DeepSeek und die KI-Revolution: Was das für Investoren bedeutet

Veröffentlichung: 29.01.2025, 07:01 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Open-Source-KI DeepSeek könnte das bestehende KI-Ökosystem auf den Kopf stellen – mit Folgen für Tech-Aktien, Value-Titel und Anleihen. Joe Davis, Chefvolkswirt von Vanguard Global, erklärt im Kommentar, wie er die aktuellen Marktbewertungen einschätzt, wer am meisten profitieren könnte und wie sich Investoren Stabilität ins Portfolio holen können.

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Joe Davis, Chefvolkswirt von Vanguard GlobalJoe Davis, Chefvolkswirt von Vanguard GlobalVanguard

Was treibt die Dynamik im Technologiesektor an?

Die jüngste Entwicklung ist nicht völlig überraschend. In innovativen Bereichen besteht immer die Möglichkeit, dass ein Start-up oder ein neuer Akteur den Status quo auf den Kopf stellt – insbesondere in der heutigen Zeit, in der US-Technologieaktien bereits nahezu zur Perfektion bewertet sind. Trotz beeindruckender Gewinne bieten diese überzogenen Bewertungen wenig Spielraum für Fehler. Das reflektiert die historisch überhöhten Bewertung von US-Aktien, insbesondere von Large-Cap-Wachstumswerten.

Ein Großteil dieser hohen Bewertung basiert auf der Annahme, dass führende Technologieunternehmen ihre Gewinne aufgrund ihres „Wettbewerbsvorteils“ weiterhin steigern können. Unabhängig davon, ob die neue Open-Source-KI das bestehende KI-Ökosystem tatsächlich disruptiv beeinflusst, bleibt dies eine zeitgerechte Erinnerung an eine grundlegende Investmentweisheit: Märkte unterschätzen oft die Wahrscheinlichkeit, dass dominante Geschäftsmodelle durch neue Akteure oder wirtschaftliche Veränderungen gestört werden können.

Risiken technologischer Veränderungen

Es gibt viele Präzedenzfälle dafür, insbesondere in Zeiten transformativer technologischer Veränderungen. Einer, der sofort in den Sinn kommt: Zwischen 1900 und 1908 entstanden fast 500 Automobilunternehmen, von denen jedoch mehr als die Hälfte wieder verschwand. Heute existieren nur noch zwei von ihnen. Das ist typisch für die schöpferische Zerstörung, die auftritt, wenn neue Marktteilnehmer den Wert älterer Unternehmen vernichten.

Laut dem jährlichen KI-Bericht der Stanford University wurden allein in den letzten zehn Jahren in den USA 5.500 KI-bezogene Unternehmen gegründet – sowohl börsennotierte als auch private. Das übertrifft die Zahl der an US-Börsen notierten Gesellschaften. Nicht alle von ihnen können erfolgreich sein. Wenn die Geschichte ein Hinweis ist, werden einige von ihnen sicher die heutigen KI-Ökosysteme disruptiv beeinflussen.

Investoren sollten sich sowohl der Risiken als auch der Chancen bewusst sein – auch wenn letztere nicht immer offensichtlich sind.

Wo liegen die versteckten Chancen?

Betrachtet man zunächst Aktien, so werden die größten Gewinner – falls KI wirklich transformativ ist – wahrscheinlich diejenigen sein, die von dieser Technologie profitieren, und nicht unbedingt die Erbauer der Technologie und ihrer Infrastruktur, deren Preise bereits hohen Optimismus widerspiegeln. Unsere langfristige Perspektive deutet darauf hin, dass Value-Aktien im Laufe der Zeit am meisten von KI profitieren könnten. Und ich betone: im Laufe der Zeit.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man Technologieaktien komplett aufgeben und nur auf Value setzen sollte. Für die meisten Investoren ist es besser, breit zu diversifizieren – das gesamte „Heuhaufen“-Portfolio zu besitzen, statt nach den wenigen „Nadeln“ zu suchen. Doch Diversifikation geht über Aktien hinaus.

Traditioneller Stabilitätsanker: Anleihen sind zurück

Nach dem Jahr 2022, als sowohl Aktien als auch Anleihen einbrachen, haben viele Investoren den Wert von Anleihen und ausgewogenen Portfolios infrage gestellt. Aber 2022 war eher eine historische Anomalie. In der jüngeren Vergangenheit stiegen die Anleihepreise, während Tech-Aktien fielen. Anleihen haben ihre traditionelle Rolle als Stabilitätsanker in einem ausgewogenen Portfolio wieder erfüllt. Festverzinsliche Wertpapiere erscheinen derzeit besonders attraktiv, da sie im Allgemeinen höhere Renditen als die Inflation bieten – eine Rückkehr zu solider Geldpolitik.

Am Ende steht damit: Balance und Diversifikation sind entscheidend.

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