Deutsche: Schlusslicht bei Absicherung des Einkommens

Veröffentlichung: 29.06.2016, 05:06 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Bei der Einkommensabsicherung liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf dem letzten Platz: Nur 17 Prozent haben eine Versicherung gegen den finanziellen Ausfall aufgrund von Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit abgeschlossen.

(PDF)
Rollstuhl-Deutschland-Fahne-85000749-FO-tourneeRollstuhl-Deutschland-Fahne-85000749-FO-tourneeBild: © tournee / fotolia.com

Im Vergleich dazu verfügen beispielsweise über 60 Prozent der Bürger in Hongkong oder Malaysia als Spitzenreiter der Umfrage über eine entsprechende Police – ein Spitzenwert in der Umfrage. „Mögliche Ursachen für die schlechte Vorsorge in Deutschland sind das Vertrauen in die staatliche Absicherung, große Informationslücken über Versicherungsangebote sowie die falsche Annahme, dass eine entsprechende Vorsorge teuer sei“, so Jawed Barna, Vorstand für das Ressort Lebensversicherung der Zurich Gruppe Deutschland.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage der Smith School der Universität Oxford im Auftrag der Zurich Insurance Group (Zurich), die mehr als 11.000 Personen in elf Ländern auf vier Kontinenten befragte. Thema der Umfrage ist „Lücken bei der Einkommensabsicherung – die Verringerung des Haushalteinkommens als Folge von Erwerbs- und Berufsunfähigkeit oder des frühzeitigen Ablebens eines Hauptverdieners“. Berücksichtigt wurden die Länder Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und die Schweiz, wie auch Australien, Brasilien, Malaysia, Mexiko, die USA und die Millionenmetropole Hongkong.

Deutsche fühlen sich schlecht informiert

Die Deutschen sind beim Thema Einkommensabsicherung zudem am schlechtesten informiert: Laut der Umfrage gibt jeder zweite Deutsche (52 Prozent) an, wenig darüber zu wissen, wie man das Einkommen gegen Erwerbsunfähigkeit oder schwere Krankheit absichern kann. 55 Prozent der Befragten in Deutschland verfügen über sehr geringe bis gar keine Kenntnisse über Risikolebensversicherungen. Dagegen stellt für Viele jedoch Informiertheit ein wichtiges Kriterium für die eigene Vorsorge dar. Jeder zweite Nicht-Versicherte (52 Prozent) kann sich immerhin den Abschluss einer entsprechenden Police vorstellen. Bei der Risikolebensversicherung schneiden die Deutschen im Vergleich deutlich besser ab: Hier verfügen 39 Prozent über eine abgeschlossene Versicherung. International liegen sie damit hinter Hongkong und Malaysia auf Platz drei.

Staatliche Absicherung reicht längst nicht mehr aus

Dass in Deutschland nur wenige Menschen gegen Ausfälle durch Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit vorsorgen, liegt möglicherweise auch an dem im Vergleich zu anderen Ländern umfassenderen Sozialversicherungssystem. Doch Vorsicht: Seit 2001 gibt es für alle Arbeitnehmer, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, nur noch die Erwerbsminderungsrente. Die volle Erwerbsminderungsrente wird nur gezahlt, wenn Betroffene nicht mehr einer dreistündigen Tätigkeit pro Tag nachgehen können – unabhängig vom gelernten Beruf. „Viele denken aber nicht daran, dass das Solidarsystem aufgrund des demografischen Wandels, der steigenden Kosten im Gesundheitswesen oder des verhaltenen Wirtschaftswachstums vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Das staatliche Absicherungssystem reicht längst nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard auch nur annähernd zu halten. Wir gehen davon aus, dass die staatliche Absicherung daher weiter eher ab- als zunehmen wird. Die private Vorsorge wird, insbesondere im Niedrigzinsumfeld, immer wichtiger“, betont Barna.

Fatale Lücken bei der Absicherung der Arbeitskraft

Die vom Staat gezahlte Rente genügt in vielen Fällen von Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit nicht, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Derzeit stehen Rentenbeziehern im Durchschnitt 702 Euro im Monat zur Verfügung . „Das stellt Bürger vor erhebliche finanzielle Herausforderungen, da sie neben den fixen monatlichen Ausgaben wie Miete oft noch krankheitsbedingte Zusatzausgaben für Therapien oder häusliche Umbaumaßnahmen haben“, so Barna. Zudem unterschätzten viele ihr Risiko für eine Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit: Über die Hälfte der Befragten glaubt, ein Risiko unter 20 Prozent zu haben. Laut aktuellen Angaben der Deutschen Rentenversicherung* liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei Frauen bei circa 35 Prozent, bei Männern bei circa 39 Prozent in der Altersspanne 20 bis 50 Jahre. „Das ist faktisch mehr als jeder Dritte“, sagt Barna.

