InsurTechs: großes Interesse - wenig Kenntnis

Veröffentlichung: 26.08.2016, 05:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Deutsche Versicherungsunternehmen fokussieren zu stark auf interne Themen wie Infrastrukturen und Prozesse und sind zu zögerlich, wenn es darum geht, Innovationen zu entwickeln. Sie drohen dadurch zunehmend den Anschluss an neue InsurTech-Trends zu verpassen. Zwar wird in der Branche allgemein anerkannt, dass Versicherungs-Start-ups große Chancen bieten. Dennoch haben die wenigsten Unternehmen bisher Prozesse und Maßnahmen angestoßen, um neue digitale Produkte und Dienstleistungen am Versicherungsmarkt durchzusetzen.

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Sie erwarten zudem, dass die klassischen Vermittler zu den Verlierern der InsurTech-Innovationswelle gehören werden, und hoffen darauf, ihr Geschäft künftig über andere Vertriebskanäle generieren zu können. Dies sind zentrale Ergebnisse der aktuellen InsurTech-Studie von zeb.

Die Strategie- und Managementberatung – führend in der Beratung von Unternehmen im europäischen Finanzsektor – hat untersucht, wie deutsche Versicherungsunternehmen aktuelle InsurTech-Trends bewerten und beabsichtigen, darauf zu reagieren.

Insgesamt haben sich über 120 Vorstände, Führungskräfte und Experten aus der Versicherungsbranche an der zeb-Studie beteiligt, gemessen am Beitragsvolumen entspricht dies mehr als 80 Prozent des deutschen Versicherungsmarktes.

Dr. Matthias Übing, verantwortlicher zeb-Partner für das Versicherungsgeschäft, erläutert:

cms.mwhus.x Dr. Matthias Übing, Partner bei zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh

„Die deutsche Assekuranz öffnet sich Schritt für Schritt neuen Geschäftsideen und Innovationen. Das geschieht aus unserer Sicht jedoch zu langsam. Die Branche muss lernen, wesentlich schneller und konsequenter auf die Bedürfnisse ihrer digital verwöhnten Kunden einzugehen.“

Sehr großes Interesse – aber geringe Kenntnis

Die InsurTech-Studie bestätigt ein sehr großes Interesse der Branche am Thema. Überraschend ist in Verbindung damit, dass nur 52 Prozent der Versicherer angeben, den InsurTech-Markt genauer zu beobachten. Fast alle Versicherer kennen Vergleichsportale und digitale Makler.

Andere innovative Geschäftsmodelle, die zudem die Versicherer/Vermittler unterstützen, statt zu konkurrieren, fristen dagegen ein „Schattendasein“ (zum Beispiel White-Label-Apps für Vermittler, Prozessunterstützungstools, Schadenmanagement). Unterm Strich: Von zurzeit über 50 InsurTechs in Deutschland sind den Versicherern nur eine Handvoll Unternehmen bekannt.

Versicherer sehen hohes Potenzial – setzen aber keine Maßnahmen um

Im Detail ergab die zeb-Studie, dass die deutschen Versicherer mehrheitlich vom Potenzial der InsurTechs als Innovationstreiber überzeugt sind. So bewerten 74 Prozent der Befragten den InsurTech-Trend als relevant bzw. sehr relevant. 73 Prozent der Befragten erwarten zudem, dass sich durch deren Geschäftsmodelle Chancen für Vermittlern gehen eher schweren Zeiten entgegen. 56 Prozent der Versicherer denken, dass hier die Risiken überwiegen.

Jakob Baron, Manager bei zeb und Autor der Studie, ergänzt dazu:

„Versicherer gehen offenbar davon aus, dass klassische Vermittler gegenüber Aggregatoren und digitalen Maklern Kunden verlieren werden. Aus unserer Sicht sollten die Versicherer jedoch nicht zu sehr darauf vertrauen, dass das Geschäft künftig im selben Umfang über andere Kanäle kommt. Es gilt vielmehr, vor allem den eigenen Vertrieb zukunftsfest aufzustellen.“

Die Unternehmen haben bislang kaum Maßnahmen umgesetzt, um diese Chancen zu realisieren oder den Risiken zu begegnen. Nur 19 Prozent der Studienteilnehmer geben an, InsurTech-Ideen adaptiert zu haben. 17 Prozent der Befragten bejahen, mit InsurTechs zu kooperieren, und 3 Prozent haben Abwehrmaßnahmen umgesetzt.

Versicherer überlassen Innovationen den InsurTechs – und warten ab

Stattdessen verlassen sich Versicherer auf Altbewährtes. 91 Prozent geben an, auf ihre bestehenden Geschäftsmodelle zu vertrauen und Innovationen nur dann zu übernehmen, wenn diese sich am Markt durchgesetzt haben. Nur 9 Prozent der Versicherer sehen sich als Innovationsführer. Das ist aus Sicht von zeb ein zu zögerliches Vorgehen.

Jakob Baron bilanziert:

„Die Versicherer sind zu stark mit ihren internen Themen beschäftigt. Die Verbesserung des Kundenerlebnisses wird dabei fast kampflos den InsurTechs überlassen.“

Dr. Matthias Übing ergänzt abschließend:

„Es wird aktuell oft geschrieben, dass Versicherer sich neu erfinden und innovative Lösungen erarbeiten. Die Studie beweist jetzt das Gegenteil. Bis auf sehr wenige, große Versicherungskonzerne ist die Branche passiv und abwartend.“

Bild: (1) © peshkov / fotolia.com (2) © zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh

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