PKV-Verband und GKV-Spitzenverband: Bundesländer finanzieren Krankenhausinvestitionen weiterhin unzureichend

Veröffentlichung: 17.07.2026, 06:07 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

(PDF)
Die Länder finanzieren nur etwa die Hälfte der notwendigen Krankenhausinvestitionen. Die Folge: Beitragsgelder ersetzen zunehmend staatliche Investitionsmittel – mit weitreichenden Folgen für das Gesundheitssystem.Die Länder finanzieren nur etwa die Hälfte der notwendigen Krankenhausinvestitionen. Die Folge: Beitragsgelder ersetzen zunehmend staatliche Investitionsmittel – mit weitreichenden Folgen für das Gesundheitssystem.Experten

Die Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser bleibt eine der größten ordnungspolitischen Schwachstellen im deutschen Gesundheitswesen. Nach dem aktualisierten Katalog der Investitionsbewertungsrelationen liegt der jährliche Investitionsbedarf der Kliniken inzwischen bei mindestens acht Milliarden Euro. Tatsächlich stellen die Bundesländer jedoch lediglich rund die Hälfte dieser Summe bereit. Die daraus resultierende Finanzierungslücke von etwa vier Milliarden Euro zwingt viele Krankenhäuser dazu, Investitionen aus Mitteln für den laufenden Betrieb zu finanzieren – obwohl das duale Finanzierungssystem genau diese Vermischung verhindern soll.

Investitionsverantwortung der Länder wird zunehmend auf Beitragszahler verlagert

Das deutsche Krankenhausfinanzierungssystem basiert auf einer klaren Aufgabenteilung: Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen finanzieren den laufenden Krankenhausbetrieb, während die Bundesländer für notwendige Investitionen in Gebäude, Medizintechnik und Infrastruktur verantwortlich sind.
Diese Trennung gerät seit Jahren zunehmend ins Wanken. Nach den aktuellen Berechnungen, auf die sich Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), GKV-Spitzenverband und Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) verständigt haben, beläuft sich der notwendige jährliche Investitionsbedarf auf mindestens acht Milliarden Euro. Grundlage ist eine von einer Regierungskommission empfohlene Investitionsquote von sieben bis neun Prozent für den Erhalt des Krankenhausbestands.
Die Länder stellen jedoch weiterhin lediglich rund vier Milliarden Euro bereit. Damit bleibt eine Finanzierungslücke von etwa 50 Prozent bestehen.

Betriebsmittel finanzieren zunehmend Infrastruktur

Die ökonomische Konsequenz reicht weit über die Haushalte einzelner Kliniken hinaus. Können notwendige Investitionen nicht über Landesmittel finanziert werden, müssen Krankenhäuser diese aus ihren Betriebserlösen finanzieren. Damit fließen Beitragsgelder der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zunehmend in Gebäude, Modernisierung und technische Infrastruktur statt in die eigentliche Patientenversorgung.
Dieser Mechanismus verändert die Anreizstruktur des gesamten Finanzierungssystems. Betriebsmittel verlieren ihre eigentliche Funktion als Finanzierung medizinischer Leistungen und werden zur Ersatzfinanzierung staatlicher Investitionspflichten. Die Folge sind sinkende finanzielle Spielräume der Krankenhäuser und ein wachsender wirtschaftlicher Druck auf Einrichtungen, deren Ertragslage ohnehin angespannt ist.

