FSME-Risikokarte erweitert: RKI weist zwei neue Gebiete aus
Pünktlich mit steigenden Temperaturen und zunehmender Zeckenaktivität hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Karte der FSME-Risikogebiete aktualisiert. Neu ausgewiesen wurden der Landkreis Nordsachsen in Sachsen sowie der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Damit gelten bundesweit 185 Land- und Stadtkreise als Risikogebiete.
Grundlage der Einstufung sind gemeldete FSME-Erkrankungen aus den Jahren 2002 bis 2025. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 8.411 Fälle an das RKI übermittelt. Ein Kreis wird dann als Risikogebiet definiert, wenn die Fallzahlen in mindestens einem von 20 Fünfjahreszeiträumen signifikant über dem statistisch erwartbaren Wert liegen. Maßstab ist eine Inzidenz von einer Erkrankung pro 100.000 Einwohnern. Die Ausweisung folgt damit einer langfristigen epidemiologischen Bewertung – nicht einzelnen Ausbruchsgeschehen.
Süddeutschland bleibt Schwerpunkt
Der geografische Schwerpunkt liegt weiterhin in Bayern und Baden-Württemberg, wo nahezu flächendeckend Risikogebiete bestehen. Hinzu kommen Regionen in Hessen, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Einzelne Kreise in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind ebenfalls betroffen.
Gleichzeitig zeigt die aktualisierte Karte, dass sich das Risikomuster schrittweise ausdehnt. Mit Nordsachsen und Halle (Saale) rücken weitere Regionen in den Fokus, die bislang nicht als Risikogebiet galten.
Saisonale Dynamik – strukturelles Risiko
Zecken sind mehrjährige Tiere und grundsätzlich ganzjährig aktiv. Die höchste Aktivität liegt jedoch im Frühjahr und Herbst. Entsprechend treten die meisten FSME-Erkrankungen im Frühjahr, Sommer und Herbst auf. Bei milder Witterung sind vereinzelt auch Winterinfektionen möglich. Das saisonale Muster ist mit dem der Borreliose vergleichbar.
Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome oder mit unspezifischen grippeähnlichen Beschwerden. In einem kleineren Teil der Fälle kommt es zu Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks. Rund ein Prozent der Erkrankten stirbt an den Folgen der Infektion. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht.
Erkrankungszahlen auf hohem Niveau
Für das Jahr 2025 wurden bundesweit 693 FSME-Erkrankungen gemeldet. Damit handelt es sich um die dritthöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Nachgewiesene Todesfälle gab es im Berichtsjahr nicht. Auffällig ist der Impfstatus: 98 Prozent der Erkrankten waren nicht oder nur unzureichend immunisiert.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die in Risikogebieten leben oder sich dort regelmäßig im Freien aufhalten.
Wachsamkeit auch außerhalb ausgewiesener Kreise
Auch in Bundesländern ohne formale Risikogebiete treten vereinzelt FSME-Fälle auf. Die Einstufung bedeutet daher keine absolute Sicherheit für angrenzende Regionen. Entscheidend ist die individuelle Exposition – etwa durch Aufenthalt in Wäldern, auf Wiesen oder in Gebüsch. Regelmäßiges Absuchen nach Zecken reduziert vor allem das Borreliose-Risiko, da die Übertragung von Borrelien erst nach ein bis zwei Tagen erfolgt. FSME-Viren werden dagegen meist schon kurz nach dem Stich übertragen.
Versicherungsschutz nicht selbstverständlich
Viele Menschen verlassen sich auf ihre Unfall- oder Invaliditätsversicherung. Ältere Policen definieren einen Unfall jedoch als plötzliches, von außen wirkendes Ereignis – ein Zeckenstich fällt häufig nicht darunter. Infektionskrankheiten sind in zahlreichen Altverträgen nicht oder nur eingeschränkt berücksichtigt.
Die Folge: Wer an Borreliose erkrankt oder infolge einer FSME-Infektion langfristige Behandlungen oder Rehabilitationsmaßnahmen benötigt, hat unter Umständen keinen Leistungsanspruch. Einkommensausfälle und Folgekosten bleiben dann beim Versicherten.
Experten.de berichtete bereits über bestehende Versicherungslücken bei Infektionen wie Borreliose oder FSME und die Unterschiede zwischen älteren Policen und modernen Tarifen mit erweiterten Leistungsklauseln.
Moderne Unfall- und Kinderinvaliditätsversicherungen enthalten zunehmend spezielle Klauseln für zeckenübertragene Krankheiten. Sie sichern medizinische Leistungen, Rehabilitationsmaßnahmen und gegebenenfalls auch Einkommensausfälle ab. Wer regelmäßig im Freien tätig ist oder in einem Risikogebiet lebt, sollte seinen Versicherungsschutz prüfen und gegebenenfalls anpassen.
Mit der aktualisierten Risikokarte reagiert das RKI auf eine langfristige epidemiologische Entwicklung. FSME bleibt regional konzentriert, aber strukturell präsent – medizinisch beherrschbar, finanziell jedoch nicht in jedem Fall abgesichert.
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