US-Dollar: Wie belastbar ist die Stärke der amerikanischen Währung?
Der Euro steht unter Druck, doch die Probleme Europas erklären nur einen Teil der Dollarstärke. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments, sieht auch auf amerikanischer Seite Risiken, die den weiteren Kursverlauf bestimmen könnten.
Steigende Energieimportkosten, die Sorge um Frankreichs Staatsfinanzen und ein Krieg im Iran, dessen Ende nicht absehbar ist: Wer derzeit gegen den Euro wettet, findet dafür hinreichend Gründe. Der Dollar profitiert davon, obwohl die Schwierigkeiten auf der einen Seite des Atlantiks die wirtschaftlichen und politischen Risiken auf der anderen nicht beseitigen. Wie lange diese dem Aufstieg der amerikanischen Währung untergeordnet bleiben, hängt auch davon ab, wie verlässlich sich die Erwartungen erweisen, auf denen er beruht. Genau dort setzt Thomas Hempell in seinem aktuellen Marktkommentar an.
Die Stärke des US-Dollars steht auf wackeligen Beinen
Marktkommentar von Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments
Euro-Bullen sind derzeit rar. Sorgen um die französischen Staatsfinanzen und steigende Energieimportkosten haben den EUR/USD-Kurs seit Mitte August von 1,17 auf 1,125 gedrückt (-4,4 % seit Jahresbeginn), und die spekulativen Short-Positionen auf den Euro sind so hoch wie seit 2016 nicht mehr. Angesichts des sich hinziehenden Krieges im Iran und der ungelösten politischen Lage in Frankreich erscheint eine kurzfristige Erholung des Euro unwahrscheinlich.
Doch auch die USD-Rallye, die von höheren Zinserwartungen gegenüber der Fed und Kapitalzuflüssen in KI-Investments angetrieben wird, steht auf wackeligen Beinen.
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Erstens scheinen die Long-Positionen im USD überlaufen zu sein.
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Zweitens könnte ein Abkommen zwischen dem Iran und den USA nach den Zwischenwahlen im November den Druck auf die Energiepreise und die Verschlechterung der Handelsbedingungen im Euroraum mildern.
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Drittens halten die innenpolitischen Risiken in den USA weiterhin an. Die Fed widersetzte sich im September dem Druck von Präsident Trump und hob die Zinsen an, doch der Untersuchungsausschuss gegen Gouverneur Cook zeigt, dass Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed wieder aufkommen könnten. Unbewältigte fiskalische Herausforderungen halten zudem die Risiken einer fiskalischen Dominanz und einer finanziellen Repression aufrecht.
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Viertens stützt sich das US-Leistungsbilanzdefizit zunehmend auf volatile Kapitalzuflüsse aus dem Aktienmarkt statt aus dem Anleihemarkt. Dies bindet den Dollar an die KI-Erwartungen, wie der USD-Rückgang der vergangenen Woche aufgrund schwankender Technologiewerte zeigte.
Angesichts der Unsicherheiten im Energiesektor und der Sorgen um die europäische Schuldenkrise dürfte sich der US-Dollar kurzfristig weiterhin stabil zeigen. Doch die innenpolitischen Herausforderungen in den USA lassen die Aussichten bis ins Jahr 2027 hinein eher schwächer ausfallen.
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