WITR skizziert ein neues Versicherungsökosystem mit einem offenen Marktplatz

Der neueste World InsurTech Report von Capgemini und Efma kommt zu dem Ergebnis, dass eine intensive Zusammenarbeit mit InsurTechs für Versicherer unerlässlich ist, um den steigenden Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.

Denn diese verlangen zunehmend personalisierte, flexible Angebote und verknüpfte Services.

Der World InsurTech Report (WITR) 2019 deckt alle drei großen Versicherungssegmente ab: Lebens , Kranken- und Sachversicherung. Er skizziert nun ein neues Versicherungsökosystem mit einem offenen Marktplatz. Es basiert auf der Entwicklung kundenorientierter Neuheiten, einer strategischen Auswahl von InsurTechs sowie einem gemeinsamen Angebot und Marktauftritt.

Gunnar Tacke, Managing Business Analyst bei Capgemini, dazu:

„Durch die Entwicklung des Versicherungsmarktes müssen die Versicherer über ihre traditionelle Rolle als Kostenträger ihrer Kunden hinauswachsen: Sie werden als Partner Risiken managen und verhindern – und sie werden nicht mehr nur bei Versicherungsfragen umfangreich weiterhelfen, sondern auch in damit verknüpften Belangen. Um die Beziehung zu ihren Kunden zu vertiefen, müssen die Versicherer stärker mit InsurTechs zusammenarbeiten. Denn sie sind ihnen um einiges voraus, wenn es darum geht, auf Datenbasis mit den neuesten Technologien das Kundenerlebnis zu optimieren.“

Vier grundlegende Veränderungen der Branche

Dabei zeigt der World InsurTech Report auf, wodurch sich die Branche wandelt:

  • Der Fokus wandert vom Produkt zur Customer Experience: So gaben 70 Prozent der Versicherer und InsurTechs an, dass die Fokussierung auf ganzheitliche Lösungen für Kunden entscheidend für den Aufbau des Versicherungsmarktes der Zukunft ist.
  • Daten werden zum wichtigsten Kapital: Mehr als 70 Prozent der Versicherer und InsurTechs halten wegweisende Kompetenzen im Datenmanagement für unverzichtbar.
  • Übergang vom exklusiven Besitz der Assets zur Sharing Economy zeichnet sich ab: Mehr als 35 Prozent der Versicherer und InsurTechs haben bereits erkannt, dass die gemeinsame Eigentümerschaft von Unternehmenswerten unerlässlich ist.
  • Partnerschaften mit Spezialisten gehen über den traditionellen „Build or Buy“-Ansatz hinaus: 90 Prozent der InsurTechs und 70 Prozent der etablierten Konzerne gaben an, dass sie zusammenarbeiten wollen. Sowohl die Versicherer als auch InsurTechs haben ein starkes Interesse an der Kooperation mit Unternehmen anderer Branchen wie Gesundheitsdienstleistern und Akteuren aus dem Reise-, Transport- und Gastgewerbe.

Vincent Bastid, Generalsekretär von Efma, sagt:

„Die Versicherer werden von Partnerschaften mit InsurTechs profitieren, wenn der Markt immer dichter wird. Die Daten zeigen, dass Versicherer und InsurTechs bestrebt sind, Partnerschaften miteinander einzugehen, die letztendlich – in Form von erweiterten Produkten und Dienstleistungen – dem Kunden zugute kommen.“

Digitale Reife noch nicht vorhanden

Auch wenn die Versicherer zwar die Bedeutung dieser grundlegenden Veränderungen erkennen, besteht dennoch eine erhebliche Lücke zwischen den Erwartungen und der aktuellen digitalen Reife: So halten 79 Prozent der Versicherer wegweisende Kompetenzen im Datenmanagement für wichtig, aber nur 37 Prozent verfügen über eine konkrete Strategie zur Digitalen Transformation.

Auch gaben 37 Prozent an, dass der gemeinsame Besitz von immateriellen Vermögenswerten unerlässlich ist, aber nur 11 Prozent nutzen eine offene Architektur, um mit anderen Industrieunternehmen zusammenzuarbeiten.

Digitale Integration ist unverzichtbar

68 Prozent der Versicherer sagen, dass Partnerschaften entscheidend sind, aber nur 32 Prozent arbeiten mit Ökosystempartnern zusammen, um Services mit Mehrwert anzubieten.

Ein digital integriertes Ökosystem wird die personalisierten Echtzeit-Erlebnisse, die Kunden sich wünschen, möglich machen. Die digitale Integration ist unverzichtbar für die Versicherer, da ihre Kunden mehr Komfort und nahtlosen Service erwarten.

Zwar werden Partnerschaften eindeutig zur Befriedigung dieser Bedürfnisse beitragen, aber bis dahin bleibt noch viel zu tun: Weniger als 40 Prozent der etablierten Versicherer wollen eine technologische Infrastruktur aufbauen, die für eine offene Zusammenarbeit mit InsurTechs geeignet ist. Mehr als 60 Prozent der InsurTechs dagegen möchten mit Versicherern zusammenarbeiten, um eine solche Basis zu schaffen.

Zum Inventive Insurer werden

Der World InsurTech Report zeigt, dass der Erfolg auf dem Markt der Zukunft stark von der Fähigkeit der Versicherer abhängt, sich zu Inventive Insurers zu entwickeln. Dies erfordert eine ausgeprägtere digitale Reife, mehr Agilität sowie die Teilnahme an Ökosystemen. Über offene Plattformen können sie erfolgreich mit InsurTechs zusammenarbeiten und digitale, am Nutzererlebnis orientierte Angebote, entwickeln. Ein Inventive Insurer findet so innovative Wege, um stets die Kunden in den Mittelpunkt seines Geschäfts zu stellen.

 

Bild: © WrightStudio – stock.adobe.com

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