Commerzbank-Übernahme: Drei von vier Finanzentscheidern lehnen UniCredit-Pläne ab
Die geplante Übernahme der Commerzbank durch UniCredit sorgt bei deutschen Unternehmen für wachsende Skepsis. Eine Befragung von FINANCE und F.A.Z. Business Media | research zeigt: Viele Finanzverantwortliche überprüfen bereits ihre Bankenstrategie. Konkrete Wechsel bleiben bislang jedoch die Ausnahme.
Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit stößt bei Finanzverantwortlichen deutscher Unternehmen auf breite Ablehnung. Drei Viertel der Befragten bewerten den Zusammenschluss negativ oder eher negativ. Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei Unternehmen, die bereits Geschäftsbeziehungen zur Commerzbank unterhalten.
Das geht aus einer aktuellen Befragung von FINANCE und F.A.Z. Business Media | research hervor, an der 334 CFOs, Finanzleiter und Treasurer deutscher Unternehmen teilgenommen haben. Nur rund jeder Fünfte beurteilt die Übernahme positiv oder eher positiv.
Die Ablehnung hat sich über die vergangenen zwei Jahre verstärkt. Während im Herbst 2024 noch 67 Prozent der befragten Finanzentscheider eine mögliche Übernahme kritisch bewerteten, waren es im Frühjahr 2026 bereits 71 Prozent. In der aktuellen Erhebung liegt der Anteil bei 75 Prozent.
Mittelstand fürchtet Veränderungen im Firmenkundengeschäft
Unter den Befragten, die die Commerzbank als Hausbank nennen, fällt die Ablehnung mit 79 Prozent besonders hoch aus. Am kritischsten sind Finanzverantwortliche aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Euro: In diesem Segment bewerten 81 Prozent die Übernahme negativ oder eher negativ. Die Vorbehalte betreffen vor allem mögliche Veränderungen bei Finanzierungskonditionen, Kreditlinien und persönlicher Betreuung. Für den Fall einer Restrukturierung erwarten 70 Prozent Veränderungen in ihrer Bankbeziehung oder Betreuung. Gut ein Drittel rechnet mit höheren Finanzierungskosten, 30 Prozent befürchten einen Rückgang des Wettbewerbs um Firmenkunden. Dabei handelt es sich bislang überwiegend um Erwartungen der Befragten, nicht um bereits nachgewiesene Folgen der Übernahme.
Fast jeder Zweite überprüft seinen Bankenpool
Die Unsicherheit beeinflusst bereits die Finanzierungsstrategie vieler Unternehmen. 64 Prozent der Befragten geben an, dass die Übernahmeankündigung ihre Bankenpolitik verändert habe. Fast jeder zweite Finanzverantwortliche überdenkt inzwischen die Zusammensetzung seines Bankenpools. Im Frühjahr 2026 war es erst etwa jeder Vierte. Zwischen strategischer Überprüfung und konkretem Handeln besteht allerdings noch ein deutlicher Unterschied: Lediglich 15 Prozent der Befragten haben bereits zusätzliche Banken angefragt. Ebenfalls 15 Prozent berichten, dass sich die Übernahmebemühungen schon unmittelbar auf ihre Geschäftsbeziehungen zur Commerzbank oder UniCredit ausgewirkt hätten. Die Ergebnisse deuten damit auf eine wachsende Verunsicherung hin. Von einem flächendeckenden Rückzug der Firmenkunden aus bestehenden Bankbeziehungen kann bislang jedoch keine Rede sein.
EZB hat den Weg für UniCredit weiter geöffnet
Die Befragung fällt in eine entscheidende Phase des Übernahmeprozesses. Wie experten.de am 16. Oktober berichtete, hat die Europäische Zentralbank UniCredit erlaubt, ihre Beteiligung an der Commerzbank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus auszubauen. Damit ist eine wesentliche aufsichtsrechtliche Hürde für die angestrebte Kontrollübernahme entfallen. Bereits im Sommer hatte sich abgezeichnet, dass der Konflikt zunehmend in eine mögliche Verhandlungsphase übergehen könnte. Über diese Entwicklung und die veränderte Ausgangslage für die Commerzbank hatte experten.de Ende Juli berichtet.
Die nun veröffentlichten Befragungsergebnisse zeigen, dass sich parallel zu den Fortschritten im Übernahmeprozess auch die Sorgen der Firmenkunden verstärken.
Skepsis gegenüber der Übernahme – aber keine akute Finanzierungsnot
Trotz ihrer Vorbehalte sehen die meisten Finanzentscheider die Finanzierungsmöglichkeiten ihrer Unternehmen nicht grundsätzlich gefährdet. 74 Prozent gehen davon aus, dass auch nach einem Zusammenschluss genügend alternative Banken zur Verfügung stehen. Anders fällt die Einschätzung zu den wirtschaftspolitischen Folgen aus: 62 Prozent der Befragten befürchten eine Schwächung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Befragung macht damit einen Unterschied deutlich: Die Sorge um Wettbewerb, Konditionen und Betreuung wächst. Eine akute Finanzierungskrise lässt sich aus den Antworten jedoch nicht ableiten.
Quelle: FINANCE / F.A.Z. Business Media | research, Befragung unter 334 Finanzverantwortlichen deutscher Unternehmen, veröffentlicht am 21. Oktober 2026. Zur ausführlichen Auswertung bei FINANCE
Themen:
LESEN SIE AUCH
Nach dem Übernahmekampf beginnt die Verhandlungsphase bei der Commerzbank
Commerzbank: Weidmann fordert UniCredit zu direkten Gesprächen auf
Commerzbank: Der Bund legt sich als Eigentümer gegen UniCredit fest
Commerzbank weist UniCredit zurück und setzt auf eigene Stärke
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Psychische Erkrankungen: Unternehmen stehen vor wachsender Herausforderung
Versicherungskammer und Provinzial verbünden sich bei der Altersvorsorge
BaFin setzt Thomas Münkel als Sonderbeauftragten bei GVO ein
Überschussbeteiligung 2027: ERGO eröffnet Deklarationsrunde mit Erhöhung
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

















