Update Versicherungsmarktreport: Drastische Sanierungsforderungen der Versicherer

Dem deutschen Versicherungsmarkt drohen Sanierungsmaßnahmen, zeigt das „Update Versicherungsmarktreport 2019“ von Marsh. So muss mittlerweile auch beim Blick auf den deutschen Industrieversicherungsmarkt von einer Verhärtung gesprochen werden.

Vor allem wenn die Maßnahmen um das Thema Kfz-Rückruf in den Griff zu bekommen, die insbesondere seitens der Versicherer getroffen werden, keine Wirkung zeigen, ist damit zu rechnen, dass die Sparte der industriellen Haftplicht die nächste ist, in der es zu Sanierungsmaßnahmen kommt.

Sachversicherung

Die Ergebnisse für das Jahr 2018 führen nicht zu einer Entlastung der Versicherer, sondern verstärken vielmehr den negativen Ergebnistrend der letzten Jahre. So sehen wir nun auf breiter Front zum Teil drastische Sanierungsforderungen der Versicherer.

Auch wenn diese Entwicklung nicht überraschend ist, hat kaum ein Versicherer vorausschauend seine Personalkapazitäten auf die gestiegene Anzahl von Anfragen angepasst. So werden schon jetzt Ausschreibungen aus Kapazitätsgründen nur noch sehr selektiv bearbeitet. Diese Situation wird sich erst entspannen, wenn die Versicherer ihre Vertragsverhandlungen im eigenen Bestand für das nächste Jahr abgeschlossen haben. Die genaue Kenntnis der individuellen Fähigkeiten und Zeichnungsrichtlinien der Versicherer sowie die Arbeit mit ausländischen Märkten und Rückversicherungskapazitäten werden daher immer bedeutender.

Haftpflichtversicherung

Die Zahl der Schäden in der industriellen Haftpflichtversicherung, die mit mehr als 100 Millionen Euro kompensiert wurden, ist gestiegen. Betroffen waren hiervon insbesondere Verträge mit hohen Deckungssummen für Kfz-Rückrufe. Als Folge reduzieren die Versicherer für diese Risiken ihre Kapazitäten, fordern höhere Prämien und Selbstbehalte und stellen gesteigerte Anforderung an das Risikomanagement. Eine generelle Verhärtung des Haftpflichtmarktes ist aber nicht festzustellen.

Kraftfahrtversicherung

In der Kfz-Versicherung sind erste Auswirkungen der Digitalisierung der Versicherungsbranche gut sichtbar: Die Schadenregulierung, insbesondere in der Kaskoversicherung, wird mit KI-gestützten Spezialprogrammen immer mehr automatisiert und beschleunigt. Zunehmend werden Kooperationen mit Firmen, die sich auf diese Prozesse spezialisiert haben, eingegangen. Zudem wird bei der Preisfindung es mit Unterstützung entsprechender IT-Lösungen mehr Möglichkeiten der individuellen Preisgestaltung geben.

Mit welcher Geschwindigkeit dieses Mehr an Individualität bei der Gestaltung von Kfz-Flottenverträgen Einzug hält, bleibt mit Blick auf die Zukunft der Mobilität abzuwarten.

Warentransportversicherung

Weiterhin bewegen internationale Handelsembargos und Sanktionen die Versicherungsnehmer. Vor allem der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran zieht auch in der Versicherungsindustrie Konsequenzen nach sich. So schließen einige Versicherer bereits jegliche Risiken mit Iran-Bezug aus. Außerdem werden nach den Berichten von iranischen Attacken auf Tankschiffe von einigen Versicherern die Kriegs- und Streikklauseln für Öl- und Bulk-Transporte auf der Straße von Hormus gekündigt und diese können nur gegen Mehrprämie wieder eingeschlossen werden.

D&O-Versicherung

Für große Unternehmen können die Prämien für Directors&Officers-Versicherungen jetzt teilweise steigen. Auch bei mittelständischen Unternehmen, die schadenbelastet sind, schlechte Finanzkennzahlen haben oder bei denen das bisherige Prämienniveau sehr günstig war, sind ebenfalls Prämienerhöhungen und teilweise Bedingungseinschränkungen zu beobachten. Es kann jedoch nicht von einer durchgängigen Verhärtung des Marktes gesprochen werden.

Prospektversicherung

Das Prämienniveau ist weiterhin stabil, die Ausgestaltung des Versicherungsschutzes und die Prämienfindung erfolgen jedoch stark einzelfallbezogen. Es ist mit höherer Volatilität an den Kapitalmärkten aufgrund der Brexit-Unsicherheit, der sich anbahnenden Bankenkrise in Europa, dem „Handelskrieg“ zwischen USA und China und der damit verbundenen Verschlechterung des konjunkturellen Umfelds zu rechnen. Infolgedessen haben bereits einige Emittenten ihre Kapitalmarkttransaktionen verschoben beziehungsweise abgesagt.

Cyberversicherung

Insbesondere bei Großrisiken, aber auch bei mittelständischen Betrieben steigen die Prämien für Cyber-Policen. Im Update Versicherungsmarktreport 2019 wurde eine Erhöhung der Deckungssummenzuschläge bei der Kalkulation von Exzedenten beobachtet. Zudem sind Versicherer nicht mehr bereit, grundsätzlich 25 Millionen Euro beziehungsweise die jeweilige maximale Kapazität bereitzustellen. Generell ist zu sehen, dass zahlreiche Versicherer ihre offerierte Gesamtkapazität im Gegensatz zu früher reduzieren und in ihrer Zeichnungspolitik vorsichtiger werden.

Private Equity und M&A

Die Nachfrage nach Warranty&Indemnity(W&I)-Versicherungen bleibt hoch. In Transaktionen verlangen Käufer (als Versicherungsnehmer) immer geringere Selbstbehalte, und der Markt kommt dem zunehmend entgegen. Die Prämien bleiben nach wie vor stabil.

Typische Zusatzdeckungen sind etwa die synthetische Absicherung von unbekannten Steuerrisiken sowie die Deckung von bekannten Steuerrisiken. Die Schadenmeldungen bei W&I-Versicherungen haben deutlich zugenommen: In der EMEA-Region ist ein Anstieg um 293 Prozent von 2016 bis 2018 zu verzeichnen.

Real Estate

Bei den gewerblichen wie auch bei den wohnungswirtschaftlichen Risiken zeichnet sich eine Verhärtung des Versicherungsmarktes ab. Abhängig von den individuellen Schadenquoten der Risiken beziehungsweise Portfolios verzeichnet das Update derzeit Prämiensteigerungen der Versicherer.

 

Bild: © cherezoff / fotolia.com

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