Hybride Angriffe: Bevölkerung sieht Deutschland nur mäßig vorbereitet
Cyberangriffe, Sabotage oder Desinformation: Hybride Bedrohungen rücken zunehmend in den Fokus der Sicherheitsdebatte. Laut einer Bitkom-Umfrage halten viele Bürger Deutschland nur begrenzt vorbereitet – und sprechen sich mehrheitlich für stärkere Befugnisse der Sicherheitsbehörden aus.
Im Fall eines hybriden Angriffs erwartet die deutsche Bevölkerung vor allem einen handlungsfähigen Staat und leistungsfähige Sicherheitsbehörden. Gleichzeitig sehen viele Bürger Deutschland insgesamt nur begrenzt vorbereitet. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach hält nur eine knappe Mehrheit von 56 Prozent die Polizei für gut auf hybride Angriffe vorbereitet. Für die Bundeswehr sagen das 47 Prozent der Befragten. Mit deutlichem Abstand folgen weitere gesellschaftliche Bereiche: 38 Prozent halten das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten für gut vorbereitet, 37 Prozent die öffentliche Verwaltung und 36 Prozent Unternehmen. Schlusslicht ist die Bevölkerung selbst – nur 32 Prozent glauben, dass Bürger ausreichend vorbereitet sind.
Mehr Befugnisse für Sicherheitsbehörden
Angesichts dieser Einschätzung spricht sich eine große Mehrheit der Befragten für zusätzliche staatliche Maßnahmen aus. Drei Viertel (75 Prozent) wünschen sich eine Ausweitung der Überwachungsbefugnisse der Sicherheitsbehörden zur Abwehr hybrider Angriffe. 63 Prozent befürworten zudem staatliche Informationskampagnen, die Bürger über den Umgang mit solchen Bedrohungen aufklären sollen. 45 Prozent sprechen sich für regelmäßige bundesweite Übungen aus. „Deutschland muss sich besser auf hybride Angriffe vorbereiten – und zwar auf allen Ebenen“, sagt Dr. Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom. Dazu gehörten auch bessere Informationen für die Bevölkerung über sinnvolle Schutzmaßnahmen.
Bevölkerung fordert klare Benennung von Angreifern
Ein weiterer Befund der Umfrage: Viele Bürger wünschen sich mehr Transparenz über die Urheber solcher Angriffe. 61 Prozent fordern, dass die Bundesregierung hybride Angreifer klar benennt. Fast jede und jeder Zweite (47 Prozent) spricht sich außerdem für sogenannte „Hack-Backs“ aus – also für offensive Cybermaßnahmen der Bundeswehr gegen feindliche Hackergruppen. Ein Drittel (33 Prozent) geht noch weiter und meint, massive Cyberangriffe auf einen Nato-Staat sollten wie ein militärischer Angriff behandelt werden. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) plädiert zudem für eine stärkere Förderung der deutschen Sicherheits- und Cyberindustrie.
Öffentlich-rechtliche Medien genießen größtes Vertrauen
Wenn es um Informationen zu hybriden Angriffen geht, genießen klassische Medien weiterhin großes Vertrauen. 82 Prozent der Befragten vertrauen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Private TV- und Radiosender erreichen 77 Prozent Zustimmung. Parteien, Behörden und Ministerien genießen bei 64 Prozent Vertrauen, überregionale sowie internationale Print- und Online-Medien jeweils bei rund 63 Prozent. Deutlich geringer fällt das Vertrauen in sozialen Netzwerken (41 Prozent) oder YouTube-Kanälen (42 Prozent) aus. Nachrichtengruppen in Messenger-Diensten sowie politisch stark positionierte Medienangebote erreichen jeweils rund ein Drittel der Befragten.
Grundlage der Ergebnisse ist eine repräsentative Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Die Umfrage wurde von Bitkom Research im Zeitraum zwischen der 51. Kalenderwoche 2025 und der 2. Kalenderwoche 2026 telefonisch durchgeführt.
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