Nach Suspendierung der Führung: Hotel-Joint-Venture von VZB wird aufgelöst
Die Aufarbeitung der Milliardenverluste beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin erreicht eine weitere Etappe. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen in den Niederlanden wird nun auch die gemeinsame Beteiligungsstruktur mit Grand Metropolitan Hotels aufgelöst. Beide Seiten schildern die Hintergründe unterschiedlich.
Wenige Wochen nach einem Gerichtsbeschluss in Amsterdam endet die Zusammenarbeit zwischen dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) und der Grand Metropolitan Hotels Holding. Während Grand Metropolitan die Trennung mit einem festgefahrenen Gesellschafterkonflikt begründet, verweist das VZB auf einen zuvor erzielten Gerichtserfolg und die laufende Aufarbeitung seiner Beteiligungen.
Joint Venture endet nach Eigentümerwechsel
Die Kingstone Capital AG Schweiz hat ihre bisherige Beteiligungsstruktur gemeinsam mit dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) beendet. Neuer Eigentümer der bisherigen Joint-Venture-Gesellschaft ist nach Unternehmensangaben Gravity Capital aus Hongkong. Die Transaktion wurde rückwirkend zum 30. Juni 2026 vollzogen.
Nach Angaben von Grand Metropolitan Hotels endet damit die bisherige Zusammenarbeit zwischen Kingstone und dem VZB. Die bisherige Holding firmiert künftig unter einem neuen Namen; zugleich wurden ihr die bisherigen Markenrechte entzogen.
Aus einer Beteiligung wird ein Rechtsstreit
Die aktuelle Entwicklung steht nicht isoliert. Bereits im Juli hatte das VZB mitgeteilt, vor der Unternehmenskammer des Gerichtshofs Amsterdam einen wichtigen gerichtlichen Erfolg erzielt zu haben. Das Gericht ordnete unter anderem eine unabhängige Untersuchung der Unternehmensführung der Grand Metropolitan Hotels Holding sowie mehrere Sofortmaßnahmen an. Dazu gehörten nach Angaben des VZB die Suspendierung sämtlicher Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder während des laufenden Verfahrens.
Nach Darstellung des VZB bestehen Zweifel unter anderem an der Bewertung von Sacheinlagen, der Rechnungslegung, den Governance-Strukturen sowie der Information der Minderheitsgesellschafter. Das Verfahren dient nach Angaben des Versorgungswerks auch der Aufarbeitung seiner Investitionen in Grand Metropolitan.
Zwei Seiten, zwei Bewertungen
Die aktuelle Mitteilung von Grand Metropolitan beschreibt die Trennung dagegen vor allem als Folge eines länger andauernden Konflikts zwischen den Gesellschaftern. Nach Angaben des Unternehmens sei das Joint Venture über längere Zeit in einer Patt-Situation ("Deadlock") gewesen. Verschiedene Lösungsansätze – darunter Angebote zum gegenseitigen Erwerb der Beteiligungen sowie Vorschläge für Kapitalerhöhungen – seien nicht umgesetzt worden. Zudem habe es keine tragfähige Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gegeben.
„Als wir das Joint Venture gegründet haben, waren wir überzeugt, mit dem VZB einen verlässlichen und langfristigen Partner gefunden zu haben. Die Entwicklungen der vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht mehr möglich war“, erklärt Martin R. Smura, Gründer der Grand Metropolitan Hotels Group. Grand Metropolitan teilt außerdem mit, die Finanzierung der gemeinsamen Beteiligung zuletzt allein getragen zu haben. Diese Darstellung lässt sich anhand der vorliegenden Unterlagen nicht unabhängig überprüfen.
Aufarbeitung der VZB-Krise dauert an
Die Trennung fällt in eine Phase umfassender juristischer Aufarbeitung beim Berliner Versorgungswerk. Das VZB hatte bereits im Mai eine umfangreiche Schadenersatzklage gegen zwölf Beklagte eingereicht. Die Ansprüche richten sich unter anderem gegen frühere Organmitglieder, das Land Berlin, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank sowie den Wirtschaftsprüfer Forvis Mazars. Das Versorgungswerk macht geltend, durch jahrelange Pflichtverletzungen seien erhebliche Vermögensschäden entstanden. Parallel laufen nach Angaben des VZB strafrechtliche Ermittlungen gegen frühere Verantwortliche.
Unabhängig davon entschied das Verwaltungsgericht Berlin kürzlich, dass die Mitglieder des Versorgungswerks trotz der finanziellen Verluste weiterhin Beiträge zahlen müssen.
Die Aufarbeitung wird international
Die Krise des Berliner Versorgungswerks spielt sich längst nicht mehr ausschließlich vor deutschen Gerichten ab. Mit Verfahren in den Niederlanden, internationalen Beteiligungsstrukturen und nun der Auflösung eines Hotel-Joint-Ventures wird deutlich, dass die Aufarbeitung der Vermögensverluste auch grenzüberschreitende Investitionen umfasst. Welche finanziellen Folgen die Trennung für das VZB haben wird, geht aus den bislang veröffentlichten Mitteilungen nicht hervor.
Chronologie der aktuellen Entwicklung
- Mai 2026: Das VZB reicht eine umfangreiche Schadenersatzklage gegen zwölf Beklagte ein.
- 16. Juli 2026: Die Unternehmenskammer des Gerichtshofs Amsterdam ordnet eine Sonderprüfung bei Grand Metropolitan sowie die Suspendierung der bisherigen Unternehmensführung an.
- 30. Juni 2026: (wirtschaftlicher Stichtag) Die bisherige Joint-Venture-Struktur zwischen Kingstone und dem VZB wird beendet.
- August 2026: Grand Metropolitan bestätigt die Trennung und den Einstieg von Gravity Capital.
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