BVK startet Initiative für Vermittlerinnen
Mit „FRAUEN.VERTRIEB.ZUKUNFT.“ will der BVK die Situation von Frauen im Versicherungsvertrieb stärker in den Fokus rücken. Eine aktuelle Umfrage zeigt deutliche Defizite bei Sichtbarkeit, Karrierechancen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Frauen sind im Versicherungsvertrieb weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Mit der neuen Initiative „FRAUEN.VERTRIEB.ZUKUNFT.“ will der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) nun gezielt gegensteuern und Vermittlerinnen stärker unterstützen. Zum Start der Initiative führte der Verband eine Online-Umfrage unter Frauen im Versicherungsvertrieb durch. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt für viele Vermittlerinnen die größte Herausforderung im Arbeitsalltag.
Vereinbarkeit bleibt größtes Problem
60 Prozent der Teilnehmerinnen nannten die Balance zwischen beruflichen Anforderungen und familiären Aufgaben als zentrale Belastung.
Dahinter folgen:
- Selbstmarketing und Sichtbarkeit mit 59 Prozent,
- mangelnde Anerkennung im Markt und bei Kunden mit 57 Prozent,
- eingeschränkter Zugang zu Führungspositionen mit 48 Prozent,
- sowie fehlende Netzwerke mit 47 Prozent.
Die Umfrage deutet damit auf strukturelle Probleme hin, die weit über einzelne Karrierefragen hinausreichen.
Weibliche Perspektiven sehen viele kaum vertreten
Besonders deutlich fiel das Ergebnis bei der Frage nach der Repräsentation weiblicher Perspektiven im Versicherungsvertrieb aus. Nur neun Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Frauenperspektiven ausreichend berücksichtigt werden. 41 Prozent verneinten dies ausdrücklich. Weitere 46 Prozent sehen weibliche Sichtweisen lediglich teilweise repräsentiert. Damit wird sichtbar, dass viele Vermittlerinnen weiterhin Defizite bei: Sichtbarkeit, Einflussmöglichkeiten und strategischer Einbindung wahrnehmen.
Mutterschutz für Selbstständige rückt in den Mittelpunkt
Ein besonderer Schwerpunkt der Initiative liegt auf dem Thema Mutterschutz für Selbstständige. 44 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, von dieser Problematik bereits persönlich betroffen gewesen zu sein. Als zentrale Belastungen nannten sie: wirtschaftlichen Druck, laufende Fixkosten, Einkommensausfälle, fehlende Vertretungsregelungen sowie die mangelnde gesetzliche Absicherung Selbstständiger.
Gerade im provisionsgetriebenen Vertrieb könne eine längere berufliche Unterbrechung erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
BVK fordert politische Lösungen
Der BVK leitet aus den Ergebnissen einen klaren politischen Handlungsauftrag ab. Bereits gemeinsam mit anderen Verbänden brachte der Verband ein Positionspapier zum geplanten Mutterschutz für Selbständige auf den Weg und übermittelte dieses an die Politik. Auch bei einem Hearing des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 22. April 2026 machte der Verband auf die Problematik aufmerksam.
Nach Auffassung des BVK handelt es sich beim Mutterschutz für Selbstständige nicht um ein Randthema einzelner Berufsgruppen, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Nachwuchsgewinnung und Sichtbarkeit als strategische Themen
Die Umfrage zeigt zugleich: Viele Teilnehmerinnen erwarten vom BVK nicht nur politische Positionierungen, sondern konkrete Unterstützung im Berufsalltag. Als wichtige Handlungsfelder nannten die Befragten:
- Förderung weiblichen Nachwuchses,
- stärkere politische Interessenvertretung,
- mehr Sichtbarkeit für Vermittlerinnen,
- sowie praxisnahe Unterstützung.
Damit berührt die Initiative auch ein strategisches Thema der Branche: den zunehmenden Fachkräftemangel und die Frage, wie sich der Vermittlerberuf künftig breiter aufstellen lässt.
Versicherungsvertrieb vor kulturellem Wandel?
Die Initiative deutet zugleich auf einen kulturellen Wandel innerhalb des Vertriebs hin. Während in der Vergangenheit häufig klassische Vertriebskennzahlen und Produktionsziele im Mittelpunkt standen, rücken zunehmend Arbeitsmodelle, Vereinbarkeit, Diversität, Netzwerke und Sichtbarkeit in den Fokus. Gerade jüngere Vermittlergenerationen bewerten solche Faktoren zunehmend als Teil beruflicher Attraktivität.
Mit „FRAUEN.VERTRIEB.ZUKUNFT.“ positioniert sich der BVK damit nicht nur zu Gleichstellungsfragen, sondern auch zur zukünftigen Struktur des Versicherungsvertriebs insgesamt.
Verband kündigt weitere Schritte an
Der BVK versteht die Ergebnisse der Umfrage als Auftrag, weibliche Perspektiven künftig stärker in die Verbandsarbeit einzubeziehen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Ziel sei es, Kompetenzen sichtbarer zu machen, Vermittlerinnen stärker zu vernetzen und ihre Position im Markt zu stärken.
Damit dürfte das Thema künftig auch innerhalb der politischen Diskussion um Selbstständigkeit, soziale Absicherung und Fachkräftemangel im Vertrieb an Bedeutung gewinnen.
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