Auslandsaktien: US-Banken stechen europäische aus

Veröffentlichung: 16.11.2015, 16:11 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Sinkende Gewinne und Erträge, Stellenstreichungen im großen Stil wie bei Unicredit, der Deutschen Bank und Credit Suisse – die goldenen Zeiten der Banken scheinen passé. Zumindest am europäischen Aktienmarkt sieht es auch für 2015 nicht nach einem Comeback aus. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks kommt seit Jahresbeginn lediglich auf ein Plus von 2 Prozent, der marktbreite Stoxx Europe 600 ist im gleichen Zeitraum hingegen um 10 Prozent gestiegen. Der Branchenindex ist von den Hochständen vor der Finanzkrise noch weit entfernt und bewegt sich aktuell bei 193 Punkten. Zum Vergleich im Jahr 2007 waren es in der Spitze 535 Zähler.

(PDF)
BoerstenSturz-62854340-FO-microstock77BoerstenSturz-62854340-FO-microstock77

„Die Banken leiden unter der zunehmenden Regulierung und den hohen Eigenkapitalanforderungen“, bemerkt Jan Vrbsky von der Baader Bank. Der Spielraum für weitere Kapitalerhöhungen sei mittlerweile erschöpft. Umfangreiche Kostensenkungen seien unumgänglich, inklusive Stellenstreichungen. „In Europa werden die Zinsen niedrig bleiben, im Gegensatz zu den USA, wo die Zinsen steigen werden und Banken wieder mit höheren Margen rechnen können.“

Unicredit: harter Sparkurs

Typisch für die Problemfelder europäischer Banken ist die italienische Unicredit, die für das dritte Quartal einen Rückgang des Nettogewinns um 30 Prozent und der Einnahmen um 4 Prozent bekannt gab. Die international breit aufgestellte Bankengruppe reagiert und setzt auf einen rigiden Sparkurs. Bis 2018 sollen Kosten um 1,6 Milliarden Euro gesenkt und 18.200 Stellen von insgesamt 129.000 gestrichen werden. Besonders hart trifft es die zur Unicredit-Gruppe gehörende Bank Austria und das Filialnetz in Osteuropa. „Unicredit will aus eigener Kraft auf eine harte Kernkapitalquote von 12,6 Prozent kommen“, berichtet Vrbsky. Die Aktie, die vor der Finanzkrise über 30 Euro kostete, gab erneut nach und liegt sogar unter dem Wert von 2014 mit ca. 6 Euro.

CA mit kleinem Kursplus

Die beiden französischen Banken Crédit Agricole und Sociéte Générale überraschten im dritten Quartal hingegen positiv. Bei Crédit Agricole wuchs das Ergebnis, die Bank erreichte sogar den höchsten Quartalsgewinn seit 2011 – Analysten hatten jedoch noch mehr erwartet. „Die Bank profitierte insbesondere von ihrer Beteiligungsgesellschaft Eurozeo“, berichtet Walter Vorhauser von Oddo Seydler. Crédit Agricole habe sich auf das Geschäft im Heimatland konzentriert, und das rechne sich jetzt. „Die Nachfrage nach Verbraucherkrediten war hoch, zudem hat das Versicherungsgeschäft wesentlich zum Gewinn beigetragen.“ Die Aktie (WKN 982285) hat ihre Verluste vom August und September aber längst noch nicht wieder wettmachen können und geht aktuell zu 11,37 Euro über den Tisch, im Juli waren es über 14 Euro. Seit Jahresanfang kommen Anleger zumindest auf ein kleines Plus, Ende 2014 kostete die Aktie 10,69 Euro.

SocGen: Gewinner auch an der Börse

Bei der Sociéte Générale legte der Überschuss im Vergleich zum dritten Quartal 2014 um 28 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro zu, wie die Bank bekannt gab. Das heimische Privatkundengeschäft entwickelte sich erfreulich. An der Börse wurde das begrüßt, die Aktie (WKN 873403), Spezialist ist hier die Baader Bank, machte einen Satz nach oben und gehört in diesem Jahr zu den klaren Gewinnern: Ende 2014 kostete das Papier noch 35,24 Euro, jetzt sind es 44,64 Euro.

