BaFin zieht die Notbremse: Kreditverbot für Raiffeisenbank im Hochtaunus

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Raiffeisenbank im Hochtaunus eG eine drastische Maßnahme auferlegt: Die Bank darf keine neuen Kredite mehr vergeben. Besonders betroffen ist das Kerngeschäft der Bank – die gewerbliche Immobilienfinanzierung.

(PDF)
Verwaltungssitz in Bad HomburgVerwaltungssitz in Bad HomburgFoto: wikimedia.org

So berichten die F.A.Z. als auch das Handelsblatt, entsprechende Informationen erhalten zu haben. Das mögliche Kreditverbot kommt nicht überraschend. Bereits 2022 hatte die BaFin die Bank ins Visier genommen und erste Auflagen verhängt. Die jüngste Entscheidung ist somit das Ergebnis einer längeren Überprüfung und zeigt, wie ernst die Aufseher die Situation einschätzen.

Rückblick: BaFin warnte bereits 2022 vor Mängeln

Im März 2022 ordnete die BaFin an, dass die Raiffeisenbank im Hochtaunus zusätzliche Eigenmittel bereitstellen muss. Grundlage dieser Entscheidung waren gravierende organisatorische Mängel, die im Rahmen einer Sonderprüfung festgestellt wurden.

Konkret monierte die Aufsicht Verstöße gegen die Anforderungen des § 25a Absatz 1 des Kreditwesengesetzes (KWG), der eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation vorschreibt. Offenbar konnte die Bank weder eine angemessene Risikosteuerung noch ausreichende Kontrollmechanismen vorweisen.

Diese Auflagen wurden für die Bank zum Problem. Denn mit dem verschärften Kapitalbedarf und der anhaltenden Immobilienkrise musste das Institut hohe Abschreibungen vornehmen. Die finanzielle Stabilität geriet zunehmend unter Druck – ein Zustand, der letztlich zum jetzigen Kreditverbot führte.

Geschäftsmodell unter Druck: Risiko statt Regionalität

Die Raiffeisenbank im Hochtaunus hebt sich von klassischen Genossenschaftsbanken ab. Während diese traditionell regional verwurzelt sind und ihre Kredite hauptsächlich an lokale Unternehmen und Privatkunden vergeben, setzte die Bank auf eine aggressive Expansion in die gewerbliche Immobilienfinanzierung – bundesweit.

Um dieses riskante Wachstum zu finanzieren, verkaufte das Institut ungewöhnlich viele Genossenschaftsanteile. Doch mit der wachsenden Immobilienkrise und steigenden Kreditausfällen wurde dieses Geschäftsmodell zunehmend zur Belastung.

Innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors stieß dieser Ansatz bereits länger auf Kritik. Nun zeigen die Maßnahmen der BaFin, dass die Risiken offenbar zu groß wurden.

Fusion als möglicher Ausweg?

Nach dem Kreditverbot kursieren erste Spekulationen über eine Fusion. Die Volksbank Mittelhessen wird als potenzieller Partner gehandelt. Eine solche Fusion könnte die Kapitalbasis stärken und der Bank helfen, sich zu stabilisieren.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich ein Partner findet, der bereit ist, die finanziellen Altlasten der Raiffeisenbank im Hochtaunus mitzutragen.

Was bedeutet das für Kunden?

Für Kunden der Bank bedeutet das Kreditverbot, dass vorerst keine neuen Kredite vergeben werden. Bestehende Einlagen und laufende Kredite sind von der Maßnahme allerdings nicht direkt betroffen. Dennoch sollten Kunden die Entwicklungen genau beobachten und gegebenenfalls alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen.

BaFin setzt Zeichen für Stabilität im Finanzsektor

Mit dieser Entscheidung macht die BaFin deutlich, dass sie entschlossen gegen Banken vorgeht, die durch riskante Geschäftsmodelle ins Straucheln geraten. Die Maßnahme dient dem Schutz der Einleger und der Stabilität des Finanzsystems.

Ob sich die Raiffeisenbank im Hochtaunus von diesem Schlag erholen kann oder ob eine Fusion der einzige Ausweg bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

bonn, hesse, germany - 20 09 2023: the bafin finance control agency of germanybonn, hesse, germany - 20 09 2023: the bafin finance control agency of germanyBundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Unternehmen

BaFin gibt grünes Licht für Barmenia und Gothaer

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ihre Zustimmung zum geplanten Zusammenschluss von Barmenia und Gothaer zur BarmeniaGothaer gegeben. Mit der Eintragung im Handelsregister in den nächsten Tagen wird der Zusammenschluss rechtlich vollzogen. Der Handelsregistereintrag, das sogenannte Closing wird für Anfang September erwartet.
Hauptsitz der Helvetia bei Nacht.Hauptsitz der Helvetia bei Nacht.Damian Poffet
Unternehmen

Helvetia/Baloise-Fusion: Neuer Konzern startet unter Helvetia Baloise Holding AG

Die Fusion von Helvetia und Baloise nimmt die entscheidende Hürde: Alle Genehmigungen liegen vor, der Vollzug ist für den 5. Dezember 2025 terminiert. Wenige Tage später wird die neue Helvetia Baloise Holding AG erstmals an der SIX gehandelt. Für Aktionäre, Analysten und den Markt ist damit auch der Fahrplan für Dekotierung, Umtausch und Kapitalmarktkommunikation klar definiert.
v.l.n.r.: Philipp Langendörfer, Vorstandsvorsitzender der astra Versicherung AG und Martin Gräfer, Vorstandsvorsitzender der BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG / die Bayerischev.l.n.r.: Philipp Langendörfer, Vorstandsvorsitzender der astra Versicherung AG und Martin Gräfer, Vorstandsvorsitzender der BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG / die BayerischeDie Bayerische
Unternehmen

Krankenzusatz: Bayerische plant Übernahme des astra-Zahnzusatzbestands

Die Bayerische Allgemeine Versicherung AG stärkt ihr Portfolio im Bereich Krankenzusatz: Der Kompositversicherer will den Zahnzusatzbestand der astra Versicherung AG sowie deren Serviceeinheit übernehmen. Die Transaktion – noch unter Vorbehalt der BaFin- und Kartellamtsfreigabe – soll nicht nur das Wachstum der Bayerischen beschleunigen, sondern auch die strategische Neuausrichtung der astra unterstützen.
Die Provinzial übernimmt die Mehrheit an der ÖRAG-Rechtsschutzversicherung.Die Provinzial übernimmt die Mehrheit an der ÖRAG-Rechtsschutzversicherung.Provinzial
Unternehmen

Provinzial übernimmt Mehrheit an der ÖRAG

Im Lager der öffentlichen Versicherer kommt es zu einer Neuordnung: Die Provinzial übernimmt die Mehrheit an der ÖRAG-Rechtsschutzversicherung. Ziel ist eine engere Einbindung in den Verbund – bei gleichzeitiger Eigenständigkeit des Unternehmens.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht