Die Zahl schwerer Verletzungen durch Feuerwerk steigt rund um den Jahreswechsel seit Jahren deutlich an. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach lagen die Krankenhausaufnahmen wegen typischer Feuerwerksverletzungen an Neujahr in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt bei rund 530 Fällen – etwa 2,6-mal so hoch wie an normalen Wochentagen und sogar 4,4-mal so hoch wie an durchschnittlichen Wochenenden.
In die Analyse flossen stationäre Behandlungen von Verletzungen an Händen, Augen, Kopf und Ohren sowie Verbrennungen im Kopf- und Halsbereich ein. Die Zahlen machen deutlich: Feuerwerk ist kein Randphänomen, sondern ein relevanter Belastungsfaktor für das Gesundheitssystem.
Hohe Belastung für Kliniken und Personal
„Der unsachgemäße Umgang mit Feuerwerk führt rund um den Jahreswechsel zu einer enormen Beanspruchung des medizinischen Personals und der Kapazitäten in den Kliniken“,
sagt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.
Da wirksame politische Maßnahmen auf Bundesebene derzeit nicht absehbar seien, bleibe vor allem der Appell an die Eigenverantwortung.
Der AOK-Bundesverband verweist darauf, dass viele Verletzungen vermeidbar wären. Besonders deutlich ist die Warnung im Hinblick auf Kinder und Jugendliche: Pyrotechnik gehöre keinesfalls in Kinderhände. Auch Jugendliche sollten über die Risiken aufgeklärt werden und nicht unbeaufsichtigt mit Feuerwerk umgehen.
Pandemieeffekt nur vorübergehend
Auffällig ist der Blick auf den Zeitverlauf. Zum Jahreswechsel 2020/2021, als coronabedingte Verkaufs- und Nutzungsverbote galten, sank die Zahl der stationären Aufnahmen auf rund 140 Fälle – ein historisch niedriger Wert. In den Folgejahren stiegen die Zahlen jedoch wieder deutlich an und erreichten nahezu das Niveau der Vorjahre.
Der kurzfristige Rückgang während der Pandemie verdeutlicht damit weniger einen nachhaltigen Wandel im Verhalten als vielmehr den Effekt regulatorischer Einschränkungen.
Dunkelziffer deutlich höher
Die AOK betont, dass die ausgewerteten Zahlen nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens abbilden. Erfasst wurden ausschließlich ausgewählte Hauptdiagnosen bei stationären Behandlungen. Viele weitere Verletzungen dürften ambulant in Notaufnahmen versorgt worden sein und tauchen in der Statistik nicht auf.
Eine Ausweitung des Diagnosespektrums würde zwar mehr Fälle erfassen, zugleich aber auch Verletzungen einschließen, die etwa durch Alkoholkonsum oder Gewalteinwirkungen entstanden sind. Um eine klare Abgrenzung zu gewährleisten, blieb die Analyse bewusst eng gefasst. Die Ergebnisse wurden auf Basis der AOK-Abrechnungsdaten entsprechend dem Versichertenanteil auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.
Appell an Vernunft statt Symbolpolitik
Aus Sicht der AOK zeigt die Auswertung vor allem eines: Die Risiken von Feuerwerk sind bekannt, die Folgen für Kliniken und Personal ebenfalls. Ohne verbindliche politische Regelungen bleibt die Verantwortung beim Einzelnen.
Der Jahreswechsel ist damit nicht nur ein gesellschaftliches Ritual, sondern auch ein wiederkehrender Stresstest für das Gesundheitssystem – vermeidbar, zumindest in Teilen.
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