Neue Regierung: Was die GroKo bei der Steuer ändern will

Veröffentlichung: 28.02.2025, 15:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Steuerpläne der möglichen Koalitionspartner stehen auf dem Prüfstand: Im Gast-Kommentar analysiert Benjamin Bhatti, Geschäftsführer der bhatti.pro Steuerberatungsgesellschaft mbH, die steuerpolitischen Vorhaben der Parteien und bewertet sie aus wirtschaftlicher und politischer Perspektive.

(PDF)
Benjamin BhattiBenjamin Bhattibhatti.pro Steuerberatungsgesellschaft mbH

Seit jeher erweisen sich Steuern als zentrales Thema jeder Bundestagswahl. Der Grund: Sie betreffen alle! Während einige Parteien Entlastungen für die Wirtschaft versprechen, setzen andere auf eine stärkere Umverteilung oder gezielte Erhöhungen. Nun, da Deutschland gewählt hat und sich eine erneute ‚Große Koalition‘ andeutet, lichtet sich das Feld der steuerpolitischen Änderungen. Doch welche Auswirkungen haben die Pläne von CDU/CSU und SPD auf Bürger und Unternehmen? Ein genauer Blick auf die Programme zeigt: Zwischen Union und Sozialdemokraten bestehen Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede, die in den Koalitionsverhandlungen überwunden werden müssen.

Von Steuerreform bis Deutschlandfonds

Die Konservativen setzen auf Bewährtes. CDU und CSU legen großen Wert auf die Einhaltung der Schuldenbremse und planen, sämtliche Ausgaben, insbesondere Subventionen, auf den Prüfstand zu stellen. Die Pläne einer Senkung der Unternehmenssteuern, einer Reduzierung der Mehrwertsteuer für Gastronomieleistungen und die Abflachung des Einkommensteuertarifs sollen allein aus Wirtschaftswachstum, nicht aus Steuererhöhungen gegenfinanziert werden. Auch die Sozialdemokraten hängen an der Schuldenbremse – allerdings in einer reformierten und damit weniger starren Form. Diese Flexibilität zahlt unmittelbar auf die Pläne der SPD ein, mit Investitionen in Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur das Wirtschaftswachstum zu fördern. Hierzu soll auch die Einrichtung eines Deutschlandfonds beitragen, der staatliches und privates Kapital bündelt. Unternehmen sollen statt großer Steuererleichterungen unterschiedliche Zuschüsse für Inlandsinvestitionen erhalten. Steuerlich strebt die SPD Entlastungen für die Mittelschicht und Geringverdiener an, während sich das oberste Prozent der Einkommensbezieher auf stärkere Belastungen einstellen muss. Weiterhin sieht das Wahlprogramm eine Senkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Lebensmittel von sieben auf fünf Prozent vor.

Die wichtigsten Differenzen zwischen den Koalitionären

  • Vermögensteuer:
    Die SPD plant die Einführung einer Vermögensteuer für sehr hohe Vermögen, während CDU/CSU dies kategorisch ablehnen.
  • Erbschaft- und Schenkungsteuer:
    CDU/CSU wollen Familienunternehmen und Eigenheime steuerlich entlasten, die SPD sieht hierzu keine Veranlassung.
  • Besteuerung von Kapitalerträgen:
    Die SPD möchte Kapitalerträge mit dem persönlichen Einkommensteuertarif besteuern, CDU/CSU wollen an der Abgeltungssteuer festhalten.
  • Finanztransaktionssteuer:
    Die SPD plant die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, CDU/CSU gehen hierauf nicht ein.
  • Schuldenbremse:
    Die SPD strebt eine Reform der Schuldenbremse im Grundgesetz an, während CDU/CSU für deren Einhaltung stehen.
  • Solidaritätszuschlag:
    CDU/CSU wollen den verbliebenen Solidaritätszuschlag abschaffen, die SPD äußert sich dazu nicht.
  • Spitzensteuersatz:
    Während die SPD Entlastungen für 95 Prozent der Bevölkerung plant und dies mit Steuererhöhungen für die höchsten Einkommen gegenfinanzieren will, möchten CDU/CSU die Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz deutlich anheben und hiermit hohe und sehr hohe Einkommen entlasten.
  • Immobilienbesteuerung:
    Die SPD will die Spekulationsfrist für nicht selbst genutzte Immobilien ändern und Mieter bei der Grundsteuer entlasten, CDU/CSU haben hier keine Reformen vorgesehen.

Welche Partei an welcher Stelle Abstriche machen muss und wo sich Union und SPD bei den Verhandlungen einig werden, bleibt zu beobachten. Die Unterschiedlichen steuerpolitischen Ziele bieten – verglichen mit anderen Positionen in den Wahlprogrammen – geringeres Konfliktpotenzial, so dass hier Einigungen abzusehen sind.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

weicher euroweicher euroFotoLyriX – fotolia.com
Steuern

Vermögensteuer: Keine Steuer ist wirtschaftsfeindlicher

Vor der Bundestagswahl fordern einige Parteien, die Vermögensteuer wiederzubeleben. In einer Studie haben Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht, welche Folgen die Vermögensteuer für Deutschland hätte. Demnach wäre sie nicht nur sehr teuer, sondern würde Unternehmen Anreize zu Investitionen nehmen. 
Thomas Aksöz, SteuerberaterThomas Aksöz, Steuerberater
Steuern

Betriebsausgaben: Diese drei Kosten prüft das Finanzamt besonders genau

Viele betrieblich veranlasste Ausgaben gelten nicht automatisch als abzugsfähig. Steuerberater Tomas Aksöz zeigt in seinem Gastbeitrag, welche typischen Kostenfallen Unternehmen kennen sollten – und worauf es bei der steuerlichen Anerkennung wirklich ankommt.
Thomas Aksöz, SteuerberaterThomas Aksöz, Steuerberater
Steuern

Steueränderungen 2026: Wichtige Neuerungen für Unternehmen auf einen Blick

Auch 2026 bringt der Jahreswechsel zahlreiche steuerliche Änderungen mit sich. Steuerberater Tomas Aksöz wirft in seinem Gastbeitrag einen fundierten Blick auf die wichtigsten Neuerungen für Unternehmen. Wer seine steuerliche Planung frühzeitig anpassen möchte, erhält hier praxisnahe Einblicke und konkrete Hinweise zur Vorbereitung.
Zahlungsausfälle, wachsende Staatsverschuldung und steigende Insolvenzen setzen Wirtschaft und Staat 2025 massiv unter Druck.Zahlungsausfälle, wachsende Staatsverschuldung und steigende Insolvenzen setzen Wirtschaft und Staat 2025 massiv unter Druck.DALL E prompt by experten
Kommentar

Zahlungsausfälle, Schulden und Stellenabbau: Wie die Krise der Liquidität Wirtschaft und Staat herausfordert

Zahlungsausfälle, wachsende Staatsverschuldung und steigende Insolvenzen setzen Wirtschaft und Staat 2025 massiv unter Druck. Warum Unternehmen Gehaltsrunden aussetzen und der Staat bei Investitionen spart – eine datenbasierte Analyse.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht