4,24 Prozent mehr Rente – und keiner fragt nach der Rechnung
Die Renten steigen zum 1. Juli um 4,24 Prozent. Arbeitsministerin Bärbel Bas spricht von einer „guten Nachricht“. Die Kopplung an die Löhne zeige die Verlässlichkeit der gesetzlichen Rente.
Das stimmt sogar.
Wenn die Löhne steigen, steigen auch die Renten. Genau so ist das System konstruiert.
Die kleine Umlage-Logik
Nur gibt es eine arithmetische Besonderheit.
Die Renten folgen den Löhnen – bezahlt werden sie aus denselben Löhnen.
Die gesetzliche Rente ist kein angespartes Vermögen. Sie ist eine laufende Umverteilung. Was heute ausgezahlt wird, wird heute eingezahlt.
Wenn die Renten also kräftig steigen, heißt das nicht automatisch, dass das System reicher wird.
Es heißt nur: Die Rechnung wird größer.
Der Parameter, über den niemand spricht
Die entscheidende Größe ist nicht die Rentenanpassung.
Die entscheidende Größe ist das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern.
Und dieses Verhältnis verschiebt sich gerade deutlich. Die Babyboomer gehen in Rente. Die Zahl der Rentner steigt schneller als die Zahl der Einzahler.
Gleichzeitig garantiert die Politik ein Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031.
Stabilität ist eine Finanzierungsfrage
Wenn unter diesen Bedingungen die Renten stabil bleiben sollen, muss die Finanzierung wachsen.
Im Umlagesystem gibt es dafür genau zwei Möglichkeiten:
höhere Beiträge oder höhere Steuerzuschüsse.
Beides zahlen am Ende dieselben Menschen, die heute die Löhne verdienen.
Die Pointe
Die Rentenerhöhung um 4,24 Prozent ist tatsächlich eine gute Nachricht.
Man sollte nur präzise formulieren, für wen.
Für die Rentner heute.
Und für die Beitragszahler von morgen eine Erinnerung daran, wie Umlage funktioniert.
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