Rendite unterschätzt: Warum viele Anleger das Potenzial von Wertpapieren falsch einschätzen

Immer mehr Menschen investieren in Fonds und ETFs – doch ausgerechnet bei der Rendite klaffen Wahrnehmung und Realität auseinander. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie groß die Erwartungslücke ist und warum sie den Vermögensaufbau ausbremst.

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Der wachsende Zuspruch für Wertpapiere in Deutschland geht nicht automatisch mit einem realistischen Verständnis ihrer Ertragschancen einher (Symbolbild).Der wachsende Zuspruch für Wertpapiere in Deutschland geht nicht automatisch mit einem realistischen Verständnis ihrer Ertragschancen einher (Symbolbild).DALL-E

Der wachsende Zuspruch für Wertpapiere in Deutschland geht nicht automatisch mit einem realistischen Verständnis ihrer Ertragschancen einher. Zwar investieren immer mehr Menschen in Aktien, Fonds und ETFs, doch viele Anleger unterschätzen weiterhin die langfristige Rendite dieser Anlageformen. Das zeigt eine YouGov-Umfrage für die Postbank zum Spar- und Anlageverhalten.

Demnach liegt mehr als jeder dritte Sparer mit seiner Renditeerwartung deutlich unter historischen Durchschnittswerten. Rund ein Viertel der Befragten kann die mögliche Rendite eines ETF-Sparplans überhaupt nicht einschätzen. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur Neueinsteiger, sondern zieht sich durch alle Altersgruppen.

Dabei zeigen langfristige Kapitalmarktvergleiche, dass breit gestreute Aktieninvestments über längere Zeiträume stabile Erträge erzielen können. Entscheidend ist weniger der Zeitpunkt des Einstiegs als vielmehr die Dauer der Anlage. Kursschwankungen gehören zum Wesen von Wertpapieren, gleichen sich jedoch bei einem ausreichend langen Anlagehorizont häufig aus.

Ein weiterer unterschätzter Faktor ist der Zinseszinseffekt. Werden Erträge nicht entnommen, sondern kontinuierlich reinvestiert, wächst das investierte Kapital über die Jahre deutlich stärker als bei klassischen Sparformen. Gerade thesaurierende Fonds profitieren von diesem Effekt, da Erträge automatisch wieder angelegt werden.

Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass fehlende Renditevorstellungen oft mit Zurückhaltung einhergehen. Wer das Ertragspotenzial nicht einschätzen kann, investiert vorsichtiger oder gar nicht – selbst dann, wenn das eigene Sparverhalten langfristig kaum Vermögenszuwächse ermöglicht. Die Folge ist eine strukturelle Erwartungslücke zwischen dem Wunsch nach Vermögensaufbau und dem tatsächlichen Anlageverhalten.

Der Boom bei Wertpapieren markiert einen wichtigen Schritt, doch er bleibt unvollständig, solange Renditechancen falsch eingeschätzt werden. Ohne realistische Erwartungen drohen falsche Entscheidungen – sei es durch übermäßige Vorsicht oder durch Enttäuschung bei kurzfristigen Schwankungen. Langfristiger Vermögensaufbau erfordert nicht nur Produkte, sondern vor allem Verständnis.

Über die Studie:

Erhebung: YouGov. Auftraggeber: Postbank. Stichprobe: 2.004 Befragte. Kontext: Spar- und Anlageverhalten in Deutschland.

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