Vor allem westdeutsche Frauen bekommen wenig Rente

Veröffentlichung: 20.12.2018, 06:12 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Trotz langjähriger Versicherungszeiten haben 20 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung nur geringe Rentenansprüche, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Veröffentlichung.

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Davon sind 90 Prozent Frauen. Die meisten haben ihre Berufstätigkeit unterbrochen und lange in Teilzeit gearbeitet.

Stärkerer sozialer Ausgleich notwendig

Die Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zeigt, dass ein stärkerer sozialer Ausgleich in der gesetzlichen Rente sowie mehr und besser bezahlte Beschäftigung das Risiko von Altersarmut reduzieren würde.

Auch der demografische Wandel wäre leichter zu bewältigen, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit ausweiten könnten und der Niedriglohnsektor eingedämmt würde.

Parallel kapitalgestützte Vorsorgeformen, etwa Aktiensparpläne, zu fördern, halten die IAQ-Forscher nicht für sinnvoll, weil sie die Menschen mit dem größten Risiko von Niedrigrenten nicht erreichen würden.

Auswertung von Datensätzen der Rentenversicherung und Arbeitsagentur

Mithilfe von Datensätzen von Rentenversicherung und Arbeitsagentur wurde analysiert, wer von den zwischen 1940 und 1947 Geborenen nach wenigstens 30 Versicherungsjahren (inklusive beitragsfreier oder beitragsgeminderter Zeiten) eine Rente bekommt, die nicht wenigstens zehn Prozent über dem Existenzminimum liegt.

Von den 20 Prozent, bei denen dies der Fall ist, sind 90 Prozent Frauen. Vor allem bei westdeutschen Frauen sind niedrige Rentenansprüche eine Folge von langen Kindererziehungszeiten, oft in Kombination mit Minijobs oder langjähriger Teilzeit. Bei ostdeutschen Versicherten beruhen sie oft auf langer beziehungsweise wiederholter Arbeitslosigkeit in den Jahren nach 1990.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die durch späte Berufseinstiege, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Kindererziehungszeiten geprägt sind. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto höher der Anteil der geringen Rentenansprüche. So liegt in einer relativ kleinen Gruppe von westdeutschen Frauen, bei denen langjährige Teilzeitbeschäftigung in geringem Umfang, Arbeitslosigkeit oder Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit nach der Kinderbetreuungsphase zusammenkommen, der Anteil der Niedrigrenten bei 93,5 Prozent – trotz mindestens 30 Versicherungsjahren.

Bild: © alphaspirit / fotolia.com

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