Finanzbildung an Schulen kaum vorhanden

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Zu den Pflichten von Eltern gehört es unter anderem, den eigenen Kindern den Umgang mit Geld beizubringen. Expert*innen sind sich einig, welche Mittel dafür am besten geeignet sind: Taschengeld und offene Gespräche über Finanzen.

Die Online-Bank N26 hat im September 2021eine Umfrage unter 2.500 Eltern zu den Themen Taschengeld und finanzielle Bildung durchgeführt, um herauszufinden, wie Familien im Deutschland das Thema Finanzen angehen. Die Ergebnisse wurden im Anschluss von Erziehungsberaterin Leonie Ries kommentiert.

Die meisten Eltern geben ihren Kindern Taschengeld

Wenn Kinder Taschengeld bekommen, lernen sie das Geldausgeben, Sparen und verantwortungsbewusste Umgehen mit Geld. Wie die Umfrage von N26 zeigt, ist Taschengeld ein weit verbreitetes Mittel, um die Finanzkompetenz von Kindern zu fördern: Unter den 4- bis 6-Jährigen erhalten 71 Prozent Taschengeld, bei Kindern zwischen 10 bis 12 Jahren sind es sogar 95 Prozent. Nur 13 Prozent der Kinder zwischen 4 und 18 Jahren bekommen überhaupt kein Taschengeld.

Und wie viel Geld geben Eltern ihren Kindern? Den Umfrageergebnissen zufolge sind es durchschnittlich 13,60 Euro im Monat.

Taschengeld auszahlen: regelmäßig oder flexibel?

Ganze 89 Prozent der Befragten zahlen Taschengeld nach einem strikten Zeitplan aus – die meisten davon in monatlichen Intervallen, nämlich 53 Prozent. Dagegen zahlen 36 Prozent das Taschengeld wöchentlich aus. Einige Eltern ziehen es dagegen vor, selbst zu entscheiden, wann ihre Kinder Geld bekommen:

  • 11 Prozent der Eltern geben ihren Kindern nicht nach einem festen Zeitplan Geld, sondern dann, wenn sie es brauchen.
  • 18 Prozent machen das Taschengeld vom Verhalten der Kinder abhängig.
  • Einige Familien, die sich an einen festen Zeitplan oder Betrag halten, sind offen für Anpassungen.
  • 2 Prozent der Eltern geben an, dass sie die Höhe des Taschengeldes je nach Situation überdenken würden – beispielsweise, wenn besondere Anlässe oder Ausflüge anstehen.

Ein fester Taschengeldplan hat Vorteile

Erziehungsberaterin Leonie Ries rät dazu, Taschengeld in regelmäßigen Abständen auszuzahlen. Durch monatliche oder wöchentliche Intervalle erhalten Kinder eine Struktur und sie lernen gleichzeitig, ihr eigenes Budget zu verwalten.

Leonie Ries erklärt:

Kinder lernen durch Erfahrung. Im geschützten Rahmen der Familie haben sie die Möglichkeit, den Umgang mit Geld auszuprobieren. Sie lernen, wie es ist, wenn sie nach größeren Ausgaben weniger übrighaben. Auf der anderen Seite erfahren sie, wie sich ihre Möglichkeiten vergrößern, wenn sie eine Zeit lang nichts ausgeben. Für ihr späteres Leben sind diese Erfahrungen extrem wichtig.

Gewohnheiten beim Ausgeben von Taschengeld

Freiheiten beim Ausgeben von Taschengeld

Sollten Kinder selbst entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben? 44 Prozent der befragten Eltern erlauben es ihnen, was Expertin Leonie Ries befürwortet: Es sei wichtig, Kindern finanzielle Selbstständigkeit einzuräumen und sie gleichzeitig zu guten Entscheidungen zu ermutigen.

Wofür wird das Taschengeld ausgegeben?

Im Rahmen der Umfrage sollten Eltern auch angeben, wofür ihre Kinder ihr Taschengeld vorrangig ausgeben. Das Ergebnis: Je älter die Kinder werden, desto mehr geben sie für Kleidung und Aktivitäten und desto weniger für Bücher aus. Im Alter von 4 bis 12 geben Kinder ihr Geld am ehesten für Essen und Snacks aus. Außerdem zeigte sich, dass mit zunehmendem Alter weniger Geld zur Seite gelegt wird.

Corona hat die Einstellung vieler Eltern beim Thema Finanzen verändert

Die Corona-Pandemie hatte großen Einfluss auf die finanziellen Verhältnisse vieler Familien in Deutschland. Es verwundert deswegen nicht, dass sich die Situation auch auf die Bedeutung ausgewirkt hat, die Eltern der Finanzkompetenz ihrer Kinder beimessen.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Ein Drittel der Eltern hält die finanzielle Bildung der Kinder heute für wichtiger als vor der Pandemie. Darüber hinaus hat sie dazu geführt, dass einige Eltern ihren Taschengeldplan geändert haben. So haben 21 Prozent der befragten Eltern die Höhe des Taschengeldes ihrer Kinder seit Beginn der Pandemie angepasst; 14 Prozent bekommen jetzt mehr als vorher.

Den Umgang mit Geld vermitteln – in der Schule und zu Hause

Eltern betrachten die finanzielle Bildung der Kinder also als zunehmend wichtig – aber wo und wie soll diese vermittelt werden? 83 Prozent der befragten Eltern sind der Meinung, dass ihre Kinder mehr über Finanzen in der Schule lernen sollten. Themen, die den Kindern hier mitgegeben werden könnten, gibt es genug. So sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass das Erlernen von verantwortungsbewusstem Geldausgeben, Sparen und Investieren am wichtigsten ist. Für 13 Prozent der Eltern ist die wichtigste Fähigkeit, die ihre Kinder lernen sollten, wie Bankprodukte genutzt werden und welche es gibt. Und immerhin jedes zehnte Elternteil bewertet den Umgang mit digitalem Geld als wichtigste Kompetenz.

Da viele Eltern die finanzielle Bildung in der Schule vermissen, geben sie sich Mühe, die Finanzkompetenz ihrer Kinder zu Hause zu fördern, und zwar über das Auszahlen von Taschengeld hinaus. So geben 58 Prozent an, ihre Kinder zum eigenständigen Verwalten ihres selbst verdienten Geldes zu ermutigen. 57 Prozent versuchen, ihre Kinder im Umgang mit Geld zu schulen, indem sie selbst ein gutes Vorbild sind, und 19 Prozent nutzen digitale Tools und Apps, um ihren Kindern Finanzkompetenz zu vermitteln.

Finanzielle Bildung für Kinder im digitalen Zeitalter verbessern

Die eigenen Finanzen digital zu verwalten ist eine Kompetenz, die in Zukunft immer relevanter werden wird. Die Pandemie hat die der Popularität von Online-Banking, Mobile Banking und Co. noch einmal einen Schub verliehen..

Joao Moreira, N26 Mitarbeiter, erläutert:

In Zukunft werden Bankgeschäfte größtenteils digital abgewickelt werden. Für die nächste Generation wird das bedeuten, dass viele sich online um ihre Finanzen kümmern und gleichzeitig wachsam bleiben müssen, was Betrug, Phishing und Ähnliches angeht.

Umso wichtiger ist es, Kinder frühzeitig über digitale Zahlungen und digitales Banking aufzuklären. Apps und andere digitale Tools können helfen, sie mit diesen Themen vertraut zu machen. Aber Achtung: Sie können nützliche Hilfsmittel sein, aber kein Ersatz für den direkten Austausch zwischen Eltern und ihren Kindern.

Quelle: N26

Bilder: (1–6) © N26 GmbH