Hebammen-Haftpflicht bis 2031 gesichert – Prämien sinken

Veröffentlichung: 26.08.2026, 14:08 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Für die rund 16.000 freiberuflichen Hebammen, die Mitglieder des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) sind, ist die Berufshaftpflicht bis Ende 2031 gesichert. Die Versicherungskammer verlängert die Gruppenhaftpflicht als führender Versicherer eines Konsortiums mit Allianz Deutschland, HDI Deutschland und R+V Allgemeine Versicherung um viereinhalb Jahre. Bemerkenswert sind die Konditionen: Die Prämien sinken erstmals seit vielen Jahren, während die Deckungssumme von 12,5 auf 15 Millionen Euro steigt.

(PDF)
Die Haftpflicht für die rund 16.000 freiberuflichen DHV-Hebammen ist bis Ende 2031 gesichert. Erstmals seit vielen Jahren sinken die Prämien, während die Deckung auf 15 Millionen Euro steigt.Die Haftpflicht für die rund 16.000 freiberuflichen DHV-Hebammen ist bis Ende 2031 gesichert. Erstmals seit vielen Jahren sinken die Prämien, während die Deckung auf 15 Millionen Euro steigt.Experten/KI

Der DHV hat das Verlängerungsangebot angenommen. Die bisherige Vertragslaufzeit von drei Jahren wird auf viereinhalb Jahre verlängert. Die Gruppenhaftpflicht wird den Mitgliedern des Verbandes exklusiv über die hevianna Versicherungsdienst GmbH angeboten.

Versicherer verweist auf bessere Schadenerfahrung

Die verbesserten Konditionen begründet die Versicherungskammer mit der Schadenerfahrung und Fortschritten beim Risikomanagement. Der DHV hatte gemeinsam mit dem Versicherungskonsortium ein strukturiertes Risikomanagement aufgebaut, zu dem auch Simulationstrainings gehören. Nach Angaben des Versicherers tragen zudem die Akademisierung des Hebammenberufs sowie eine verbesserte Aus- und Fortbildung dazu bei, Risiken früher zu erkennen und Schäden zu vermeiden.

Konkrete Zahlen zur Entwicklung der Schäden oder zur Höhe der Prämiensenkung nennt die Versicherungskammer allerdings nicht. Damit lässt sich nicht beurteilen, wie stark sich Schadenhäufigkeit oder Schadenaufwand tatsächlich verändert haben.

Markus Juppe, im Vorstand der Versicherungskammer für die Schaden- und Unfallversicherung verantwortlich, sieht in der Prävention eine Voraussetzung für die weitere Absicherung des Berufsstands.

„Verständnis der Risiken und wirksame Maßnahmen zum Vermeiden von Schäden ermöglichen auch in Zukunft die Versicherung der Hebammen.“

Haftpflicht bleibt Voraussetzung für Geburtshilfe

Die Berufshaftpflicht ist für Hebammen nicht nur eine Kostenfrage. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz können insbesondere freiberuflich tätige Hebammen ihre Tätigkeit nicht ausüben. Hohe Haftungsrisiken in der Geburtshilfe hatten die Versicherbarkeit des Berufs über Jahre belastet.

Die jetzt vereinbarte längere Laufzeit schafft deshalb vor allem Planungssicherheit. Zugleich erhöht die Anhebung der Deckungssumme den Schutz bei schweren Personenschäden. Dass gleichzeitig die Prämien sinken, deutet darauf hin, dass das Konsortium die Entwicklung des Risikos günstiger bewertet als in der Vergangenheit. Wie groß dieser Effekt ist, bleibt mangels veröffentlichter Schadendaten offen.

Die Versicherungskammer stellt die Fortführung der Deckung zugleich in einen versorgungspolitischen Zusammenhang. Der Konzern sehe es als „gesellschaftliche Verpflichtung“, den Berufsstand sowie die flächendeckende Geburtshilfe und die Vor- und Nachsorge auch in strukturschwachen Regionen mit bezahlbaren Versicherungslösungen zu unterstützen, erklärt Juppe.

Für den Versicherungsmarkt ist jedoch vor allem die Entwicklung der Schäden entscheidend. Die neue Vereinbarung zeigt: Verbessert sich die Schadenentwicklung durch Ausbildung, Training und Risikomanagement, entsteht Spielraum bei Preis, Deckung und Vertragsdauer. Bei der Hebammen-Haftpflicht reicht dieser Spielraum nun für niedrigere Prämien, 2,5 Millionen Euro zusätzliche Deckung und eine Absicherung bis Ende 2031.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf mehreren Säulen. Vor dem Hintergrund aktueller Reformdebatten rücken gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge stärker in den Mittelpunkt der politischen Diskussion.Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf mehreren Säulen. Vor dem Hintergrund aktueller Reformdebatten rücken gesetzliche Rente, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge stärker in den Mittelpunkt der politischen Diskussion.Redaktion experten.de / KI-generiert
Politik

Mehr Kapitalmarkt, weniger Staat? Die ersten Frontlinien der Renten-Debatte

Nach der Vorstellung des Berichts der Rentenkommission formieren sich die ersten Lager. Versicherer, Vermittler und Banken begrüßen zwar den Ausbau kapitalgedeckter Vorsorge. Bei der Frage, welche Rolle der Staat künftig spielen soll, zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.
In der Privaten Krankenversicherung drohen Beitragsanpassungen in Rekordhöhe.In der Privaten Krankenversicherung drohen Beitragsanpassungen in Rekordhöhe.DALL-E
Krankenversicherung

„Hersteller nutzen ihre Marktmacht oft aus“ – PKV-Rating zeigt Rekordbeitragsanpassungen

Der neue map-report zum PKV-Rating 2025 legt offen, wie stark die Beitragsschübe zum Jahreswechsel ausfallen – und warum die Ursachen weit über die Kalkulation einzelner Versicherer hinausreichen. Besonders die Aussage von Michael Franke deutet auf strukturelle Probleme hin, die die Branche zunehmend unter Druck setzen.
Das Neugeschäft in der Lebensversicherung legte 2024 wieder zu. Treiber dieser Entwicklung sind fondsgebundene Policen.Das Neugeschäft in der Lebensversicherung legte 2024 wieder zu. Treiber dieser Entwicklung sind fondsgebundene Policen.DALL-E
Studien

Fondspolicen bleiben Wachstumstreiber im Lebensversicherungsgeschäft

Trotz konjunktureller Unsicherheiten legte das Neugeschäft in der Lebensversicherung 2024 wieder zu. Treiber dieser Entwicklung sind fondsgebundene Policen, die laut map-report 941 von Franke und Bornberg ihren Marktanteil weiter ausbauen konnten.
Hohe Marktkonzentration im Social Media-Werbemarkt der Assekuranz: Mehr als die Hälfte aller Ad Impressions entfallen auf die zehn größten Anbieter.Hohe Marktkonzentration im Social Media-Werbemarkt der Assekuranz: Mehr als die Hälfte aller Ad Impressions entfallen auf die zehn größten Anbieter.LoboStudioHamburg / pixabay
Marketing

Tierversicherung, Zahnzusatz, PKV: Diese Sparten dominieren die Social-Media-Anzeigen

Hohe Marktkonzentration im Social Media-Werbemarkt der Assekuranz: Mehr als die Hälfte aller Ad Impressions entfallen auf die zehn größten Anbieter. Besonders stark präsent sind Allianz, ERGO und R+V.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht