Schadensersatzklagen ehemaliger Manager gegen Deutsche Bank – Streitwert über 600 Millionen Pfund
Die Deutsche Bank sieht sich im Zusammenhang mit der sogenannten „Santorini“-Affäre mit Schadensersatzklagen ehemaliger Führungskräfte konfrontiert. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel beläuft sich der Streitwert der Verfahren auf mehr als 600 Millionen Pfund Sterling. Die Summe ergibt sich aus den geltend gemachten finanziellen Verlusten der Kläger, darunter entgangene Gehälter und Bonuszahlungen.
Struktur der Klagen
Insgesamt sechs frühere Mitarbeiter der Deutschen Bank haben Klagen gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber eingereicht.
- Fünf Verfahren laufen vor Gerichten in London
- Ein Verfahren wird vor dem Landgericht Frankfurt am Main geführt
Die Frankfurter Klage trägt das Aktenzeichen: 2-19 O 153/24. Ein Termin zur mündlichen Verhandlung ist auf den 10. September 2026 um 11:00 Uhr angesetzt.
Nach Angaben des Spiegel liegt dem Magazin die entsprechende Klageschrift vor.
Vergleich in London
Mit einem der Londoner Kläger hat sich die Deutsche Bank bereits außergerichtlich geeinigt. Offizielle Angaben zur Höhe der Vergleichssumme wurden nicht gemacht. In Finanzkreisen wird laut Spiegel von einer hohen zweistelligen Millionensumme ausgegangen.
Hintergrund: Santorini-Komplex
Die Verfahren stehen im Zusammenhang mit früheren strukturierten Finanztransaktionen zwischen der Deutschen Bank und der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena. Die Geschäfte – insbesondere die sogenannten Santorini- und Alexandria-Transaktionen – gerieten nach der Finanzkrise international in den Fokus von Aufsichtsbehörden und Ermittlungsstellen.
Ehemalige Manager argumentieren, sie seien im Zuge der späteren Aufarbeitung persönlich für Entscheidungen verantwortlich gemacht worden, die tatsächlich auf institutioneller Ebene getroffen worden seien.
Position der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank weist die Forderungen zurück. Im Geschäftsbericht 2025 erklärt das Institut, man halte sämtliche Klagen für unbegründet und werde sich entschieden gegen die Ansprüche verteidigen.
Die Bank stellt zudem die Höhe der geltend gemachten Schäden infrage. In dem Bericht heißt es, man werde auch die „überhöhten und unrealistischen behaupteten Verluste“ anfechten.
Verfahrensstand
- Gesamtstreitwert der Klägergruppe: über 600 Mio. Pfund
- Anzahl der Kläger: 6 ehemalige Mitarbeiter
- Verfahren: 5 in London, 1 in Frankfurt
- Frankfurter Verfahren: LG Frankfurt, Az. 2-19 O 153/24
- Nächster Termin: 10.09.2026, 11:00 Uhr
Einordnung
Die Verfahren betreffen ein strukturelles Problem internationaler Banken: die Frage der individuellen Haftung von Führungskräften für komplexe institutionelle Transaktionen. Entscheidend für den weiteren Prozessverlauf wird sein, ob sich ein belastbarer Zusammenhang zwischen interner Verantwortungszuweisung, strafrechtlichen Verfahren und den geltend gemachten wirtschaftlichen Schäden der Kläger nachweisen lässt.
Quellen: Der Spiegel, 12.03.2026; Geschäftsbericht Deutsche Bank 2025.
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