Fonds mit Spendenkomponente: Kleine Nische mit wachsendem Potenzial
Erstmals liegt eine Marktübersicht zu Fonds mit Spendenkomponente im DACH-Raum vor. 36 Produkte bündeln ein Volumen von 8,3 Milliarden Euro – und haben bereits Millionenbeträge für soziale und ökologische Zwecke mobilisiert. Dennoch bleibt das Segment überschaubar und wirft Fragen für Beratung und Transparenz auf.
Die Verbindung von Geldanlage und philanthropischem Engagement ist kein neues Konzept – eine systematische Marktübersicht dazu fehlte bislang jedoch. Diese Lücke schließt nun eine Pilotstudie des Fair Finance Institute (PDF). Demnach sind aktuell 36 Fonds mit Spendenkomponente im DACH-Raum zum Vertrieb zugelassen. Ihr aggregiertes Volumen beläuft sich auf rund 8,3 Milliarden Euro.
Damit handelt es sich weiterhin um ein vergleichsweise kleines Marktsegment innerhalb des Fondsmarktes. Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass entsprechende Produkte bereits messbare Wirkung entfalten: Mindestens 27,9 Millionen Euro sind bislang über diese Fonds an sozial-ökologische Projekte geflossen – etwa in den Bereichen Bildung, Kinderförderung sowie Klima- und Umweltschutz.
Unterschiedliche Modelle der Spendenintegration
Die Studie identifiziert verschiedene Ansätze, wie Spendenkomponenten in Fonds integriert werden. Grundsätzlich wird zwischen vier Modellen unterschieden: Volumen-, Gebühren-, Ertrags- und Performance-Modelle. Am weitesten verbreitet sind dabei Konstruktionen, bei denen ein Teil des Fondsvolumens oder der Verwaltungsgebühr für gemeinnützige Zwecke verwendet wird. Die Spendenkomponente kann entweder direkt auf Fondsebene oder über einzelne Anteilsklassen umgesetzt werden.
Wirkung oft bei kleineren Projekten
Ein Großteil der Mittel fließt laut Studie an kleinere Organisationen und Projekte, die häufig im sozial-ökologischen Umfeld tätig sind. In einzelnen Fällen profitieren auch größere, etablierte gemeinnützige Organisationen. Neben den quantitativen Daten umfasst die Untersuchung auch qualitative Aspekte: So wurden unter anderem 16 Expertinnen und Experten interviewt sowie bestehende Studien und Marktanalysen ausgewertet. Ergänzend liefert der Anhang konkrete Fondsprofile und Einblicke in die praktische Umsetzung der Spendenmodelle.
„Neuland betreten“ – und offene Fragen für den Markt
„Mit dieser Pilotstudie haben wir Neuland betreten und beleuchten erstmals systematisch das Marktsegment der Fonds mit Spendenkomponente im DACH-Raum. Die Verbindung von Philanthropie und nachhaltigem Investment birgt Potenziale zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, die weiter erschlossen und stärker berücksichtigt werden könnten. Dieser Bereich wurde bislang kaum untersucht. Dies gilt auch aus der Perspektive der Investierenden. Künftige Arbeiten könnten beispielsweise Anforderungen in den Bereichen Transparenz, Qualität und Leitlinien für die Finanzberatung stärker in den Blick nehmen“, so Gesa Vögele, geschäftsführende Gesellschafterin des Fair Finance Institute.
Damit rückt auch die Rolle der Beratung stärker in den Fokus. Fragen zur Transparenz der Spendenmechanik, zur Auswahl der geförderten Projekte oder zur Vergleichbarkeit unterschiedlicher Modelle könnten künftig an Bedeutung gewinnen.
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