KfW Capital startet Wachstumsfonds II – Milliardenvehikel für Europas Start-ups
Die staatliche Förderbank KfW setzt ihre Venture-Capital-Strategie fort: Zum 1. April 2026 startet KfW Capital das Fundraising für den Wachstumsfonds II. Mit einem Zielvolumen von rund einer Milliarde Euro knüpft der neue Dachfonds nahezu nahtlos an seinen Vorgänger an.
Wie schon beim ersten Fonds stellen Bund und KfW Capital selbst einen erheblichen Kapitalanteil bereit – zusammen 320 Millionen Euro. Der Rest soll von institutionellen Investoren kommen, darunter Versicherungen, Pensionskassen und Family Offices. Für sie bietet der Fonds einen strukturierten Zugang zur bislang schwer zugänglichen Anlageklasse Venture Capital.
Fokus auf Skalierung – nicht auf Gründung
Inhaltlich bleibt die Stoßrichtung klar: Der Wachstumsfonds II zielt auf spätere Finanzierungsphasen. Im Zentrum stehen Beteiligungen an etablierten Venture-Capital-Fonds sowie ergänzende Co-Investments, Secondaries und Venture-Debt-Strukturen.
Damit adressiert das Instrument ein bekanntes Problem des europäischen Start-up-Marktes. Während die Frühphasenfinanzierung inzwischen vergleichsweise gut funktioniert, fehlt es weiterhin an großvolumigem Kapital für die Skalierung. Viele Unternehmen weichen in dieser Phase auf Investoren aus den USA oder Asien aus.
Der Fonds soll genau diese Lücke schließen – und Wertschöpfung stärker in Europa halten.
Erfolgsbilanz bleibt vorerst offen
Die Bundesregierung verweist auf den Erfolg des ersten Wachstumsfonds. Tatsächlich wurden bis Ende März 2026 rund 870 Millionen Euro in 43 Zielfonds zugesagt. Das zeigt vor allem: Das Modell ist platzierbar.
Ob es auch wirtschaftlich trägt, ist dagegen noch offen. Venture-Capital-Investments benötigen Zeit, belastbare Aussagen zu Renditen sind erst nach Jahren möglich. Der erste Fonds liefert daher bislang keinen Performance-, sondern lediglich einen Struktur- und Funktionsnachweis.
Staat als Türöffner für private Investoren
Die zentrale Rolle des Staates liegt weniger in der Finanzierung selbst als in der Signalwirkung. Der öffentliche Kapitalanteil reduziert Risiken aus Sicht privater Investoren und erleichtert deren Einstieg in die Anlageklasse.
Gerade für regulierte Investoren wie Versicherungen ist Venture Capital bislang schwer zugänglich – zu komplex, zu illiquide, zu stark von einzelnen Fondsmanagern abhängig. Der Dachfonds bündelt diese Risiken und macht sie investierbar, ohne sie grundlegend zu verändern.
Zwischen Marktlogik und Industriepolitik
Der Wachstumsfonds II steht damit exemplarisch für eine neue Rolle des Staates im Kapitalmarkt. Es geht nicht mehr primär um direkte Förderung einzelner Unternehmen, sondern um die Schaffung von Marktstrukturen.
Allerdings bleibt ein Spannungsfeld: Kapital wird nicht ausschließlich nach Renditegesichtspunkten allokiert, sondern auch mit industriepolitischer Zielsetzung. Das kann helfen, Marktdefizite zu überwinden – birgt aber auch das Risiko von Fehlsteuerungen.
Entscheidung fällt in den Portfolios
Ob der Fonds langfristig Wirkung entfaltet, hängt weniger vom Fundraising als vom Verhalten institutioneller Investoren ab. Erst wenn Venture Capital dauerhaft in deren strategische Allokation eingeht, entsteht ein stabiler Markt.
Bleibt es dagegen bei punktuellen Engagements, dürfte auch der Wachstumsfonds II vor allem eines sein: ein weiteres Instrument staatlicher Anschubfinanzierung.
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