Marktkommentar von Dr. Martin Wolburg (Generali Investments)
Die Europäische Zentralbank bleibt vorerst in Wartestellung. Seit der Zinssenkung im Juni auf 2,0 % sieht sie sich laut Dr. Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments, in einer „guten Position“. Doch während die EZB den geldpolitischen Kurs als angemessen einstuft, spekulieren die Märkte bereits über mögliche Zinssenkungen – oder sogar erneute Erhöhungen.
Widerstandskraft trifft geldpolitische Geduld
Der EZB-Rat tagte am 18. Dezember vor dem Hintergrund einer konjunkturellen Stabilisierung bei gleichzeitig hartnäckiger Inflation. Präsidentin Lagarde stellte in Aussicht, dass die BIP-Prognosen für die Jahre 2025 bis 2027 (1,2 %, 1,0 %, 1,3 %) angehoben werden könnten. Ergänzend äußerte Ratsmitglied Isabel Schnabel, dass eine künftige Zinserhöhung nicht ausgeschlossen sei – ein Signal, das die Märkte veranlasst hat, für 2026 wieder höhere Leitzinsen einzupreisen.
Disinflationäre Effekte im Blick
Wolburg verweist zugleich auf mehrere strukturelle Faktoren, die dämpfend auf die Inflation wirken dürften: sinkende Energiepreise im ersten Quartal 2026, rückläufiges Lohnwachstum sowie ein stärkerer Euro. Auch eine mögliche Umlenkung chinesischer Exportüberschüsse nach Europa dürfte preisdämpfend wirken. Der EZB-Rat habe wiederholt erklärt, kurzfristige Volatilitäten nicht überzubewerten – ein Hinweis auf strategische Geduld im geldpolitischen Handeln.
Neutralität als geldpolitisches Prinzip
In der Einschätzung von Dr. Wolburg bleibt der aktuelle Leitzins eine stabile Zwischenposition – weder stimulierend noch restriktiv. Auch die bis 2028 verlängerten Projektionen lassen keine nachhaltige Unterschreitung des Inflationsziels erwarten. Die EZB bleibe damit auf einem Kurs, der Bewegung vermeidet, ohne Richtung zu verlieren.
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