Bewertungsrelationen schaffen Transparenz – verpflichtend sind sie jedoch nicht

Zur objektiven Ermittlung des Investitionsbedarfs existieren seit 2014 die sogenannten Investitionsbewertungsrelationen. Sie werden jährlich vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) aktualisiert und ordnen jedem Behandlungsfall einen investitionsbezogenen Finanzierungsbedarf zu. Je komplexer eine Behandlung, desto höher fällt die Bewertungsrelation aus.
Das Instrument soll den Ländern eine leistungsorientierte Verteilung ihrer Investitionsmittel ermöglichen. Allerdings besteht keine Verpflichtung zur Anwendung. Bislang nutzen lediglich Berlin, Hessen und Bremen den Katalog als Grundlage ihrer Investitionsplanung.
Damit bleibt ein bundesweit einheitliches Verfahren zwar verfügbar, entfaltet aber nur begrenzte Wirkung, solange die Länder weder ausreichende Mittel bereitstellen noch die Bewertungsrelationen flächendeckend einsetzen.

Finanzierungslücke wird zum ordnungspolitischen Problem

Die Debatte um die Krankenhausfinanzierung ist damit längst mehr als eine Frage zusätzlicher Haushaltsmittel. Sie betrifft die Funktionsfähigkeit des dualen Finanzierungssystems selbst. Werden Investitionskosten dauerhaft über Beitragsgelder finanziert, verschiebt sich die Last von den öffentlichen Haushalten auf Versicherte und Arbeitgeber. Zugleich entstehen Wettbewerbsverzerrungen zwischen wirtschaftlich unterschiedlich aufgestellten Krankenhäusern.
GKV-Spitzenverband und PKV-Verband fordern deshalb die Bundesländer auf, ihrer gesetzlichen Verpflichtung vollständig nachzukommen und die Investitionsförderung deutlich auszubauen.
Strukturell zeigt sich damit ein grundlegendes Problem staatlicher Finanzierungsverantwortung: Solange Investitionen systematisch unterfinanziert bleiben, verliert das duale Finanzierungssystem seine Trennschärfe. Kurzfristig stabilisieren Krankenhäuser ihre Infrastruktur über Betriebsmittel. Langfristig werden jedoch die Finanzierungsgrundlagen der stationären Versorgung selbst geschwächt – mit Folgen für Investitionsbereitschaft, Wettbewerbsfähigkeit und die dauerhafte Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

„Der Faktor Arbeit wird noch teurer“, warnt Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbands der Privaten Krankenversicherung„Der Faktor Arbeit wird noch teurer“, warnt Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbands der Privaten KrankenversicherungPKV-Verband
Krankenversicherung

Wahlfreiheit oder Finanzierungslogik? Streit um den Zugang zur PKV spitzt sich zu

Die Bundesregierung will die Hürden für einen Wechsel von Angestellten in die Private Krankenversicherung deutlich anheben. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des PKV-Verbandes zeigt jedoch, dass die Mehrheit der Bevölkerung Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung befürwortet. Hinter der Debatte steht eine grundsätzliche Frage: Soll das Gesundheitssystem künftig stärker auf Wettbewerb oder auf eine Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung durch höhere Beitragseinnahmen setzen?
Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata
Krankenversicherung

PKV: Steigende Gesundheitskosten werden zur Belastungsprobe

Die private Krankenversicherung wächst weiter – doch gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben in rasantem Tempo. Der aktuelle Marktausblick von Assekurata zeigt: Die Branche profitiert zwar von Rekordbeiträgen, zunehmenden Wechseln aus der GKV und dem Boom der betrieblichen Krankenversicherung. Gleichzeitig geraten Profitabilität, Beitragsstabilität und Prozesse immer stärker unter Druck.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen.Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen.DALL-E
Gesundheitsvorsorge

PKV-Beiträge: Verband kündigt deutliche Anpassungen an

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen. Nach vorläufigen Angaben sollen rund 60 Prozent der privat Vollversicherten betroffen sein, im Schnitt mit etwa 13 Prozent Mehrbelastung.
Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Adobe
Gesundheitsvorsorge

Krankenversicherung zum Semesterstart: Was Studierende jetzt wissen müssen

Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung? Der Überblick zeigt, wer sich wie versichern kann, worauf privat Versicherte achten müssen – und welche Vorteile PKV-Tarife für junge Menschen bieten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht