Das Vertrauen in Aktien und Fonds als Baustein der Altersvorsorge wächst weiter – und erreicht laut aktueller HDI-Berufe-Studie den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung. Zugleich treten Kryptowährungen erstmals in der Langzeitmessung auf und finden besonders unter jüngeren Berufstätigen Zuspruch.
Der Trend zu aktienbasierten Konzepten setzt sich fort: 28 Prozent der Berufstätigen halten Aktien oder Fonds inzwischen für gut geeignet zur Altersvorsorge. Seit 2020, als dieser Wert noch bei 19 Prozent lag, entspricht das einem Anstieg um fast die Hälfte. Damit belegen Börsenanlagen im Vertrauensranking erneut den zweiten Platz hinter dem Eigenheim, das mit 44 Prozent weiterhin führt – jedoch mit schwindendem Abstand.
Besonders deutlich fällt die Veränderung bei der Renditeeinschätzung aus. 57 Prozent glauben inzwischen, dass sich mit Aktien langfristig höhere Erträge erzielen lassen als mit klassischen Zinsprodukten (2023: 48 Prozent). Auch als Inflationsschutz werden Aktien stärker wahrgenommen: Der Wert steigt auf 40 Prozent, nach 38 Prozent im Vorjahr und 32 Prozent im Jahr 2023.
Trotz des wachsenden Interesses bleibt die Skepsis aber ein stabiler Faktor. 39 Prozent empfinden die Geldanlage in Aktien als zu kompliziert, 35 Prozent halten sie für zu riskant. Die risikobezogene Wahrnehmung bewegt sich damit nahezu auf Vorjahresniveau.
Geschlechterunterschiede bleiben deutlich
Obwohl das Vertrauen von Berufstätigen Frauen seit 2020 stärker gestiegen ist als bei Männern, bleibt der Abstand bestehen:
- 34 Prozent der Männer setzen auf Aktien und Fonds,
- aber nur 20 Prozent der Frauen.
In anderen Vorsorgeformen sind die Unterschiede weniger ausgeprägt. Bei privaten Lebens- und Rentenversicherungen liegt das Vertrauen nahezu gleichauf (21 Prozent bei Frauen, 22 Prozent bei Männern). Die gesetzliche Rentenversicherung genießt hingegen bei Frauen mit 14 Prozent deutlich weniger Vertrauen als bei Männern (20 Prozent).
Holm Diez, Vorstand Leben und Bancassurance bei HDI Deutschland, ordnet die Ergebnisse ein: „Der Trend zu aktienbasierten Konzepten verstärkt sich weiter. Ein ausgewogener Mix aus klassischen und fondsbasierten Vorsorgebausteinen bleibt entscheidend für finanzielle Stabilität im Alter.“
Private Vorsorge vor gesetzlicher Rente
Private Lebens- und Rentenversicherungen behaupten im Ranking der bevorzugten Altersvorsorgeformen den dritten Platz mit 21 Prozent – und stabilisieren einen leichten Aufwärtstrend aus dem Vorjahr. Die gesetzliche Rentenversicherung folgt mit 17 Prozent. 2020 lagen beide Formen noch näher beieinander (24 zu 22 Prozent).
Der Abstand zur gesetzlichen Rente wächst damit weiter. Für Vermittler eröffnet dies Hinweise auf unverändert hohe Beratungsbedarfe zur Vorsorgeplanung – insbesondere bei Frauen, deren Vertrauen in die gesetzliche Rente besonders schwach ausgeprägt ist.
Kryptowährungen im Vorsorgekontext: ein klarer Generationeneffekt
Zum ersten Mal wurden Kryptowährungen in die Vertrauensmessung aufgenommen – und erzielen überraschend hohe Werte bei jüngeren Berufstätigen:
- 26 Prozent der Unter-40-Jährigen halten Kryptowährungen für geeignet zum Aufbau einer Altersvorsorge.
- In der Altersgruppe 40+ sind es nur 11 Prozent.
- Der Bundesdurchschnitt liegt bei 17 Prozent.
Dieser Unterschied spiegelt auch das Nutzerverhalten wider: 32 Prozent der unter 40-Jährigen haben bereits Kryptowährungen gekauft, unter den Älteren sind es lediglich 14 Prozent. Im gesamtdeutschen Durchschnitt haben 21 Prozent schon in Bitcoin & Co. investiert. Holm Diez betont den Trend: „Ein bemerkenswertes Ergebnis ist, dass Kryptowährungen inzwischen als potenzieller Vorsorgebaustein wahrgenommen werden – vor allem von Jüngeren.“
Starke regionale Unterschiede – Hamburg vorne, Ostdeutschland skeptischer
Im Ländervergleich zeigen sich deutliche Unterschiede:
- Hamburg und Bremen liegen beim Anteil der Krypto-Investoren vorn (29 und 28 Prozent).
- In Hamburg halten zudem 27 Prozent Kryptowährungen für gut geeignet zur Altersvorsorge – bundesweiter Spitzenwert.
- Saarland und Sachsen-Anhalt zeigen mit jeweils 11 Prozent die geringste Zustimmung.
- Auch bei Aktieninvestments fällt die Zustimmung in Berlin, Hamburg und Süddeutschland deutlich höher aus als in ostdeutschen Bundesländern.
Über die Studie:
Die HDI Berufe-Studie wird jährlich bundesweit durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage im YouGov Panel, an der 3.739 erwerbstätige Personen zwischen dem 11. Juni und 31. Juli 2025 teilnahmen. Die Daten wurden mit den Quotenmerkmalen Alter und Geschlecht innerhalb der einzelnen Bundesländer erhoben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung in jedem einzelnen Bundesland ab 15 Jahren nach Alter und Geschlecht sowie für die erwerbstätige Bevölkerung in Deutschland insgesamt ab 15 Jahren nach Alter, Geschlecht und Region.
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