Der Deutschen liebstes Kind bleibt wohl doch das Auto – Pkw-Dichte steigt weiter, E-Mobilität noch Randphänomen
Der Deutschen liebstes Kind bleibt wohl doch das Auto. Trotz Klimadebatte, wachsender Urbanisierung und politischer Bemühungen um die Verkehrswende steigt die Pkw-Dichte in Deutschland weiter an. Zum Jahresanfang 2025 kamen rechnerisch 590 Autos auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner – ein neuer Höchstwert. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts auf Basis der KBA-Zulassungsstatistik. Damit setzt sich ein seit 2008 anhaltender Trend fort. Doch erstmals gibt es regionale Ausnahmen – und auch der Strukturwandel hin zur Elektromobilität zeigt sich ambivalent.
Urbaner Gegenwind: Stadtstaaten und Hessen bremsen leicht ab
In den drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sowie in Hessen ist die Pkw-Dichte im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Berlin verzeichnet mit 334 Pkw je 1.000 Einwohner weiterhin den bundesweit niedrigsten Wert – Ausdruck dichter ÖPNV-Netze und veränderter Mobilitätsgewohnheiten. Auch Bremen (427) und Hamburg (435) liegen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Hessen meldet einen minimalen Rückgang von 623 auf 622 Pkw. In den westlichen Flächenländern dagegen nimmt die Autodichte weiter zu, Spitzenreiter bleibt das Saarland mit 646 Pkw pro 1.000 Einwohner, gefolgt von Rheinland-Pfalz (641) und Bayern (635).
Autoland Deutschland: Rekordbestand, langsame Transformation
Mit insgesamt 49,3 Millionen zugelassenen Pkw erreicht der Fahrzeugbestand einen historischen Höchststand. Der Anteil reiner Elektroautos liegt zum Jahresbeginn 2025 bei lediglich 3,3 % – ein leichter Anstieg gegenüber 2,9 % im Vorjahr, aber weit entfernt von einer tiefgreifenden Transformation.
Bei den Neuzulassungen fällt das Bild dynamischer aus: Im ersten Halbjahr 2025 waren 17,7 % der neu zugelassenen Fahrzeuge reine E-Autos – ein Rekordwert, der allerdings den strukturellen Wandel im Bestand bislang kaum beschleunigt.
Emissionen rückläufig
Ein bemerkenswerter Befund: Trotz des wachsenden Fahrzeugbestands sanken die CO2-Emissionen im Straßenverkehr. Laut Umweltökonomischer Gesamtrechnungen wurden 2023 rund 154,7 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen – gut 13,8 % weniger als 2019. Private Haushalte verursachten dabei im Schnitt 1,1 Tonnen CO2 pro Kopf. Die rückläufigen Emissionen lassen sich auf verbesserte Fahrzeugeffizienz, pandemiebedingte Mobilitätsveränderungen und erste Effekte der Elektrifizierung zurückführen – sind aber kein Selbstläufer.
Individualverkehr bleibt ungeschlagen
Die Zahlen zeigen: Das Auto bleibt für viele Menschen mehr als nur ein Fortbewegungsmittel – gerade außerhalb urbaner Zentren ist es unverzichtbar. Der schleppende Strukturwandel im Fahrzeugbestand steht jedoch in klarem Widerspruch zu den klimapolitischen Ambitionen der Bundesregierung. Die Herausforderung bleibt, mit intelligenten Regulierungen, Anreizen und Infrastrukturmaßnahmen eine echte Verkehrswende zu gestalten, ohne den sozialen und regionalen Kontext aus dem Blick zu verlieren.
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