Lebensversicherung im Wandel: Garantien verlieren weiter an Bedeutung
Die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer steigen 2026 leicht. Gleichzeitig verschiebt sich der Markt weiter in Richtung kapitalmarktnaher Produkte. Eine aktuelle Marktstudie von Assekurata zeigt: Klassische Garantieprodukte verlieren im Neugeschäft zunehmend an Bedeutung, während Fonds- und Indexlösungen an Gewicht gewinnen.
Die deutsche Lebensversicherungsbranche befindet sich weiterhin in einem strukturellen Wandel. Zwar steigen die Überschussbeteiligungen im Jahr 2026 leicht an, doch gleichzeitig verschiebt sich das Neugeschäft zunehmend hin zu kapitalmarktnahen Produktkonzepten. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Marktstudie der Ratingagentur Assekurata zu Überschussbeteiligungen und Garantien deutscher Lebensversicherer.
Im Segment der klassischen privaten Rentenversicherung liegt die laufende Verzinsung für das Jahr 2026 im Branchendurchschnitt bei 2,62 Prozent, nach 2,53 Prozent im Vorjahr. Einschließlich Schlussüberschüssen ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von 3,23 Prozent. Allerdings folgt nicht die gesamte Branche dem leichten Aufwärtstrend: Viele Anbieter haben ihre Deklarationen unverändert belassen. „Die Versicherer profitieren in der Kapitalanlage zwar von höheren Erträgen, agieren bei der Überschusspolitik aber weiterhin mit Bedacht“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass klassische Garantieprodukte im Wettbewerb zunehmend an Bedeutung verlieren. Nur noch elf der untersuchten Versicherer bieten überhaupt klassische private Rentenversicherungen im Neugeschäft an. Die klassische Lebensversicherung bleibt damit zwar ein wichtiger Bestandteil des Bestandes, entwickelt sich im Vertrieb jedoch zunehmend zu einem Nischenprodukt.
Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Beratungspraxis. Eine aktuelle Vermittlerbefragung des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung kommt zu dem Ergebnis, dass in der Altersvorsorgeberatung zunehmend fondsgebundene Policen ohne Garantien dominieren. Damit bestätigen Vermittler den strukturellen Trend hin zu kapitalmarktnäheren Vorsorgelösungen.
Kapitalmarktnähere Produkte gewinnen dagegen weiter an Gewicht. So erreicht die sogenannte Neue Klassik derzeit eine laufende Verzinsung von durchschnittlich 2,65 Prozent und eine Gesamtverzinsung von 3,32 Prozent. Bei Indexpolicen liegt der durchschnittliche laufende Überschusszins sogar bei 3,07 Prozent. Bei Fondspolicen mit Garantien spielt hingegen weniger die deklarierte Überschussbeteiligung eine Rolle als vielmehr die konkrete Fondsallokation.
Hier zeigt sich laut Studie eine wachsende Produktvielfalt: Je nach Anbieter können Kunden mittlerweile aus bis zu 280 Fonds und ETFs wählen. Damit steigt die Bedeutung der Kapitalanlageentscheidung innerhalb der Versicherungsprodukte deutlich. Für die Branche insgesamt zeichnet die Studie ein gemischtes Bild: Höhere Kapitalmarktzinsen und stabile Überschussdeklarationen sorgen zwar für eine gewisse Stabilisierung. Gleichzeitig verändern sich Produktlandschaft und Kundenpräferenzen spürbar. „Wo Garantien flexibilisiert werden, verschiebt sich das Verhältnis zwischen sicherheitsorientierter Verzinsung und kapitalmarktnaher Partizipation“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. In diesem Umfeld bleibe die Überschussbeteiligung ein wichtiges Instrument, um Renditechancen zu eröffnen und gleichzeitig Stabilität zu gewährleisten.
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