US-Banken mit guten Quartalszahlen

Deutlich besser gefahren als mit europäischen Bankaktien sind Investoren mit US-Titeln. J.P. Morgan (WKN 850628), Wells Fargo (WKN 857949) und die Bank of America (WKN 858388) haben Milliardengewinne für das dritte Quartal gemeldet. Mit allen drei Aktien lagen Anleger in den vergangenen Jahren genau richtig. Grund ist auch, aber nicht nur der US-Dollar-Anstieg. Bank of America-Aktionäre an der Börse Frankfurt haben auf Sicht von zwei Jahren ein Plus von 55,6 Prozent, auf Sicht von drei sogar 124 Prozent erzielt, bei J.P. Morgan sind es 58 und 100 Prozent.

Goldman leidet unter Handelsgeschäft

Hohe Kurszuwächse gab es auch bei Goldman Sachs (WKN 920332). Zwar musste die Aktie im August und September Federn lassen, hat sich danach aber wieder erholt. Auf Sicht von zwei Jahren kommen Anleger an der Börse Frankfurt auf ein Plus von 52 Prozent und auf Sicht von drei sogar auf 106 Prozent. Dabei hat Goldman Sachs wegen einer Flaute im Handelsgeschäft für das dritte Quartal rückläufige Gewinne und Erträge vermeldet. „Allerdings wurde immer noch ein Gewinn von 1,43 Milliarden US-Dollar eingefahren“, kommentiert Vorhauser. Die Citigroup legte unterdessen gute Zahlen vor, die Bank konnte ihren Überschuss im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahr um gut die Hälfte auf 4,3 Milliarden US-Dollar steigern. Die Aktie (WKN A1H92V) kostet allerdings nach wie vor nur ein Bruchteil dessen, was sie vor der Finanzkrise wert war.

Bild: © microstock77 /fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Dr. Eduard Baitinger ist seit 2015 Leiter Asset Allocation der FERI AG.Dr. Eduard Baitinger ist seit 2015 Leiter Asset Allocation der FERI AG.FERI AG
Finanzen

Aufwärtstrend an den Aktienmärkten hält trotz Risiken an

Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Herausforderungen setzen die globalen Börsen ihren Höhenflug fort, getragen von den starken US-Märkten und dem KI-Hype. Dr. Eduard Baitinger (FERI AG) beleuchtet die wichtigsten Trends und Risiken.
Abstract virtual analytics data spreadsheet on German flag and sunset sky background, analytics and analysis concept. MultiexposureAbstract virtual analytics data spreadsheet on German flag and sunset sky background, analytics and analysis concept. MultiexposurePixels Hunter – stock.adobe.com
Finanzen

Deutscher Geldanlage-Index Sommer 2024: Aktienkultur weiter auf dem Vormarsch

Anfang August sorgte ein "Mini-Crash" an den Börsen für Unruhe und Turbulenzen. Doch das Meinungsklima in der Bevölkerung zur aktienbasierten Geldanlage ist intakt. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) bei der Veröffentlichung der aktuellen Ausgabe des Deutschen Geldanlage-Index.
6181ad01-bcf3-4a24-99cc-13982f9f98006181ad01-bcf3-4a24-99cc-13982f9f9800Sergey Nivens – stock.adobe.com
Finanzen

"Schwaches Geschlecht", stark an der Börse

In einem Bereich, der lange Zeit von Männern dominiert wurde, setzen immer mehr Frauen ihre eigenen Maßstäbe und zeigen sich nachhaltig erfolgreich. Mit diesen fünf Stärken trumpfen Börsianerinnen auf.
Standort-Kornwestheim-2023-W-u-WStandort-Kornwestheim-2023-W-u-WWüstenrot & Württembergische AG
Finanzen

Wüstenrot mit Green Bond im Volumen von 500 Mio. Euro

Die Bausparkasse platziert ihren ersten grünen Pfandbrief erfolgreich am Kapitalmarkt. Der Green Bond im Benchmark-Volumen von 500 Millionen Euro hat eine Laufzeit von 5 Jahren. Der Kupon liegt bei 3,375 Prozent bei einer Rendite von 3,391 Prozent.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht