Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Raiffeisenbank im Hochtaunus eG eine drastische Maßnahme auferlegt: Die Bank darf keine neuen Kredite mehr vergeben. Besonders betroffen ist das Kerngeschäft der Bank – die gewerbliche Immobilienfinanzierung.
So berichten die F.A.Z. als auch das Handelsblatt, entsprechende Informationen erhalten zu haben. Das mögliche Kreditverbot kommt nicht überraschend. Bereits 2022 hatte die BaFin die Bank ins Visier genommen und erste Auflagen verhängt. Die jüngste Entscheidung ist somit das Ergebnis einer längeren Überprüfung und zeigt, wie ernst die Aufseher die Situation einschätzen.
Rückblick: BaFin warnte bereits 2022 vor Mängeln
Im März 2022 ordnete die BaFin an, dass die Raiffeisenbank im Hochtaunus zusätzliche Eigenmittel bereitstellen muss. Grundlage dieser Entscheidung waren gravierende organisatorische Mängel, die im Rahmen einer Sonderprüfung festgestellt wurden.
Konkret monierte die Aufsicht Verstöße gegen die Anforderungen des § 25a Absatz 1 des Kreditwesengesetzes (KWG), der eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation vorschreibt. Offenbar konnte die Bank weder eine angemessene Risikosteuerung noch ausreichende Kontrollmechanismen vorweisen.
Diese Auflagen wurden für die Bank zum Problem. Denn mit dem verschärften Kapitalbedarf und der anhaltenden Immobilienkrise musste das Institut hohe Abschreibungen vornehmen. Die finanzielle Stabilität geriet zunehmend unter Druck – ein Zustand, der letztlich zum jetzigen Kreditverbot führte.
Geschäftsmodell unter Druck: Risiko statt Regionalität
Die Raiffeisenbank im Hochtaunus hebt sich von klassischen Genossenschaftsbanken ab. Während diese traditionell regional verwurzelt sind und ihre Kredite hauptsächlich an lokale Unternehmen und Privatkunden vergeben, setzte die Bank auf eine aggressive Expansion in die gewerbliche Immobilienfinanzierung – bundesweit.
Um dieses riskante Wachstum zu finanzieren, verkaufte das Institut ungewöhnlich viele Genossenschaftsanteile. Doch mit der wachsenden Immobilienkrise und steigenden Kreditausfällen wurde dieses Geschäftsmodell zunehmend zur Belastung.
Innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors stieß dieser Ansatz bereits länger auf Kritik. Nun zeigen die Maßnahmen der BaFin, dass die Risiken offenbar zu groß wurden.
Fusion als möglicher Ausweg?
Nach dem Kreditverbot kursieren erste Spekulationen über eine Fusion. Die Volksbank Mittelhessen wird als potenzieller Partner gehandelt. Eine solche Fusion könnte die Kapitalbasis stärken und der Bank helfen, sich zu stabilisieren.
Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich ein Partner findet, der bereit ist, die finanziellen Altlasten der Raiffeisenbank im Hochtaunus mitzutragen.
Was bedeutet das für Kunden?
Für Kunden der Bank bedeutet das Kreditverbot, dass vorerst keine neuen Kredite vergeben werden. Bestehende Einlagen und laufende Kredite sind von der Maßnahme allerdings nicht direkt betroffen. Dennoch sollten Kunden die Entwicklungen genau beobachten und gegebenenfalls alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen.
BaFin setzt Zeichen für Stabilität im Finanzsektor
Mit dieser Entscheidung macht die BaFin deutlich, dass sie entschlossen gegen Banken vorgeht, die durch riskante Geschäftsmodelle ins Straucheln geraten. Die Maßnahme dient dem Schutz der Einleger und der Stabilität des Finanzsystems.
Ob sich die Raiffeisenbank im Hochtaunus von diesem Schlag erholen kann oder ob eine Fusion der einzige Ausweg bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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