Wie wichtig eine private Absicherung ist, wird vor allem beim Blick auf den Hauptgrund für eine Vorsorge deutlich: Über die Hälfte (56 Prozent) gibt an, dass eigene finanzielle Mittel nicht ausreichen würden, um den Lebensunterhalt zu decken. Rund drei von fünf Befragten (58 Prozent) in Deutschland sagten aus, dass ihre Ersparnisse nicht einmal für die Abdeckung von sechs Monaten genügen würden. „Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, dass viele Bürger ihr Auto besser absichern als ihre eigene Arbeitskraft“, so Barna.

Aufklärungsarbeit notwendig

Aufgrund des schlechten Informationsstandes in Deutschland ist offenbar weitere Aufklärungsarbeit notwendig, um die Verbraucher über das Thema Einkommensabsicherung zu informieren. Viele der Befragten waren sich über die verschiedenen Länder hinweg einig, dass sie sich für das Abschließen einer Police weitere Informationen wünschen. Viele scheinen darüber hinaus eine unbegründet hohe Vorstellung von der Prämienhöhe zu haben. So sind der Studie nach 60 Prozent der Deutschen bereit, zwischen ein und fünf Prozent ihres Einkommens dafür auszugeben, und einer von fünf Befragten mehr als zehn Prozent. Tatsächlich ist eine solche Absicherung in der Regel für deutlich weniger als fünf Prozent des Einkommens erhältlich.

Über die Studie

Bernd Engelien vom Auftraggeber der Studie, der Zurich Versicherung, gibt im Audiobeitrag Auskunft über das Thema Einkommensabsicherung

Die Zurich Studie zur Vorsorgelücke bei Erwerbsunfähigkeit als globale Herausforderung wurde durch die Smith School der Universität Oxford im März und April 2016 durchgeführt. Die Studie basiert auf national repräsentativen Stichproben von Konsumenten im Alter von 25 bis 60 Jahren in Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, der Schweiz, Australien, Brasilien, Malaysia, Mexiko, die USA sowie Hongkong. Pro Land bzw. der Metropole füllten rund 1.000 Menschen eine Online-Umfrage mit 57 Fragen aus.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Paar-lacht-172793949-FO-goodluzPaar-lacht-172793949-FO-goodluz
Produkte

Continentale: neue Basisrente mit zwei Tarifen

Bei der Continentale Lebensversicherung gibt es jetzt zwei neue Tarife: Continentale BasisRente Classic Pro und Continentale BasisRente Classic Balance bieten höhere laufende Überschüsse und Garantien genau dann, wenn es bei der Altersvorsorge darauf ankommt – zum Rentenbeginn und in der Rentenphase.
Marathon-Beine-1265438-PB-aumodMarathon-Beine-1265438-PB-aumod
Produkte

Schutz- und Assistanceleistungen für Marathon-Läufer

Die Generali Deutschland engagiert sich noch stärker in der deutschen Läufer-Community. Seit 2017 ist der Versicherungskonzern mit seiner nationalen Initiative „Generali bewegt Deutschland“ Partner der Marathon-Topveranstaltungen in München, Berlin, Frankfurt am Main und Köln. Rund 140.000 Laufbegeisterte werden in diesem Jahr bei den vier Events starten.
Drohne-vor-Gebirge-94138046-FO-KadmyDrohne-vor-Gebirge-94138046-FO-Kadmy
Produkte

Besser sie heben sicher ab

Drohnen werden immer beliebter. Etwa 400.000 Drohnen soll es in deutschen Haushalten geben. Mit den steigenden Verkaufszahlen in Deutschland nehmen auch die Meldungen über spektakuläre Abstürze und Unfälle zu. Mancher mag sich noch daran erinnern, dass eine Kamera-Drohne den Österreicher Marcel Hirscher bei einem Weltcup-Rennen knapp verfehlte. Ob Panoramaschwenk zuhause oder im Urlaub, immer mehr Menschen greifen auf Bilder und Videos per Drohne zurück, um Impressionen aus der Luft ...
tablette-91713684-fo-denisismagilovtablette-91713684-fo-denisismagilov
Produkte

Arzneimittelberatung für AXA/DBV-Kunden

Die AXA Krankenversicherung AG und der Deutsche Apothekerverband (DAV) haben einen Kooperationsvertrag über eine umfassende Arzneimittelberatung und -aufklärung zu Wechsel- und Nebenwirkungen geschlossen. Krankenvollversicherte Kunden von AXA und der Deutschen Beamtenversicherung (DBV), die täglich fünf oder mehr rezeptpflichtige Medikamente einnehmen, können sich ab 1. Oktober bundesweit in allen teilnehmenden Apotheken kostenfrei zu ihrer Arzneimitteltherapie beraten und einen ...

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht