Steigende Kosten für Finanzmarktdaten: Belastung für Fondsbranche und Anleger
Die Ausgaben für Finanzmarktdaten explodieren – 2024 beliefen sie sich weltweit auf knapp 50 Milliarden US-Dollar. Das Problem: Diese Kosten werden letztlich auf die Anleger umgelegt und schmälern die Rendite. Der deutsche Fondsverband BVI warnt vor einem unregulierten Datenmarkt und fordert politische Gegenmaßnahmen.
Die Kosten für Finanzmarktdaten sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Ein wesentlicher Treiber sind laut BVI die Oligopole von Börsen, Ratingagenturen sowie großen Index- und Datenanbietern. „Marktdaten sind unverzichtbar, weil sie die Voraussetzung für die Erbringung der Dienstleistung entlang der gesamten Wertschöpfung im Assetmanagement sind – vom Research über den Handel bis zum Risikomanagement“, erklärt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI.
Doch während Fondsgesellschaften gesetzlich verpflichtet sind, diese Daten zu nutzen, diktieren die Anbieter zunehmend die Preise – und treiben die Kosten damit in die Höhe. Besonders kritisch: Laut einer aktuellen Studie der Strategieberatung Market Structure Partners nutzen Börsen in Europa Preissteigerungen, um rückläufige Umsätze im Handelsgeschäft auszugleichen. „Für die Erstellung von Marktdaten fallen keine spezifischen Kosten an. Die Kosten für den Betrieb einer Handelsplattform sind stabil oder sogar rückläufig. Trotzdem steigen die Preise massiv“, so Richter.
Ein extremes Beispiel: Die automatisierte Nutzung von Marktdaten war 2024 in bestimmten Fällen bis zu 97-mal teurer als die Nutzung derselben Daten durch eine menschliche Arbeitskraft im Jahr 2017.
Auswirkungen auf Anleger und Fondsbranche
Diese steigenden Kosten haben weitreichende Folgen. „Letztlich trägt der Fondssparer die Preiserhöhungen für Marktdaten“, betont Richter. Die steigenden Ausgaben für Assetmanager schlagen direkt auf die Kostenquote von Investmentfonds durch, was sich langfristig negativ auf die Rendite der Anleger auswirkt.
BVI fordert Regulierung durch die EU
Um die Preissteigerungen einzudämmen, fordert der BVI einen „EU Data Vendor Act“, der die Preissetzung der Datenanbieter reguliert. „Die Oligopole und das Verhalten der Datenanbieter sind ein Fall für die Wettbewerbsbehörden“, sagt Richter. Die Politik müsse die Marktmacht dieser Unternehmen eindämmen, um die Kosten für Fondsgesellschaften und Anleger nicht weiter steigen zu lassen.
Weitere Maßnahmen gegen steigende Datenkosten
Bis eine solche Regulierung umgesetzt wird, setzt sich der BVI mit verschiedenen Maßnahmen für eine faire Preisgestaltung ein:
- Aufsichtsrechtliche Initiativen: Der BVI hat sich für die Einführung von Börsentickern eingesetzt, um die Transparenz und Vergleichbarkeit von Kursen zu verbessern.
- Regulierung der Datenanbieter: Gemeinsam mit dem französischen Fondsverband und Paris Europlace fordert der BVI eine einheitliche Regulierung der Gebühren und Lizenzbedingungen aller in der EU tätigen Datenanbieter.
- Wettbewerbsbeschwerde gegen Datenmonopolisten: Zusammen mit anderen EU-Verbänden hat der BVI eine Beschwerde gegen CUSIP Global Service, die Vergabeinstanz für US-amerikanische Wertpapierkennnummern, eingereicht, um den Missbrauch von Marktmacht zu verhindern.
- Einsatz für lizenzfreie und kostengünstige Daten: Der BVI arbeitet mit Datenanbietern daran, günstige oder lizenzfreie Alternativen für Fondsgesellschaften zu schaffen.
Die Fondswirtschaft steht unter massivem Druck, Kosten zu senken – doch ohne regulatorische Eingriffe könnte die Preisspirale weiter nach oben gehen, warnt der BVI.
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