Cyber-Reputationsrisiken: Kursverluste von 27 Prozent möglich

Veröffentlichung: 03.09.2025, 17:09 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Cybervorfälle sind längst kein reines IT-Thema mehr: Laut Aon Global Cyber Risk Report 2025 können sie Aktienkurse im Schnitt um mehr als ein Viertel einbrechen lassen. Warum Unternehmen jetzt Reputationsmanagement und Cyber-Versicherung enger verzahnen müssen.

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Im globalen Durchschnitt verursachen Vorfälle, die zu Reputationsrisiken führen, einen Rückgang des Aktienkurses um 27 Prozent, so Aon.Im globalen Durchschnitt verursachen Vorfälle, die zu Reputationsrisiken führen, einen Rückgang des Aktienkurses um 27 Prozent, so Aon.DALL-E

Der aktuelle Global Cyber Risk Report 2025 des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Aon verdeutlicht die dramatischen Auswirkungen von Cyberangriffen auf Unternehmen. Im globalen Durchschnitt verursachen Vorfälle, die zu Reputationsrisiken führen, einen Rückgang des Aktienkurses um 27 Prozent. Grundlage der Analyse sind mehr als 1.400 untersuchte Cybervorfälle weltweit.

Zwischen Januar 2023 und Januar 2024 wurden über 420 Millionen Angriffe auf kritische Infrastrukturen registriert – rund 13 pro Sekunde. Deutschland war dabei nach den USA und Großbritannien das am dritthäufigsten betroffene Land.

„Cyberrisiken sind längst kein reines IT-Thema mehr, sondern gehören auf die Agenda der Unternehmensführung“, betont Philipp Seebohm, Executive Director Specialties bei Aon Deutschland. „Unsere aktuellen Untersuchungen unterstreichen die Bedeutung proaktiver Risikominderung. Unternehmen, die in Vorbereitung und Resilienz investieren, sind deutlich besser aufgestellt, um die finanziellen und rufschädigenden Folgen eines Cybervorfalls zu minimieren bzw. zu vermeiden.“

Welche Angriffe besonders gefährlich sind

Von den 1.414 analysierten Vorfällen entwickelten sich 56 zu Reputationsrisiken – also zu Fällen, die erhebliche mediale Aufmerksamkeit erlangten und den Aktienkurs signifikant beeinflussten. Besonders Malware- und Ransomware-Angriffe sind mit Reputationsschäden verbunden: Sie machten 60 Prozent aller Reputationsrisiken aus, obwohl sie nur 45 Prozent aller Vorfälle darstellten.

Interessant ist auch die Entwicklung bei Ransomware-Zahlungen: Unternehmen überweisen im Schnitt nur noch 28 Prozent der ursprünglichen Forderungen. Das zeigt laut Aon, dass verbesserte Sicherheitsarchitekturen und Wiederherstellungsmaßnahmen Wirkung zeigen.

Nicht alles ist versicherbar

Während Cyberversicherungen viele finanzielle Risiken abfedern können, bleiben Reputationsschäden häufig nur unzureichend versicherbar. Damit steigt die Bedeutung eines abgestimmten Zusammenspiels von Versicherungsschutz, Präventionsmaßnahmen und Krisenkommunikation.

„Der zunehmende Wettbewerb im Cyber-Versicherungsmarkt führt nicht nur zu sinkenden Prämien, sondern fungiert auch als Innovationstreiber – insbesondere im Bereich der Wordings, wo sich neue Standards entwickelt haben“, erklärt Seebohm. „Angesichts der zunehmenden Komplexität von Cyberbedrohungen stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Risiken ganzheitlich zu erfassen. Hierfür ist es wichtig, die Informationssicherheitsmaßnahmen und Cyber-Versicherungen strategisch zu verzahnen und Entscheidungen zu Risikomanagementmaßnahmen auf Basis belastbarer Daten zu treffen.“

Datenbasis:
Der Report stützt sich auf die Cyber Quotient Evaluation, eine firmeneigene globale E-Submission- und Assessment-Plattform von Aon. Sie liefert Unternehmen Erkenntnisse zum Reifegrad ihrer Informationssicherheit und unterstützt bei der Platzierung von Cyberdeckungen.

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