Trade Republic gründet Lebensversicherer in Liechtenstein
Trade Republic erweitert sein Geschäftsmodell um die Lebensversicherung. Die neu gegründete Justinian Versicherungs AG hat am 15. Oktober 2026 die Zulassung der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht erhalten. Welche Produkte der Neobroker anbieten will, ist noch offen. Der Standort Vaduz wirft allerdings Fragen zur Absicherung deutscher Versicherungsnehmer auf.
Mit dem Einstieg in das Lebensversicherungsgeschäft erschließt sich Trade Republic einen weiteren Teil des Altersvorsorgemarktes. Die Justinian Versicherungs AG darf künftig sowohl klassische als auch fondsgebundene Lebensversicherungen anbieten. Branchenbeobachter vermuten, dass die Gründung mit der Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge zusammenhängt, die neben reinen Wertpapierdepots auch Produkte mit Beitragsgarantien ermöglicht.
Für Trade Republic wäre das eine naheliegende Erweiterung seines bisherigen Geschäftsmodells. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über rund zehn Millionen Kunden in 18 europäischen Ländern und könnte künftig neben ETF-Sparplänen auch versicherungsförmige Altersvorsorgeprodukte über seine digitale Plattform vertreiben.
Warum Liechtenstein?
Bemerkenswert ist allerdings die Wahl des Unternehmenssitzes. Liechtenstein gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum, sodass dort zugelassene Versicherer grundsätzlich auch in Deutschland tätig werden können. Die unmittelbare Versicherungsaufsicht liegt jedoch bei der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein und nicht bei der deutschen BaFin.
Für deutsche Kunden ist diese Unterscheidung insbesondere im Insolvenzfall relevant. Anders als bei deutschen Lebensversicherern besteht für eine liechtensteinische Gesellschaft keine automatische Absicherung über den deutschen Sicherungsfonds Protektor. Welche Sicherungsmechanismen bei der Justinian Versicherungs AG greifen und wie mögliche langfristige Garantieversprechen abgesichert werden sollen, ist bislang nicht bekannt.
Eine ausführliche Recherche zu den handelnden Personen, den möglichen Altersvorsorgeprodukten und insbesondere den rechtlichen Folgen des Standorts Liechtenstein hat Mirko Wenig im VersicherungsJournal vom 20. Oktober 2026 veröffentlicht.
Trade Republic selbst hat bislang keine konkreten Versicherungsprodukte angekündigt. Ob der Neobroker mit seiner neuen Gesellschaft tatsächlich in den Markt garantierter Altersvorsorge einsteigen wird, bleibt daher abzuwarten.
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