Cyberversicherung für Privatkunden: Nur ein Tarif schafft die Bestnote

Veröffentlichung: 27.08.2026, 15:08 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Cyberkriminalität trifft Privatpersonen längst nicht mehr nur durch Phishing oder Schadsoftware. Identitätsdiebstahl, manipulierte Zahlungskonten und Deepfakes erweitern das Risikobild. Doch während der Schutzbedarf wächst, bewegt sich der Markt für eigenständige Cyberversicherungen kaum. Das aktuelle Rating von Franke und Bornberg zeigt: Von 20 untersuchten Tarifen erreicht nur einer die Bestnote – und auch das Angebot wird nicht größer.

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Der Markt für private Cyberversicherungen bleibt überschaubar. Im aktuellen Rating von Franke und Bornberg erreicht nur ein Tarif die Bestnote – zugleich verändern neue Cyberrisiken die Anforderungen an leistungsstarken Schutz.Der Markt für private Cyberversicherungen bleibt überschaubar. Im aktuellen Rating von Franke und Bornberg erreicht nur ein Tarif die Bestnote – zugleich verändern neue Cyberrisiken die Anforderungen an leistungsstarken Schutz.Redaktion experten.de / KI-generiert

Elf Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer in Deutschland wurden 2025 Opfer einer Straftat im Internet. Nach dem von Franke und Bornberg herangezogenen Cybersicherheitsmonitor 2026 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war Betrug beim Onlineshopping mit 22 Prozent der meistgenannte Cybervorfall. Es folgten unter anderem Datenverlust und Betrug beim Onlinebanking.

Dem wachsenden Risikobild steht allerdings weiterhin ein überschaubares Angebot eigenständiger Cyberversicherungen für Privatkunden gegenüber. Für das Cyber-Rating Privat 2026 hat Franke und Bornberg 20 Tarife von 13 Versicherern untersucht. Im Vorjahr waren es noch 21 Tarife von 14 Versicherern. Sowohl die Zahl der Tarife als auch die der Anbieter ist damit leicht zurückgegangen. Franke und Bornberg wertet dies als Indiz für die anhaltende Zurückhaltung der Versicherer in diesem Segment.

Nur fünf Prozent erreichen FFF+

Auch beim Blick auf die Qualität zeigt sich ein durchwachsenes Bild. Lediglich ein Tarif beziehungsweise fünf Prozent erreicht die Höchstnote FFF+ „hervorragend“. Dabei handelt es sich um einen überarbeiteten Tarif der Debeka. Fünf Tarife erhalten FFF „sehr gut“, neun FF+ „gut“. Damit landen drei Viertel der untersuchten Angebote immerhin in den drei höchsten Ratingklassen.

Am unteren Ende bleiben jedoch deutliche Schwächen: Ein Tarif erhält FF „befriedigend“, ein weiterer F „mangelhaft“ und drei Tarife F− „ungenügend“. Insgesamt werden damit 20 Prozent der Tarife mit F+ „ausreichend“ oder schlechter bewertet. „Dass in diesem Jahr nur ein einziger Tarif unsere Bestnote FFF+ erreicht, zeigt: Guter Cyber-Schutz ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Der Markt für eigenständige Cyber-Versicherungen bewegt sich kaum, obwohl der Bedarf spürbar steigt“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich bereits im vergangenen Jahr abzeichnete. Schon beim Cyber-Rating Privat 2025 hatte Franke und Bornberg auf einen steigenden Bedarf bei gleichzeitig überschaubarem Angebot hingewiesen. Die aktuellen Zahlen liefern zumindest bislang keine Hinweise auf eine größere Marktbewegung.

Rating reagiert auf veränderte Cyberrisiken

Verändert hat sich dagegen der Bewertungsmaßstab. Franke und Bornberg hat die Gewichtung einzelner Kriterien überarbeitet und richtet das Rating stärker an Risiken aus, die im digitalen Alltag vieler Verbraucher eine Rolle spielen. Besonders deutlich wird das beim Konto-, Daten- und Identitätsmissbrauch. Die Kategorie erhält künftig mehr Gewicht und ist mit 975 von insgesamt 6.725 möglichen Punkten nun der am stärksten gewichtete Bereich des gesamten Ratings. Hintergrund ist die zunehmende Nutzung von Onlinebanking, digitalen Bezahldiensten und Kundenkonten.
Gleichzeitig wurden die Bereiche psychologische Betreuung nach Cybermobbing, Cyber-Haftpflicht und Cyber-Rechtsschutz niedriger gewichtet. Dadurch gewinnen finanzielle Eigenschäden, etwa durch Probleme bei Interneteinkäufen und -verkäufen, relativ an Bedeutung.
Neu berücksichtigt wird außerdem die Jahreshöchstentschädigung. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie viel ein Versicherer insgesamt leistet, wenn innerhalb eines Jahres mehrere Cyber-Schäden auftreten.
Für die Topnote FFF+ setzt Franke und Bornberg hier erstmals einen Mindeststandard: Die Jahreshöchstentschädigung für sämtliche Versicherungsfälle eines Versicherungsjahres muss mindestens 40.000 Euro betragen.

Deepfakes und Identitätsdiebstahl verändern das Risikobild

Die Verschiebung der Kriterien folgt einer Entwicklung, die sich auch in den Schadenarten zeigt. Nach Angaben aus dem Cybersicherheitsmonitor stieg der Anteil gemeldeter Deepfake-Vorfälle von einem auf fünf Prozent. Rund zehn Prozent der Befragten berichteten von Identitätsdiebstahl. Unter den Betroffenen nannten 18 Prozent Datenverlust und 13 Prozent Betrug beim Onlinebanking.
Die Versicherer reagieren darauf nach Einschätzung von Franke und Bornberg bislang nur begrenzt mit eigenständigen Produkten. Cyber-Schutz werde häufig weiterhin als Baustein von Hausrat-, Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen angeboten.

Entscheidend ist die Leistung – nicht der Name

Genau daraus ergibt sich eine Besonderheit der Ratingmethodik. Franke und Bornberg unterscheidet bei der Bewertung nicht strikt zwischen eigenständigen Cyberversicherungen, Rechtsschutzversicherungen mit Schwerpunkt Internetrisiken und sogenannten Schutzbriefen.

Die Begründung: Für Kunden sei letztlich nicht entscheidend, welche Bezeichnung auf dem Produkt steht, sondern welche Leistungen tatsächlich versichert sind. Schutzbriefe schneiden im Rating tendenziell schwächer ab, weil sie häufig vor allem Unterstützungsleistungen vorsehen, finanzielle Eigenschäden dagegen nicht oder nur eingeschränkt absichern. „Ob ein Produkt Cyber-Versicherung oder Schutzbrief heißt, ist im Ernstfall zweitrangig: Entscheidend ist die tatsächliche Leistung dahinter“, erläutert Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg.

Das Rating umfasst insgesamt 69 Detailkriterien in 13 Kategorien. Maximal können 6.725 Punkte erreicht werden. Neben der Gesamtpunktzahl müssen Tarife für die höheren Ratingklassen zusätzliche Mindeststandards erfüllen.

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