Pflege unter Druck: Aktuarvereinigung fordert Reformen und mehr Eigenverantwortung

Veröffentlichung: 18.08.2025, 16:08 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die Finanzierung der Pflege in Deutschland gerät zunehmend unter Druck. Deutlich steigende Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung und hohe Eigenanteile für Betroffene sind nach Einschätzung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) ein unübersehbares Warnsignal für den Reformbedarf.

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Wiltrud Pekarek, Vorständin der DAV und Vorsitzende des Ausschusses KrankenversicherungWiltrud Pekarek, Vorständin der DAV und Vorsitzende des Ausschusses Krankenversicherung

„Die Pflegekosten laufen völlig aus dem Ruder. Wir müssen diese in den Griff bekommen und Eigenverantwortung fördern. Kostenkontrolle und eine zusätzliche kapitalgedeckte Absicherung sind daher unerlässlich“, erklärte Wiltrud Pekarek, Vorständin der DAV und Vorsitzende des Ausschusses Krankenversicherung.

Teilkasko statt Vollschutz

Ein Kernproblem sei nach Ansicht der Aktuare ein weit verbreitetes Missverständnis: Die gesetzliche Pflegeversicherung sei ein Teilkaskosystem. Anders als häufig angenommen, decke sie die Kosten nicht vollständig ab. Ein immer größerer Anteil müsse von den Betroffenen selbst getragen werden. Hinzu komme, dass Ausweitungen des Leistungsumfangs und des Empfängerkreises in den vergangenen Jahren die Kosten weiter in die Höhe getrieben hätten.

Mehr Kapitaldeckung gefordert

Die alternde Gesellschaft verschärft den Druck zusätzlich: Mehr Pflegebedürftige treffen auf eine sinkende Zahl von Erwerbstätigen, die die Beiträge tragen. Für eine generationengerechte Finanzierung brauche es deshalb verstärkt kapitalgedeckte Elemente, so die DAV. Alterungsrückstellungen könnten die Finanzierung für altersbedingte Pflegeleistungen stabilisieren.

Pekarek fordert politische Anreize, damit mehr Menschen frühzeitig private Pflegezusatzversicherungen abschließen: „Sonst besteht die Gefahr, dass sich eine zunehmende Anzahl an Menschen im Pflegefall die Eigenanteile nicht leisten kann.“

Kostenkontrolle bleibt entscheidend

Neben zusätzlicher Vorsorge müsse die Kostenentwicklung gebremst werden. Die DAV warnt vor weiteren Ausweitungen der Leistungen in der sozialen Pflegeversicherung, da diese die Finanzierung zusätzlich belasten würden. Die Ausdehnung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 habe bereits zu einem deutlichen Anstieg der Leistungsausgaben geführt.

Pflege müsse würdig und bedarfsgerecht bleiben, zugleich aber bezahlbar. Die DAV sieht die Politik in der Pflicht, durch klare Kostenkontrolle und stärkere Förderung kapitalgedeckter Zusatzvorsorge die finanzielle Basis für eine zukunftsfeste Pflegeversicherung zu schaffen.

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