Silja-Leena Stawikowski, Senior Account Manager Special Risks bei Willis.Silja-Leena Stawikowski, Senior Account Manager Special Risks bei Willis.WTW

„Polarisierung mag nicht so offensichtlich bedrohlich wirken – doch sie ist persönlicher“

Veröffentlichung: 21.08.2025, 14:08 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Der neue Political Risk Index von Willis (WTW) zeigt: Weltweit erreicht politische Polarisierung ein Rekordniveau. Für Unternehmen bedeutet das unkalkulierbare Risiken – von Populismus über Bürgerunruhen bis hin zu staatlichen Eingriffen. Wer internationale Märkte nutzt, braucht mehr als nur Wachstumschancen im Blick.

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Die politische Polarisierung hat weltweit ein historisches Hoch erreicht. Das zeigt der aktuelle Political Risk Index von Willis, einem Geschäftsbereich des globalen Risikoberaters WTW. Der halbjährlich erscheinende Report untersucht politische Risiken in mehr als 200 Ländern und kommt zu dem Schluss: Polarisierung und Populismus nehmen sowohl in den USA und Europa als auch in vielen Schwellenländern zu – mit deutlichen Folgen für internationale Geschäftsmodelle.

„Polarisierung mag nicht so offensichtlich bedrohlich wirken wie der Ukrainekrieg oder so unmittelbar wirtschaftlich spürbar wie Zollveränderungen“, erklärt Silja-Leena Stawikowski, Senior Account Manager Special Risks bei Willis. „Doch sie ist persönlicher – das erschwert nicht nur die Risikobewertung und Schadenvermeidung für Unternehmen, sondern beeinflusst auch das Miteinander, etwa in Belegschaften, unter Geschäftspartnern oder in Netzwerken.“

Seit 2000 ist die sogenannte affektive Polarisierung – also die wachsende Feindseligkeit gegenüber Mitgliedern gegnerischer politischer Lager – kontinuierlich gestiegen. 2025 erreicht sie laut Index einen neuen Spitzenwert. Damit rückt Polarisierung im Ranking der politischen Risiken bereits auf Platz zwei vor, direkt hinter den geostrategischen Spannungen zwischen Großmächten.

Globale Analyse, konkrete Beispiele

Besonders dynamisch steigt die Polarisierung in Demokratien, wo sie häufig auf Wirtschaftskrisen oder Korruptionsskandale folgt. Dies fördert populistische Bewegungen und kann politische Gewalt nach sich ziehen. Beispiele liefert der Index reichlich:

  • Indien gilt als wichtiger Ausweichmarkt, doch zunehmende Spannungen entlang politischer, religiöser und ethnischer Linien machen das Land riskanter.
  • Mexiko erlebt durch soziale Ungleichheit und einen populistischen Regierungsstil eine tief gespaltene Gesellschaft.

Auch etablierte Demokratien wie Deutschland, Spanien oder die USA sind betroffen – mit potenziellen Folgen für Unternehmen, die dort produzieren, investieren oder Handel treiben.

Auswirkungen für Unternehmen

Für Firmen bedeutet Polarisierung eine erhöhte Unsicherheit: Risiken reichen von gewaltsamen Konflikten über regulatorische Eingriffe bis hin zu administrativen Maßnahmen wie nachträglichen Steuerforderungen oder Lizenzentzügen. Stawikowski warnt: „Ob internationaler Mittelstand oder Großkonzern – Unternehmen müssen lernen, dass eine vorausschauende Risikoanalyse in allen Ländern zwingend zu ihrer Risikostrategie gehören muss.“

Absicherungsmöglichkeiten

Neben Analysen weist der Report auch auf Versicherungs- und Finanzierungsinstrumente hin. Schäden durch politische Gewalt – etwa innere Unruhen oder Bürgerkriege – lassen sich absichern. „Trotz wachsender Nachfrage sind risikoangemessene Prämien möglich – dank verfügbarer Kapazitäten und neuer Anbieter“, so Stawikowski. Auch Bürgschaften und Garantien zur Unterstützung internationaler Geschäftsaktivitäten gewinnen an Bedeutung.
Damit macht der Political Risk Index deutlich: Unternehmen müssen ihr Risikomanagement global neu justieren – Polarisierung ist längst mehr als nur ein gesellschaftliches Phänomen.

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