Solvency II im Fokus

Veröffentlichung: 12.04.2018, 05:04 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Auch zwei Jahre nach dem Inkrafttreten hält Solvency II die Assekuranz auf Trab. Mittlerweile haben sich die Versicherer im gelebten Alltag jedoch intensiv damit auseinandersetzen können und die ersten echten Erfahrungen mit den Anforderungen gemacht.

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Auf dem 7. Messekongress „Finanzen und Risikomanagement“ der Versicherungsforen Leipzig am 19. und 20. Juni 2018 hält Klaus Brenner, Mitglied des Vorstandes, Chief Financial Officer (CFO) bei VPV Versicherungen, eine Keynote zum Thema „Governance – ein Reset ist unumgänglich!“. Im Interview beantwortete er vorab einige Fragen, wie die VPV Versicherungen mit den zahlreichen Anforderungen in diesem Bereich umgehen.

Wie beurteilen Sie die Regelungen von Solvency II zwei Jahre nach deren Inkrafttreten?

Die Branche hat die ersten beiden Jahre unter Solvency II gut gemeistert. Dies bestätigte auch die Veröffentlichung der ersten Berichte zur Solvenz- und Finanzlage im Mai 2017. Denn alle Versicherer erfüllen die aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Nichtsdestotrotz sind weitere Konsolidierungen und Verbesserungen sowohl technisch als auch prozessual zwingend notwendig. Die VPV sammelt weiter Erfahrungen, insbesondere beim Umgang mit den Quartalsmeldungen, und spielt diese an die BaFin zurück. So sehen wir beispielsweise die Meldung zum 4. Quartal kritisch.

Es ist entscheidend, die vielfältigen Anforderungen aus der MaGo für das eigene Haus zu übersetzen und ein Bild zu entwickeln.

Wie gut aufgestellt sehen Sie die VPV?

Wir sind als mittelständischer Versicherer gut gerüstet, auch ohne Übergangsmaßnahme dauerhaft die Anforderungen unter Solvency II zu erfüllen. Uns hilft dabei, dass wir bereits 2008 unsere Produktpalette umgestellt haben und seither auf hybride Lebensversicherungsprodukte setzen. Das hat einen positiven Effekt auf unsere benötigten Eigenmittel.

Inwieweit erachten Sie Solvency II als nützliches Instrument für die Unternehmenssteuerung?

Wir haben Solvency II von Beginn an einen hohen Stellenwert im Haus eingeräumt. Für uns stand außer Frage, dass es insbesondere im aktuellen Marktumfeld der Lebensversicherung sinnvoll ist, eine ökonomische und nach vorne gerichtete Sicht einzunehmen. Die Erkenntnisse daraus nutzen wir in der Unternehmenssteuerung. So berücksichtigen wir die Auswirkungen unserer Entscheidungen unter Solvency II sowohl bei Fragen der Produktgestaltung als auch bei der Steuerung unserer Kapitalanlagen.

Das Thema Governance-System begleitet die deutschen Versicherer bereits seit der 9. VAG-Novelle beziehungsweise den MaRisk VA im Jahr 2008, über die Vorbereitungsphase hinweg und nun auch weiterhin unter Solvency II. Welche wesentlichen Änderungen / Verbesserungen hat Ihr Governance-System im Laufe der Jahre erfahren?

Wir haben unser Governance-System im Herbst komplett neu aufgestellt. Durch diesen Reset haben wir ein transparentes System geschaffen, in dem die Rollen klar voneinander abgetrennt sind.

Unsere Governance gliedert nach den drei Verteidigungslinien Kontrolle, Überwachung und Prüfung. Wir haben die jeweiligen Aufgaben und das Zusammenspiel zwischen den Linien definiert und die Schlüsselfunktionen aus Solvency II sinnvoll integriert.

Welche unternehmensspezifischen Besonderheiten gibt es in Ihrem Haus bezüglich der Umsetzung der vier Schlüsselfunktionen?

Als mittelständischer Versicherer legen wir besonderen Wert auf die Wesentlichkeit und den Mehrwert in der Ausgestaltung der Aufgaben.

Für uns ist es wichtig, dass wir effizient arbeiten und Synergien herstellen. Dies gelingt uns beispielsweise, indem wir uns in bestimmten Themenbereichen wie der Compliance als virtuelles Team organisieren. Das heißt, wir haben dezentrale Compliance- Officer in den Fachbereichen benannt.

Wie gehen Sie mit den Schnittstellen zwischen den Schlüsselfunktionen um? Wie erfolgt hier eine klare Abgrenzung und Aufgabentrennung?

Die Schlüsselfunktionen arbeiten eng zusammen und tauschen sich laufend untereinander aus. Dafür haben wir ein monatliches Governance-Forum eingeführt. So stellen wir sicher, dass unser Governance-System wirksam ist. Darüber hinaus vermeiden wir auf diesem Wege, dass Aufgaben doppelt bearbeitet werden und können bei neuen Aufgaben klären, in wessen Zuständigkeitsbereich sie fallen.

Dieser regelmäßige Austausch fördert das gemeinsame Verständnis für die Risiken und deren Gewichtung in den einzelnen Risikokategorien.

Wo sehen Sie die besonderen Herausforderungen für kleine/mittlere Versicherer beziehungsweise VVaG bei der Implementierung eines wirksamen Governance-Systems?

Es ist entscheidend, die vielfältigen Anforderungen aus der MaGo für das eigene Haus zu übersetzen und ein Bild zu entwickeln. Wir sehen unser neues Governance-System als Chance, die mit unserem Geschäft verbundenen Risiken zu kennen und durch die erforderlichen Maßnahmen zu vermeiden, dass sie eintreten. Die Herausforderung bestand für uns darin, unsere vorhandenen Ressourcen entlang unseres Risikoprofils neu zu sortieren sowie die notwendigen Prozesse und Schnittstellen im Governance-System zu verankern.

Bild: (1) © VPV Versicherungen (2) © experten-netzwerk GmbH

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