Wie gewinnen Unternehmen junge Mitarbeiter?

Gerade junge Menschen finden persönliche und fachliche Erfüllung im Job, sodass die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend verwischt. Allerdings erwarten sie im Gegenzug von ihrer Firma aber Flexibilität, denn so eingeschnürt wie bei einem klassischen 9-to-5-Job wollen viele nicht mehr arbeiten. Dies zeigt die KMU-Studie 2020 der Gothaer Versicherungen.

So locken immer mehr Firmen mit kreativen Arbeitszeitmodellen und der Option auf Homeoffice. Und dies nicht mehr allein die großen Konzerne, sondern immer mehr auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen.

So gaben die meisten befragten Unternehmen an, dass sie junge Mitarbeiter nicht nur mit einem attraktiven Gehalt, sondern auch mit der Option auf flexible Arbeitszeiten für ihr Unternehmen begeistern wollen. Zudem nutzen 29 Prozent die betriebliche Altersvorsorge (bAV) als „Lockmittel“.

Genutzte Möglichkeiten, junge Mitarbeiter zu gewinnen Angabe in Prozent
Flexible Arbeitszeiten 40
Attraktives Gehalt 38
Betriebliche Altersvorsorge 29
Weiterbildungsangebote 28
Homeoffice 26
Obst und Getränke am Arbeitsplatz 23
betriebliche Gesundheitsförderung 14
Jobticket 13
Betriebliche Unfallversicherung 10
bKV 10
Keine der genannten 21

 

Weiterhin bieten KMU Angebote zur Weiterbildung (28 Prozent), Homeoffice-Möglichkeiten (26 Prozent), Obst und Getränke am Arbeitsplatz (23 Prozent) sowie die betriebliche Gesundheitsförderung (14 Prozent) an.

Je größer, desto mehr Angebote

Von den genannten Optionen werden mehr angeboten, je größer das Unternehmen ist. Weit abgeschlagen in beinahe allen Angeboten sind dagegen Kleinunternehmen mit maximal zehn Mitarbeitern.

Am deutlichsten wird das bei der bAV: Nur acht Prozent dieser kleinen KMU bieten eine betriebliche Altersvorsorge an. Danach geht es in Zehnerschritten aufwärts bis zu den großen Firmen (201 bis 500 Mitarbeiter), von denen 49 Prozent eine bAV im Angebot haben.

Stefan Opel, bAV-Experte bei der Gothaer und Leiter der Abteilung Leben Vertriebsunterstützung, dazu:

„Dabei sollten sich auch kleine Firmen diesen Hebel nicht entgehen lassen – vor allem nicht, weil sie bürokratischen Aufwand fürchten. Versicherungen wie die Gothaer haben ihre bAV mittlerweile auch auf kleine Teams angepasst und bieten Komplettunterstützung auch bei den Formularien – keine eigenen Experten sind nötig.“

Bilden von altersgemischten Teams

Je kleiner das Unternehmen, desto älter ist die Belegschaft: 29 Prozent der KMU mit einem bis zehn Mitarbeitern gaben an, eine eher ältere Belegschaft zu haben.

Aber die KMU haben nicht nur junge Mitarbeiter im Blick, sondern mehr als Drittel der befragten Unternehmen achten bewusst auf eine durchmischte Altersstruktur. 31 Prozent sorgen aktiv für Begegnungspunkte zwischen Jung und Alt. 23 Prozent fördern den Austausch sogar über spezielle Teambuilding-Maßnahmen.

Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Generationen Angaben in Prozent
Bewusste Zusammenstellung altersgemischter Teams 36
Informeller Austausch/Begegnungspunkte 31
Spezielle Teambuildingmaßnahmen 23
Gegenseitige Kompetenzschulungen 21
Mentoringprogramm zwischen Generationen 12
Keine der genannten 33

 

Auch wenn vor allem Kleinunternehmen eine ältere Belegschaft haben, sind im Umkehrschluss die meisten jungen Menschen aber nicht zwingend in den großen Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern zu finden, sondern vielmehr in den Agenturen, Start-Ups und Kleinbetrieben mit elf bis 20 Mitarbeitenden. So gaben 29 Prozent von ihnen an, ein eher jüngeres Team zu haben.

Daraus lässt sich schließen, dass nicht unbedingt die Größe eines Unternehmens die junge Generation lockt. Damit haben kleinere KMU also durchaus Chancen, auf gleicher Höhe mitzuspielen und könnten ihre Attraktivität mithilfe von beliebten Angeboten wie flexiblen Arbeitszeitmodellen und einer bAV noch steigern.

Lücken bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Auch mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünschen sich Arbeitnehmer zunehmend Flexibilität. Was bieten Unternehmen jungen Familien, damit beide Elternteile wieder arbeiten gehen können? Nicht zu vergessen sind auch die Kollegen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Die Gothaer KMU-Studie zeigt hier deutlich: Da ist noch Luft nach oben.

Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Angaben in Prozent
Teilzeit 42
Gleitzeit 36
Homeoffice 31
Vertrauensarbeitszeit 22
Lebensarbeitszeit 10
Jobsharing 6
Betriebskindergarten 6
Keine der genannten 21

 

Im Durchschnitt bieten nur 42 Prozent der befragten KMU das eigentlich unkomplizierte Teilzeit-Modell an, Gleitzeit nur 36 Prozent und Homeoffice lediglich 31 Prozent. Allerdings fand die Umfrage vor den weitreichenden Änderungen durch das Coronavirus statt.

Doch gerade diese flexiblen Arbeitszeitmodelle – ob nun mit oder ohne Familie – wären genau die Faktoren, die Arbeitnehmer für ein Unternehmen begeistern könnten, wie die Umfrage zeigt.

 

Bild: © yurolaitsalbert – stock.adobe.com

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