Venture Capital: Wer finanziert die Frühphase jenseits der Start-up-Hubs?

Veröffentlichung: 14.04.2026, 15:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Finanzierung junger Start-ups konzentriert sich in Deutschland auf wenige Zentren wie Berlin oder München. Gerade in der Frühphase fehlt es vielerorts an Kapital. Neue Fondsmodelle setzen gezielt außerhalb der etablierten Hubs an – und stellen die Frage, wer künftig die erste Finanzierungsrunde trägt.

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Prof. Axel Winkelmann (l.) und Michael Sauer (r.) bei der Erstvorstellung des Venture-Capital-Fonds 14leafs in der 360° BASE WürzburgProf. Axel Winkelmann (l.) und Michael Sauer (r.) bei der Erstvorstellung des Venture-Capital-Fonds 14leafs in der 360° BASE Würzburg14leafs

Kapital als Engpass in der Frühphase

Die Finanzierung junger Unternehmen bleibt in Deutschland ungleich verteilt. Während sich größere Finanzierungsrunden zunehmend auf etablierte Start-up-Hubs wie Berlin oder München konzentrieren, fehlt es gerade in frühen Phasen häufig an Kapital. Besonders betroffen sind technologiegetriebene Gründungen, die aus Forschungseinrichtungen hervorgehen. Trotz hoher Innovationsdichte gelingt es vielen Projekten nicht, den Schritt von der Idee zum skalierbaren Geschäftsmodell zu vollziehen.

Neuer Fonds setzt in der Frühphase an

Vor diesem Hintergrund wurde mit 14leafs ein neuer Venture-Capital-Fonds initiiert. Hinter dem Projekt stehen die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die Sparkasse Mainfranken Würzburg sowie das Investmenthaus StellaVent Capital. Der Fonds zielt auf ein Volumen von 50 Millionen Euro und investiert in Start-ups von der Pre-Seed-Phase bis zur Series A. Die Erstinvestitionen bewegen sich typischerweise im Bereich von 100.000 bis rund einer Million Euro. Geplant ist ein Portfolio von 40 bis 50 Beteiligungen, ergänzt durch Folgefinanzierungen erfolgreicher Unternehmen.

Verbindung von Forschung, Kapital und Umsetzung

Der Ansatz des Fonds liegt in der Kombination unterschiedlicher Akteure entlang der Innovationskette. Während die Universität den Zugang zu Forschung und Gründungsideen liefert, bringt die Sparkasse ihre regionale Vernetzung ein. Das Fondsmanagement übernimmt StellaVent Capital. „In Würzburg entstehen viele gute Ideen, aber zu oft fehlt das Kapital, um daraus skalierbare Unternehmen aufzubauen“, sagt Jochen Schönleber, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Sparkasse Mainfranken Würzburg. Auch aus Sicht der Wissenschaft liegt hier ein zentraler Hebel. „Universitäten sind zentrale Treiber technologischer Innovation“, erklärt Prof. Dr. Paul Pauli, Präsident der Universität Würzburg.

Regionale Modelle als Gegenentwurf?

Der Fonds versteht sich nicht ausschließlich als regionales Förderinstrument. Ziel ist ein ausgewogenes Portfolio aus regionalen und nationalen Start-ups mit internationaler Perspektive. „Unser Ziel ist es, Unternehmen aufzubauen, die auch global bestehen können“, sagt Michael Sauer, Managing Partner bei StellaVent Capital. Damit stellt sich die Frage, ob solche Modelle langfristig als Gegenentwurf zu stark zentralisierten Venture-Capital-Strukturen funktionieren können.

Rolle der Sparkassen im Wandel

Bemerkenswert ist insbesondere die Rolle der Sparkasse als Initiator. Traditionell im Mittelstand und in der regionalen Finanzierung verankert, erweitert sie ihr Engagement nun um Venture Capital. Damit entsteht eine Verbindung aus klassischer Finanzierungsinfrastruktur, Netzwerkzugang und Frühphaseninvestments – ein Ansatz, der im deutschen VC-Markt bislang eher selten ist.

Zwischen Anspruch und Realität

Ob Fonds wie 14leafs die strukturellen Herausforderungen im deutschen Innovationssystem nachhaltig verändern können, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Frage der Frühphasenfinanzierung rückt stärker in den Fokus. Modelle, die Kapital näher an den Ort der Innovation bringen, könnten dabei an Bedeutung gewinnen – insbesondere jenseits der etablierten Start-up-Zentren.

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