Generali startet tokenisierte Fondsklasse – was dahintersteckt
Generali Investments führt erstmals eine tokenisierte Anteilsklasse eines bestehenden Geldmarktfonds ein. Statt Fondsanteile ausschließlich über herkömmliche Verwaltungssysteme zu erfassen, nutzt der Vermögensverwalter dafür eine digitale Registertechnologie. Zunächst bleibt die Lösung Unternehmen der eigenen Gruppe vorbehalten. Langfristig soll daraus ein breiteres Angebot entstehen.
Generali Investments hat erstmals eine tokenisierte Anteilsklasse eines bestehenden Investmentfonds aufgelegt. Zum Einsatz kommt die sogenannte Distributed-Ledger-Technologie (DLT), mit der Fondsanteile digital dargestellt und erfasst werden. Den Anfang macht der in Luxemburg aufgelegte Generali Money Market Fund, der von Generali Asset Management verwaltet wird.
Die neue Anteilsklasse ist zunächst ausschließlich ausgewählten Unternehmen der Generali-Gruppe zugänglich. Externe institutionelle Investoren und Privatanleger können sie derzeit nicht erwerben.
Für Generali ist die Einführung der erste Schritt zum Aufbau eines umfassenderen Angebots tokenisierter Investmentmöglichkeiten. Perspektivisch soll die Technologie auch für weitere Kundengruppen genutzt werden.
Was bedeutet Tokenisierung bei Investmentfonds?
Wer in einen Investmentfonds investiert, kauft Fondsanteile. Üblicherweise werden diese über die bestehenden Systeme von Banken, Verwahrstellen und Fondsverwaltungen erfasst und übertragen.
Bei einem tokenisierten Fonds funktioniert das anders: Jeder Fondsanteil wird durch einen digitalen Eintrag, einen sogenannten Token, repräsentiert. Dieser Eintrag wird in einem gemeinsamen digitalen Register gespeichert, auf das berechtigte Beteiligte zugreifen können. Die zugrunde liegende Technik heißt Distributed-Ledger-Technologie.
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht unbedingt in der Geldanlage selbst, sondern in ihrer Verwaltung. Statt dass mehrere Beteiligte ihre Aufzeichnungen miteinander abgleichen müssen, können Eigentumswechsel und andere Vorgänge über das digitale Register koordiniert und teilweise automatisiert werden.
Das könnte den Kauf und Verkauf von Fondsanteilen vereinfachen, Abwicklungszeiten verkürzen und dafür sorgen, dass Anleger nach einer Rückgabe schneller über ihr Geld verfügen können. Aus einem herkömmlichen Geldmarktfonds wird dadurch aber keine Kryptowährung. Die Tokenisierung verändert zunächst die technische Darstellung und Verwaltung der Fondsanteile, nicht automatisch die Vermögenswerte, in die der Fonds investiert.
Generali sieht Tokenisierung als Teil seiner Technologiestrategie
Für Woody Bradford, CEO und General Manager von Generali Investments, ist die Einführung Teil einer umfassenderen Modernisierung des Vermögensverwaltungsgeschäfts. „Da sich die Tokenisierung auf den Finanzmärkten immer schneller durchsetzt, müssen Vermögensverwalter zügig handeln, um dieses Potenzial zu nutzen“, erklärt Bradford. Die neue Anteilsklasse soll nach Unternehmensangaben an bereits bestehende Initiativen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Automatisierung anknüpfen. Generali verspricht sich davon langfristig effizientere Abläufe und eine stärker digitalisierte Kundenbetreuung.
Auch Emiliano Di Giammatteo, Chief Operating Officer bei Generali Investments, sieht in der Technologie mehr als eine neue Form der Fondsverwaltung. „Tokenisierung und digitale Vermögenswerte können eine wichtige Rolle bei der Modernisierung unserer Infrastruktur für Investmentfonds spielen“, sagt Di Giammatteo.
Warum Generali mit einem Geldmarktfonds beginnt
Dass Generali ausgerechnet einen Geldmarktfonds für den Einstieg gewählt hat, ist kein Zufall. Geldmarktfonds investieren typischerweise in kurzfristige, vergleichsweise liquide Finanzinstrumente. Sie werden unter anderem von Unternehmen und institutionellen Investoren genutzt, um vorübergehend verfügbare Mittel anzulegen. Gerade in diesem Bereich könnten schnellere Übertragungen und automatisierte Prozesse Vorteile bieten.
Di Giammatteo bezeichnet Geldmarktfonds deshalb als vielversprechenden Ausgangspunkt. Sie könnten nicht nur einen effizienteren Vertrieb ermöglichen, sondern auch das Liquiditäts- und Sicherheitenmanagement verbessern. Der Manager verweist dabei ausdrücklich auf mögliche Anwendungen an traditionellen Kapitalmärkten und im Umfeld von Stablecoin-Emittenten. Damit deutet Generali an, dass tokenisierte Geldmarktfonds langfristig auch als Baustein für die Verbindung zwischen klassischer Finanzwirtschaft und digitalen Finanzmärkten dienen könnten.
Markt für tokenisierte Vermögenswerte wächst
Generali verweist auf das starke Wachstum tokenisierter realer Vermögenswerte, sogenannter Real World Assets (RWA). Nach den in der Pressemitteilung angeführten Daten von RWA.xyz hat sich das Marktvolumen seit Anfang 2025 nahezu vervierfacht. Im September 2026 erreichte es demnach rund 39 Milliarden US-Dollar. Besonders Anleihen und Geldmarktfonds gelten dabei als wichtige Einstiegspunkte für traditionelle Finanzunternehmen. Auch die langfristigen Wachstumserwartungen sind hoch. Verschiedene Marktstudien rechnen damit, dass tokenisierte Vermögenswerte bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts ein Volumen von mehreren Billionen US-Dollar erreichen könnten.
Dabei handelt es sich allerdings um Prognosen, deren Eintritt unter anderem von regulatorischen Rahmenbedingungen, technischen Standards und der tatsächlichen Akzeptanz am Markt abhängt.
Schnellere Abwicklung bleibt zunächst ein Versprechen
Zu den möglichen Vorteilen tokenisierter Fonds zählen nach Angaben von Generali kürzere Abwicklungszeiten, vereinfachte Zeichnungs- und Rücknahmeprozesse sowie längere Handelsfenster. Auch ein leichterer Handel mit Fondsanteilen auf Sekundärmärkten könnte künftig die Liquidität verbessern. Ob und in welchem Umfang diese Vorteile bereits mit der neuen Generali-Anteilsklasse realisiert werden, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.
Der Vermögensverwalter bezeichnet die Einführung vielmehr als ersten Meilenstein. Zunächst soll die Technologie innerhalb der eigenen Gruppe eingesetzt werden, bevor ein breiterer Vertrieb möglich wird.
Für den Fondsmarkt ist die Entwicklung dennoch bemerkenswert: Mit Generali erprobt ein großer europäischer Vermögensverwalter die Tokenisierung nicht nur als theoretisches Konzept, sondern innerhalb eines bestehenden Fondsprodukts.
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