Bertelsmann-Studie: PKV geht zu Lasten der GKV-Versicherten

Bertelsmann-Studie: PKV geht auf Kosten der GKV-Versicherten

Die Gesetzliche Krankenversicherung könnte jährlich ein Plus von rund neun Milliarden Euro erzielen, wenn das duale System in Deutschland abgeschafft werden würde und somit alle Bundesbürger gesetzlich versichert wären. Dies geht aus einer Studie des IGES Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor.

Der Beitragssatz könnte entsprechend je nach Szenario um 0,6 bis 0,2 Prozentpunkte sinken. So könnte jedes momentan in der GKV versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber zusammen pro Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen, wenn auch Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige am Solidarausgleich der Gesetzlichen Krankenversicherung teilnähmen.

Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, dazu:

„Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen. Die Aufspaltung der Krankenversicherung in einen gesetzlichen und einen privaten Zweig wird diesem Solidaranspruch nicht gerecht und schwächt den sozialen Zusammenhalt.“

In der Studie wurde simuliert, wie sich Einnahmen und Ausgaben der GKV entwickeln würden, wenn alle bisher privat Versicherten in die Gesetzliche Krankenversicherung einbezogen wären. Würden die durch den Wegfall der PKV anfallenden Honorarverluste der Ärzte ausgeglichen, wären es 48 Euro jährlich.

Dies wäre möglich, weil einerseits die Privatversicherten im Durchschnitt 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte verdienen und damit zu einem deutlich höheren Beitragsaufkommen beitragen. Andererseits sind Privatversicherte auch gesünder: Unter ihnen ist der Anteil mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt pro Jahr mit 17 Prozent deutlich geringer als bei GKV-Versicherten (23 Prozent).

Der Solidarausgleich in der Sozialversicherung setzt demgegenüber eine möglichst breite Mischung von Risiken und Leistungsfähigkeit voraus.

Die Mehrheit der Bürger befürwortet daher aktuellen Umfragen zufolge eine integrierte Krankenversicherung ohne Aufspaltung nach Einkommens- oder Berufsgruppen.

Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung, sagt:

„Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können. Das ist der Preis dafür, dass sich Deutschland als einziges Land in Europa ein duales Krankenversicherungssystem Leistet.“

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