Cyberschutz für Privatkunden: Bedarf steigt, gute Tarife fehlen

Veröffentlichung: 23.07.2025, 09:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Franke und Bornberg, ein unabhängiges Analysehaus für Versicherungsprodukte, hat sein aktuelles Cyber-Rating Privat 2025 veröffentlicht – mit ernüchterndem Ergebnis: Zwar steigt der Bedarf an leistungsstarkem Cyberschutz für Privatpersonen weiter, doch das Produktangebot der Versicherer bleibt hinter den Anforderungen zurück. Nur 14 Gesellschaften bieten eigenständige Cyber-Policen an – und keine erreicht die Bestnoten.

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Cyberkriminalität längst Alltag, Schutz lückenhaft

Laut dem Digitalverband Bitkom war mehr als die Hälfte aller Internetnutzer im vergangenen Jahr Opfer von Cyberkriminalität – etwa durch Online-Betrug, Phishing oder Identitätsdiebstahl. Dennoch stagniert der Markt für private Cyber-Versicherungen. Viele Gesellschaften bieten Cyberschutz nur als Zusatzbaustein in Kombination mit Hausrat-, Haftpflicht- oder Rechtsschutzversicherungen. „Für Verbraucher ist das eine schlechte Nachricht“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Solche Add-ons erschwerten den Vergleich und führten häufig zu Deckungslücken.

Fehlende Standards erschweren Orientierung

Ein zentrales Problem: Es fehlen branchenweite Standards. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellt für das Privatkundengeschäft keine Musterbedingungen zur Verfügung – lediglich Bausteine für Assistance-Leistungen. Ohne definierte Leistungsrahmen bleibt die Tariflandschaft heterogen.

Ein Blick in den gewerblichen Bereich zeigt, was möglich wäre: Seit Einführung der Muster-AVB für gewerbliche Cyberversicherungen 2017 hat sich der Markt deutlich weiterentwickelt. Inzwischen erreichen dort mehrere Tarife die Bestnote „FFF sehr gut“.

Kein Tarif mit Bestnote - Debeka mit starkem Einstieg

Franke und Bornberg hat in seine Analyse ausschließlich eigenständige Cyber-Tarife einbezogen, Bausteinlösungen wurden nicht untersucht.

Insgesamt wurden 21 Produkte anhand von 68 Detailkriterien geprüft, die in 11 Kategorien unterteilt sind. Wichtige Leistungsmerkmale sind unter anderem Schutz bei Konto- oder Identitätsmissbrauch, Datenrettung nach Cyberattacken und Verluste bei Onlinekäufen.

Die wichtigsten Resultate des Ratings im Überblick:

  • Keiner der Tarife erreicht die höchsten Bewertungsklassen FFF+ (hervorragend) oder FFF (sehr gut).
  • 12 von 21 Tarifen erhalten die Note FF+ (gut) – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr
  • 4 Produkte schneiden mit F- (ungenügend) ab, vor allem wegen fehlendem Haftpflicht- und Rechtsschutz

Die Debeka ist Neueinsteiger im Bereich der privaten Cyber-Tarife und erreichte mit FF+ (gut; Schulnote 1,6) auf Anhieb die beste Bewertung aller Tarife im Rating gemeinsam mit der SV SparkassenVersicherung und der VGH.

Was leistet ein guter Tarif - und was kostet er?

Ein guter Tarif deckt nicht nur Fremdschäden ab, sondern bietet auch aktiven Rechtsschutz sowie umfangreiche Assistance-Leistungen. In der Praxis zeigt sich aber: Zehn von 21 Tarifen begrenzen etwa die Leistung bei Verlusten durch Interneteinkäufe auf 3.000 EUR – teilweise sogar pro Versicherungsjahr. Drei Tarife leisten in diesem Bereich gar nicht.

Bereits ab 4,99 EUR pro Monat ist ein eigenständiger Cyber-Tarif mit guter Bewertung erhältlich – günstiger als viele Kombilösungen. Auch bei begrenztem Budget bleibt somit ein leistungsstarker Schutz bezahlbar.

Gute Tarife bleiben noch die Ausnahme

Der Markt für private Cyber-Versicherungen bleibt derzeit unterentwickelt, obwohl der Bedarf hoch ist. Zwar gibt es Versicherer, die bereits gute Tarife anbieten, es fehlt jedoch an Transparenz, Standards und Leistungsbreite. Besonders kritisch ist die unzureichende Absicherung bei Eigenschäden oder aktiver Internetnutzung. Dabei ist guter Schutz bezahlbar und angesichts wachsender Bedrohungen dringend geboten.


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