Fast die Hälfte der Schweizer kann kein Geld sparen

Veröffentlichung: 07.10.2025, 09:10 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Sparen gilt als wichtig – doch immer weniger Schweizerinnen und Schweizer schaffen es tatsächlich. Laut einer neuen Baloise-Studie in Kooperation mit YouGov legten in den vergangenen sechs Monaten nur 47 Prozent Geld beiseite. Besonders stark betroffen: die Westschweiz und das Tessin. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit über die finanzielle Zukunft und das Vertrauen in das Vorsorgesystem schwindet.

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Auch in der Schweiz klaffen Wunsch und Wirklichkeit beim Sparverhalten auseinander.Auch in der Schweiz klaffen Wunsch und Wirklichkeit beim Sparverhalten auseinander.DALL-E

Sparverhalten: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

79 Prozent der Schweizer Bevölkerung halten regelmäßiges Sparen für wichtig, doch nur 47 Prozent haben in den vergangenen sechs Monaten tatsächlich etwas zurückgelegt. In der Deutschschweiz liegt die Sparquote mit 50 Prozent am höchsten, gefolgt von der Romandie (41 Prozent) und dem Tessin (31 Prozent).

Fast jede zweite sparende Person legt monatlich bis zu 1.000 CHF beiseite. Hauptmotiv ist dabei die Vorsorge für unvorhergesehene Ausgaben (71 Prozent). Auffällig: Die unter 30-Jährigen sparen signifikant häufiger für Wohneigentum – 19 Prozent nennen dies als zentrales Ziel.

Klassische Sparformen bleiben dominant

Trotz wachsender Popularität digitaler Finanztools setzen die Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor auf traditionelle Sparformen. 71 Prozent besitzen ein Sparkonto, 52 Prozent ein klassisches 3a-Konto. Nur etwa ein Drittel (31 Prozent) nutzt ein 3a-Konto mit Wertschriften.

Besonders bei jungen Menschen zeigt sich jedoch eine Trendwende: 39 Prozent der 15- bis 22-Jährigen investieren bereits in Aktien- oder ETF-Sparpläne – doppelt so viele wie im Bevölkerungsschnitt. Gleichzeitig geben 64 Prozent jener, die nicht in die Säule 3a einzahlen, an, dass ihr Einkommen zu gering sei, um regelmäßig Geld zurückzulegen.

Wissenslücken bei Finanzthemen

Finanzbildung bleibt ein Schwachpunkt. 60 Prozent der Befragten bewerten ihr Wissen als höchstens mittelmäßig, 69 Prozent empfinden die schulische Vorbereitung auf Finanzthemen als unzureichend. Entsprechend fordern drei von vier Personen, dass finanzielle Bildung bereits in der Schule verankert wird.

Wichtigste Informationsquellen sind das persönliche Umfeld (52 Prozent) und Bank- oder Versicherungsberater*innen (49 Prozent). Digitale Angebote wie Podcasts oder Online-Kurse spielen bislang kaum eine Rolle.

Skepsis bei Altersvorsorge und Zukunft

Obwohl 57 Prozent der Befragten ihre aktuelle finanzielle Lage als gut empfinden, sinkt dieser Wert bei der Zukunftserwartung auf 44 Prozent. Hauptsorgen sind Unsicherheiten im Vorsorgesystem (24 Prozent) und Vorsorgelücken bzw. unzureichende Renten (20 Prozent). Besonders in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen ist die Sorge groß – nur 35 Prozent fühlen sich finanziell wohl.

Frühpensionierung bleibt Wunschtraum

Mehr als die Hälfte der unter 65-Jährigen (57 Prozent) träumt von einem frühen Ruhestand, doch nur 11 Prozent unternehmen konkrete Schritte, um diesen umzusetzen. Rückblickend sagen 37 Prozent der über 65-Jährigen, sie würden ihre Vorsorgeplanung heute anders angehen.

Beratung: Persönlicher Kontakt dominiert

Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer (53 Prozent) hat bereits eine persönliche Beratung bei einer Bank oder Versicherung in Anspruch genommen. Digitale Angebote spielen mit 10 Prozent bisher nur eine Nebenrolle – auch wenn vor allem Jüngere hier offener sind.

Finanzielle Bildung und frühzeitige Vorsorge entscheidend

„Diese Sorgen können durch eine proaktive Finanzplanung, wie sie Baloise mit ihrem Insurbanking-Modell anbietet, deutlich reduziert werden“, sagt Clemens Markstein, CEO von Baloise Schweiz. „Die Kluft zwischen Wunschdenken und konkreter Planung zeigt, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für die langfristigen Auswirkungen heutiger finanzieller Entscheidungen zu schärfen.“

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