmen mehr Unterstützung beim Abbau bürokratischer und regulatorischer Hürden. Damit bleibt die Entlastung von Verwaltungsvorschriften die mit Abstand wichtigste wirtschaftspolitische Forderung. Bemerkenswert: Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil zwar um fünf Prozentpunkte gesunken. An der Spitzenposition des Bürokratieabbaus hat sich jedoch nichts geändert.
Energiepreise und Steuern belasten den Mittelstand
Neben der Bürokratie beschäftigen vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Unternehmen. 46 Prozent der Befragten sprechen sich für die Einführung einer Energiepreisbremse aus. Das entspricht einem Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr. Fast ebenso viele Unternehmen wünschen sich steuerliche Entlastungen. 44 Prozent nennen die Senkung der Unternehmenssteuersätze als wichtige wirtschaftspolitische Maßnahme. Auch hier liegt der Wert einen Prozentpunkt unter dem Vorjahresniveau. Weitere 41 Prozent fordern zusätzliche Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung. Maßnahmen zur Verbesserung der Standortattraktivität Deutschlands halten 40 Prozent für notwendig. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Prioritäten des Mittelstands trotz veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen kaum verschoben haben.
Forderungen verlieren leicht an Zustimmung
Auffällig ist, dass sämtliche abgefragten wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegenüber dem Vorjahr etwas seltener genannt werden. Am stärksten fällt der Rückgang beim Bürokratieabbau sowie bei Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung aus. Beide Forderungen verlieren jeweils fünf Prozentpunkte. Die Wünsche nach einer Energiepreisbremse, niedrigeren Unternehmenssteuern und einer höheren Standortattraktivität gehen dagegen jeweils nur um einen Prozentpunkt zurück. Von einer grundlegenden Veränderung der wirtschaftspolitischen Erwartungen kann damit kaum die Rede sein. Vielmehr bleibt die Rangfolge der wichtigsten Forderungen stabil. „Die Unzufriedenheit steigt deutlich, die Forderungen bleiben dieselben. Die Unternehmen erwarten nichts Neues, sondern dass das Bekannte endlich umgesetzt wird“, erklärt Thomas Bischof, Vorstand Komposit bei der BarmeniaGothaer.
Nur wenige Unternehmen sehen gute Zukunftsaussichten
Wie wichtig die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die Betriebe sind, verdeutlicht auch ihre Einschätzung der Zukunft des Standorts Deutschland. Lediglich 28 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die Zukunftsaussichten als außerordentlich oder eher gut. Dagegen beurteilen 37 Prozent die Perspektiven als eher schlecht oder sehr schlecht. Weitere 35 Prozent geben eine neutrale Einschätzung ab.
Damit überwiegen die skeptischen Stimmen. Die Frage nach den Zukunftsaussichten des Wirtschaftsstandorts wurde im Rahmen des KMU-Stimmungsbarometers erstmals gestellt. Ein Vergleich mit früheren Jahren ist deshalb nicht möglich. Für Bischof steht fest, dass Unternehmen vor allem verlässliche Bedingungen benötigen, um Investitionen und Wachstum voranzutreiben. „Wer investieren, sich transformieren und wachsen soll, braucht Planungssicherheit und schnellere Verfahren“, betont der BarmeniaGothaer-Vorstand.
Studie befragt mehr als 500 KMU-Vertreter
Für das KMU-Stimmungsbarometer 2026 befragte die BarmeniaGothaer gemeinsam mit der HEUTE UND MORGEN GmbH insgesamt 529 Versicherungsentscheider und Mitentscheider aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Befragung fand vom 1. bis 15. September 2026 statt und wurde nach Unternehmensgröße und Branche quotiert.
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