Dispozinsen im Vergleich: Kontoüberziehung kostet im Schnitt über elf Prozent
Die Nutzung des Dispokredits bleibt für viele Bankkunden teuer: Im Schnitt verlangen Kreditinstitute über elf Prozent Zinsen – in der Spitze sogar deutlich mehr. Eine aktuelle Auswertung zeigt zudem: Wer seinen Disporahmen überschreitet, zahlt häufig zusätzliche Aufschläge.
Die Überziehung des Girokontos gehört für viele Verbraucher zum Alltag – doch sie ist weiterhin mit hohen Kosten verbunden. Wie eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis von Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zeigt, verlangen Banken im Durchschnitt 11,28 Prozent Zinsen für die Nutzung des Dispokredits. In Einzelfällen steigen die Zinssätze sogar auf bis zu 15,31 Prozent.
Den höchsten Dispozins im untersuchten Datensatz berechnet derzeit die VR-Bank Landsberg-Ammersee mit 15,31 Prozent. Es folgen die Volksbank Nordharz mit 14,77 Prozent sowie die Sydbank mit 14,55 Prozent. Auffällig: Unter den 20 teuersten Anbietern dominieren Genossenschaftsbanken und Sparkassen, während Privatbanken nur vereinzelt vertreten sind. „Zur kurzfristigen Überbrückung eines finanziellen Engpasses ist der Dispo praktisch, doch diese Flexibilität müssen Bankkunden bei vielen Geldhäusern teuer bezahlen“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.
Zusatzkosten bei Überschreitung des Disporahmens
Noch teurer wird es, wenn Kunden den vereinbarten Disporahmen überschreiten. Bei rund 45 Prozent der untersuchten Girokonten fällt für diese sogenannte geduldete Überziehung ein zusätzlicher Zinsaufschlag an. Dieser liegt im Schnitt bei 4,25 Prozentpunkten, häufig in einer Spanne von zwei bis sechs Prozentpunkten. In der Spitze erreichen die Kosten damit ein deutlich höheres Niveau: Bei der Raiffeisenbank Pfaffenhofen an der Glonn beträgt der Zinssatz für die geduldete Kontoüberziehung bis zu 19,75 Prozent. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim klassischen Dispo: Die höchsten Zinssätze finden sich überwiegend bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen.
Kurzfristig überschaubar – langfristig teuer
Trotz der hohen Zinssätze bleiben die Kosten bei kurzfristiger Nutzung vergleichsweise gering. Wer beispielsweise für zehn Tage mit 500 Euro im Minus ist, zahlt bei einem durchschnittlichen Dispozins von 11,28 Prozent rund 1,57 Euro Zinsen. Anders sieht es bei dauerhaft überzogenen Konten aus. In solchen Fällen kann sich die Zinsbelastung schnell summieren. „Bei der Wahl des passenden Girokontos sollten Verbraucher nicht nur auf die Dispo- und Überziehungszinsen achten. Aber je häufiger Bankkunden den Dispokredit in Anspruch nehmen, desto wichtiger sind natürlich auch günstige Konditionen“, so Maier weiter. Neben den Zinssätzen spielen laut Verivox auch Kontoführungsgebühren, Kartenkosten und Gebühren für Bargeldabhebungen eine wichtige Rolle bei der Auswahl eines Girokontos.
Ratenkredite als Alternative
Für Kunden, die ihr Konto regelmäßig überziehen, können günstigere Finanzierungsformen eine Alternative sein. Ratenkredite liegen laut der Analyse häufig nur etwa halb so hoch wie Dispozinsen. Zudem bieten sie planbare Rückzahlungsstrukturen mit festen monatlichen Raten. Eine Umschuldung kann daher insbesondere bei längerfristigem Finanzierungsbedarf sinnvoll sein, da sie Transparenz über die Laufzeit und die verbleibende Restschuld schafft.
Methodik der Auswertung
Die Analyse basiert auf einem Datensatz von mehr als 6.600 Girokontomodellen von rund 1.100 Banken und Sparkassen, den Verivox am 26. Februar 2026 bei der BaFin abgerufen und ausgewertet hat. Für 5.044 dieser Konten war ein Dispokredit verfügbar und entsprechend verzinst. Die Angaben zu den Zinssätzen wurden zusätzlich anhand der veröffentlichten Konditionen auf den Internetseiten der jeweiligen Kreditinstitute überprüft.
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