Nach einer Phase intensiver Fusionsaktivitäten tritt die Versicherungsbranche im Jahr 2026 in eine neue Etappe ein. Laut Prognose von Sollers Consulting stehen Konsolidierung, technologische Vereinfachung und der Durchbruch cloudbasierter Architekturen im Mittelpunkt.
Verhaltener Markt, steigender Effizienzdruck
Nach einem starken Geschäftsjahr erwartet Sollers Consulting für 2026 ein insgesamt verhaltenes Prämienwachstum in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Grund hierfür ist eine anhaltende wirtschaftliche Stagnation, die insbesondere die Industrieversicherung trifft. Dort verlangsamt sich der Preiszyklus deutlich. Im Privatkundensegment bleibt die Entwicklung dagegen leicht positiv. Ein zentrales Belastungsthema bleibt die Schadeninflation. Vor allem in der Kraftfahrtversicherung liegt sie weiterhin bei rund fünf Prozent. Gleichzeitig nimmt die Marktkonzentration zu, was den Wettbewerbsdruck erhöht und Versicherer zu weiteren Effizienzsteigerungen zwingt.
Cloud wird zum Standard, Multi-Cloud gewinnt an Bedeutung
Vor diesem Hintergrund rückt die Modernisierung der Kernsysteme erneut in den Fokus. Strengere regulatorische Vorgaben sowie wachsende Anforderungen an die Cybersicherheit verstärken den Handlungsdruck zusätzlich. Cloud-Technologien etablieren sich 2026 zunehmend als Standard, während Multi-Cloud-Strategien an Bedeutung gewinnen. Versicherer, die ihre Kernsysteme bereits erneuert haben, können erstmals einen substanziellen Nutzen aus KI-Initiativen ziehen. Voraussetzung dafür sind modulare Systemlandschaften, API-basierte Architekturen und belastbare Datenplattformen, die Integration und Automatisierung ermöglichen. „Moderne Kernsysteme erweitern den Spielraum bei der Automatisierung“, erklärt Dr. Martin Seibold, Partner und Head of DACH bei Sollers Consulting. „Mit starker Systemintegration und angereicherten Daten können Versicherer noch größere Effizienzpotenziale erschließen. Dies ist erst der Anfang.“
Internationale Parallelen und regionale Schwerpunkte
Die erwarteten Entwicklungen im DACH-Raum spiegeln globale Trends wider. International sind die Märkte ebenfalls von nachlassendem Prämienwachstum, sinkenden Zinsen und einer hartnäckigen Schadeninflation geprägt. In den USA und Kanada rückt 2026 vor allem der Einsatz von künstlicher Intelligenz in den Vordergrund, insbesondere im Underwriting. Am Londoner Markt und bei Lloyd’s liegt der Fokus auf der Konsolidierung der Systemlandschaften und der Ablösung veralteter IT, um den neuen Standard „Blueprint 2“ umzusetzen. In Frankreich bremsen Legacy-Systeme weiterhin die digitale Transformation, während dort die Modernisierung der Infrastruktur als strategische Priorität gilt. Nach mehreren Fusionen im britischen Versicherungssektor wird zudem ein Anstieg der IT-Investitionen erwartet, insbesondere für Systemmigrationen und die Vereinheitlichung von IT-Landschaften.
Automatisierung als Schlüssel für Skalierung
Auch mit Blick auf einzelne Sparten zeichnet Sollers Consulting klare Schwerpunkte. Besonders in der Wohngebäudeversicherung werden Effizienz und Skalierung zu dominierenden Themen. „Kostenkontrolle ist entscheidend und erfordert Automatisierung, vereinfachte Architekturen, moderne Tarifierungssysteme und intelligente Risikoselektion“, betont Michał Trochimczuk, President von Sollers Consulting.
Der Prognosebericht zeigt damit deutlich: 2026 wird weniger von Wachstumsexzessen geprägt sein, sondern von strukturellen Anpassungen. Versicherer, die frühzeitig in Cloud, Automatisierung und moderne Kernsysteme investieren, schaffen die Grundlage, um auch in einem anspruchsvolleren Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.
Quelle & Download:
Der Sollers-Prognosebericht „Ein Jahr des Durchbruchs für Cloud in der Versicherungsbranche“ steht auf der Website von Sollers Consulting zum Download bereit.
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